Ich esse was, was ich nicht kenn‘ (März 2011)

Es ist mittlerweile ganz schön schwierig geworden, etwas zu finden, was ich noch nicht gegessen habe. Es gibt sicherlich noch einiges, aber das liegt nicht in normalen Supermarktregalen herum. Dafür aber manchmal in der Büffet-Auslage eines China-Restaurants. Das war so ein Büffet, wo man sich alles roh auf den Teller schaufelt und das ganze dann vor deinen Augen auf einer Art heißer überdimensionaler Herdplatte gebraten wird. Und dort, an diesem Büffet, erhaschten meine Augen ein Kärtchen mit der Aufschrift „Reisblätterteig“. Was auch immer das sein mag, es muss auf meinen Teller wandern! Weiße Streifen, etwa so lang und breit wie mein Daumen und etwa ein halber Zentimeter dick. Und etwas…schwabbelig. Na gut, ist ja noch nicht zubereitet.

Ein paar Minuten später suche ich die Reisblätterteig-Dinger zwischen Nudeln und Gemüse. Mal schauen, wie das so schmeckt.

+ Dramatische Pause von etwa dreißig Sekunden für wirklich sehr angestrengtes Kauen +

Wenn man Silikon essen könnte, dann wäre das bestimmt genau so wie Reisblätterteig. Ich habe es nicht ausprobiert, aber ich glaube, ich hätte das Stück auf eine Länge von einem Meter dehnen können. Und von innen ist es irgendwie wie roher Teig. Höflich wie ich bin und weil ich Angst vor der chinesischen Mafia habe habe ich das trotzdem aufgegessen. So schlecht ist es gar nicht. Schmeckt irgendwie abartig, aber auf eine lustige Art und Weise. Und auch nicht so widerlich, dass ich es nicht ertragen kann.

Heute Morgen schmiss ich dann die Suchmaschine an und gab „Reisblätterteig“ ein. Kein Treffer. Also, kein sinnvoller zumindest. Irgendwann dämmerte es mir, dass es wohl Reisblätter-Teig war. Daraus macht man zum Beispiel Frühlingsrollen. Nur vermutlich ist der Teig dazu bedeutend dünner und großflächiger ausgerollt. In diese kleinen Streifen jedenfalls konnte man nichts einrollen.

Die Frage, die ich mir jetzt stelle ist: warum wurde das da so angeboten? Isst man das in China so, als kleiner Snack vielleicht? Oder machen sich die Köche dort einfach über die unwissenden Deutschen lustig, die sich etwas braten lassen, was die Chinesen als Fensterkitt benutzen? Ich jedenfalls möchte Reisblätter demnächst gern wieder in der Form essen, in der ich sie schon kenne: als Umhüllung einer Frühlingsrolle.

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Kategorien: Eat & Greet | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Ich esse was, was ich nicht kenn‘ (März 2011)

  1. ann

    Ich muss immer noch lachen bei der Vorstellung, dass sich die Köche abends belustigt erzählen, wie viele unwissende Deutsche sie tagsüber wieder mit ihrem Fensterkitt verarscht haben. 😉

  2. hihi, luschtik! oder irgendeiner hat fensterkit hingelegt und das einfach mal irgendwie beschriftet. 😉

  3. Ninni

    wie schön, wenn man jetzt bei google „reisblätter-teig“ eingibt, dann kommt als erstes deine seite hier 🙂

  4. Miss James

    Eigentlich ist die ganze Geschichte erfunden. Ich mach das nur, um bei Google zumindest bei einem Suchbegriff ganz oben zu sein.

  5. …es war Bamboo oder? Genau diese Frage habe ich mir auch gestellt obwohl ich den Teig zugegebenermaßen lecker fand!

  6. Ich musste erst länger überlegen, was mit „es war Bamboo“ gemeint war 🙂 Aber ja, es stimmt!

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