Rüdiger – Amore mio

Neulich war ich im Urlaub. Im Winterurlaub um genau zu sein, und das, wo ich doch gar nicht Ski fahren kann. Snowboard auch nicht. Nur fürs Rodeln und Schlittschuhlaufen kann man mich begeistern. Ok, Skispringen finde ich toll, aber das habe ich noch nie ausprobiert. Dafür hätte ich wohl nicht in Ostwestfalen sondern in Garmisch-Patenkirchen oder Oberstdorf aufwachsen müssen. Alle anderen Wintersportarten finde ich übrigens doof und das liegt vermutlich daran, dass ich den Winter im Allgemeinen doof finde. Ich bin ja eher der Sommermensch. Ich mag Kälte nicht, Schnee nicht, Schneematsch noch weniger, Regen auch nicht. Ich mag es nicht, mir mehrere Lagen Kleidung anziehen zu müssen und die Ränder an den Hosenbeinen, die vom Streusalz kommen sind mir ein Gräuel.

Trotz allem war ich im Winterurlaub. Überall lag Schnee, doch seltsamerweise störte mich das überhaupt gar nicht. Als ich aus dem Bus auf den Hotelparkplatz stieg, fand ich sogar, dass die schneebedeckten Berge irgendwie stimmig ausschauten und machte sogleich ein paar Fotos. Dabei bemerkte ich, dass ich beobachtet wurde und schaute hoch. Vor mir stand….Rüdiger Kauf. Seines Zeichens Mittelfeldspieler von Arminia Bielefeld, für seine Hartnäckigkeit bekannt. Rübe. Mit mir gemeinsam auf diesem verschneiten Hotelparkplatz. Und er…lächelte. Er lächelte ein wenig verklärt. Natürlich schaute ich mich als allererstes um. Vermutlich würde dort direkt hinter mir seine Freundin stehen, seine Mutter oder vielleicht sogar Mathias Hain. Aber nein, hinter mir war niemand, neben mir auch nicht. Er meinte wirklich mich.

Rüdiger Kauf. Lächelte. Mich. An.

Naja, er ist jetzt nicht gerade Jude Law oder George Clooney, irgendwie hat er ja meiner Meinung nach so was hunde-artiges. Aber Rüdiger Kauf ist Rüdiger Kauf. Ist also Fußballprofi und da kann man ja schon mal zurücklächeln, finde ich. Immerhin geht es den Arminen ja auch nicht so besonders gut, so spielerisch gesehen, ein kleines Lächeln meinerseits könnte also eventuell motivierend wirken. Und dann klappt das mit den Gewinnen ja auch wieder. Bestimmt. Ich also lächelte sonnenscheinig und dann sagte er: „Hallo, ich bin Rüdiger.“ und ich verkniff mir ein „das weiß ich doch, du Idiot.“ sondern stellte mich ebenfalls vor. Wo waren eigentlich alle anderen Gäste, die mit uns gemeinsam angereist waren? Aha, schon im Hotel. Dazu musste man eine lange steile Treppe heruntergehen. Jetzt muss man wissen, dass ich zwar keine Höhenangst habe, dafür aber Angst, von irgendwas herunterzufallen. Und lange steile Treppen eignen sich ja hervorragend dazu, herunterzufallen. Rüdiger bemerkte meinen leicht panischen Blick und – Held, der er ist – nahm meine Hand, hielt sie fest und führte mich sicher nach unten. Was für ein Mann!

Irgendwann kamen wir unten an. Rüdiger fiel vor mir auf die Knie, schaute mich ernst an und sprach: „Miss James! Vorm ersten Augenblick an war ich in dich verliebt. Willst du meine Frau werden?“ Oh, hoppla, das geht jetzt doch etwas schnell. Wir kennen uns doch erst ungefähr 10 Minuten. Und außerdem hast du doch eine Freundin, ich habe euch doch schon ein paar Mal zusammen im Milestones gesehen. Und ähm, ganz ehrlich: als ich mal mit ein paar Freundinnen so philosophiert habe, ob es wohl Parallelen gäbe zu deiner Art auf dem Spielfeld und deinen Fähigkeiten als Liebhaber…da hast du nicht besonders gut bei abgeschnitten.

Rüdiger hat vermutlich meinen kritischen Blick erkennen können. Er stand wieder auf, beugte sich zu mir vor und schnurrte mir ins Ohr. Moment Mal. Warum schnurrt er denn? Das ergibt ja keinen Sinn.

Ich wache auf. Mein Freund hat sich umgedreht. Er brummt mir ein bisschen ins Ohr und sieht gar nicht so aus wie Rüdiger Kauf. Da bin ich aber froh. Und morgen träum ich von Diego.

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Kategorien: Augenzwinkern | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Rüdiger – Amore mio

  1. Bleib bei Rübe und überlass Diego besser mir. 😀

  2. Miss James

    Haha! Warum überrascht ein solcher Kommentar mich nicht?

  3. Du kennst mich zu gut. 🙂

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