sehen und (nicht) gesehen werden

Es ist Poetry Slam, oder besser „Poetry Jam“, denn es gibt keine Wertung, keinen Gewinner, sondern stattdessen nur Beifall für die Poeten. In Bielefeld war ich lange nicht beim Poetry Slam gewesen (nur schon mal vorweg: immer als Zuschauer), denn der lief immer mittwochs und da hatte ich die letzten Monate immer Sport. Außerdem war mir der Slam dort irgenwie zu angestrengt anstrengend geworden. Meistens hatte ich mich schon vor dem Finale weggeschlichen, weil mir die Zeit dort zu lang wurde und die Luft zu schlecht. Irgendwie hatte die Veranstaltung für mich an Charme und Reiz verloren.

Doch als ich hörte, dass hier ein Slam stattfindet, da habe ich mich gefreut. Mal wieder rausgehen, was erleben, Neuigkeiten aufsaugen. Neue Kneipe, neue Gesicher. Das Subrosa erfreut mich direkt, als ich es betrete. Ich denke „Eine Mischung aus Chattanooga und Sounds.“ Und dann denke ich: „Irgendwann sollte ich wohl damit aufhören, alles und jeden mit etwas aus Bielefeld zu vergleichen.“ Doch das ist ja gar nicht so leicht, denn es passiert in fast jedem Augenblick am Tag. Wenn ich die Augen schließe, während die Poeten auf der Bühne stehen, dann ist es wie im Bunker. Ich kann sie sehen. Mischa, Rouven, Herrn Nashorn, Markus, Fräulein Rotten-Meier, @irsign. Doch wenn ich die Augen öffne, dann sind sie nicht da. Und ich sehe Leute (und ja, ich kenne sogar zwei Anwesende), aber ich werde nicht gesehen. Mir wird bewusst, wie oft ich in Bielefeld unterwegs war und dort Leute traf, die ich daher kannte, weil ich eben dort war. Man traf sich auf Lesungen, beim Slam, im Theater, auf dem Siegfriedplatz. Ich sehe mich, wie ich da durch schlenderte und Leute traf.

Irgendwann vielleicht werde ich aufhören, alles und jeden mit Dingen aus Bielefeld zu vergleichen. Ein bisschen brauche ich das aber noch.
Auf dem Rückweg vom Subrosa knirscht der Schnee schön unter den Schuhen und den Weg zur Bahn finden wir ohne überlegen und nachdenken. Ins Subrosa möchte ich gern wieder noch mal. Wie im Chattanooga und im Sounds. Ein bisschen Zuhause halt.

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Kategorien: I hope, I think, I know | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „sehen und (nicht) gesehen werden

  1. Thomas

    zu „(nur schon mal vorweg: immer als Zuschauer)“: Deine Texte (nicht nur dieser) sind möglicherweise nicht slamtauglich=performancekompatibel, aber fast immer höchst lesenswert. Insofern ist das „immer nur als Zuschauer“ etwas schade.

  2. hmm. ich mag deinen blog. du hast eine schöne art, mit deinen worten umzugehen, und ich mag ebenfalls slams, konzerte und orange elche… 🙂
    sei lieb gegrüßt, du mir unbekannte person. ^^

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