Umzug ist Mord

Über drei Jahre habe ich in dieser Wohnung gelebt. Das ist für mich schon eine lange Zeit, ich bin Umzugsprofi und habe schon häufiger mal mein gesamtes Hab und Gut in Kisten gepackt. Ich weiß also wirklich, dass Umzüge immer viel mehr sind, als man sich selbst vorher eingesteht. Sie sind mehr. Zeitaufwändiger, teurer, anstrengender. Dieses Mal sollte aber auch ein weniger dabei sein. Ich hatte mir ganz fest vorgenommen, dass ich dieses Mal wirklich gründlich und ausgiebig entrümpele und nicht wieder unnützen Kram einpacke, den ich gar nicht mehr haben will. Da mir ja im Sommer schon schwante, dass ein Umzug ins Haus stehen wollte, habe ich da glücklicherweise schon angefangen.

Papierkram, Deko-Schnickschnack, Altkleider, Weihnachtssachen usw. Ich habe ausgemistet. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel man so ansammelt. Manchmal glaube ich übrigens, dass Frauen mehr Sachen zum Entrümpeln haben, weil sie ständig irgendwelchen Plunder geschenkt bekommen. Ich glaube, wenn ich nur noch irgendein(en) Plüschtier, Kerze, Nippesfigur, Untersetzer für irgendwas geschenkt bekomme, dann schreie ich.

Da ich wirklich erbarmungslos war und ALLES weggeschmissen habe, was mir so in die Hände fiel (vielleicht werde ich das irgendwann bereuen), war ich in den letzten Wochen einigermaßen häufig beim Wertstoffhof. Dort kostet ein blauer Müllsack mit Restmüll angeblich 3,- €, aber ich habe immer nur 1,- € bezahlt. Überhaupt kam mir das immer sehr günstig dort vor. Und wenn man als Frau dort hinfährt, dann springen einem auch immer junge Männer ans Auto und fragen, ob sie helfen sollen. Toll!

Das Aufräumen war übrigens befreiend und hat Spaß gemacht. Wunderbar. Ich habe mich auch von Erinnerungen getrennt. Erinnerungsstücke, die im Keller liegen, die muss man glaub ich nicht behalten. Sonst würden sie woanders gelagert werden. In meinem Keller ist jetzt nur noch ein Karton mit Geschirr, eine kleine Tüte mit etwas Weihnachtsdekoration und meine Werkzeugkiste, sowie Malerequipment (Pinsel, Teleskopstange und sowas). Und auch sonst habe ich unzählige Altkleidertüten zum Container getragen, sogar von Schuhen habe ich mich getrennt. Bücher und Geschirr wurden und werden noch der BroSa in Bielefeld gespendet. Sperrmüll ist bestellt und kommt am Dienstag Morgen.

Es ist eine elendige Schlepperei. Den ganzen Müll zum Auto tragen. Die schon gepackten Kisten stehen mir ständig im Weg rum und ich stapele sie so hoch wie möglich, damit ich wieder ein bisschen Platz gewinne. Doch dank des Reha-Sports habe ich ja gestählte Rückenmuskeln und weiß zudem, wie man rückenschonend und kräftesparend Dinge hebt und trägt. Aber dann kommt ein kleiner Moment der Unachtsamkeit und rächt sich für die letzten Tage. Eigentlich wollte ich nur den Staubsauerstecker in eine Steckdose stecken, die sich etwa 20 Zentimeter über dem Boden befindet. Ich bücke mich also – und sehe Sterne als ich wieder hochkomme. Irgendwo in der Lendenwirbelsäule sitzt dieser Schmerz, den ich zuletzt beim Umzug meiner Schwester spürte, mir damals drei Tage rumeiern statt gehen bescherte und den die Hausundhof-Physiotherapeutin als „verknackster Wirbel“ erklärte.

Was sagt mir das? Ich werde auch nicht jünger. Umzüge sind Mord. Der nächste Umzug wird hoffentlich erst in vielen vielen Jahren stattfinden. Und zumindest für heute lass ich den Umzug mal Umzug sein. Lieber mal mit Wärmflasche aufs Sofa.

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Kategorien: me, myself & I | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Umzug ist Mord

  1. ann

    Oh weh. Ich drücke dir die Daumen, dass es schnell wieder besser ist.

  2. Erstmal GUTE BESSERUNG!!!

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man selbst nach noch so gutem entrümpeln immer noch zuviel Krempel, den man eigentlich nicht braucht, hat.

    Ich habe vor dem letzten Umzug auch sehr, sehr viel weg geworfen, aber gestern habe ich tatsächlich noch eine Deko-Kiste auf dem Speicher gefunden, die auch nach fast 2 Jahren nicht ausgepackt war, und die ich bisher aber auch nicht vermisst hatte.
    Jetzt ist der größte Teil davon im Müll! Was so lange keiner vermisst hat, kann auch nicht wichtig gewesen sein! Hoffe ich jedenfalls… 🙂

  3. Ach was, beim nächsten Umzug stehst Du dann finanziell so gut da, das Du ein Umzugsunternehmen anheuern kannst, das Dir alles abnimmt.
    Geht es Dir heute besser?

  4. Ich ziehe auch gerade um, aber innerhalb Dortmunds.

    Hab auch wahnsinnig viel ausgemistet und statt Altkleidercontainer hab ich den ganzen Kram (Klamotten, Spielzeug, Skateboard, Lampen, Reitsachen, Schuhe einfach alles) abholen lassen. Umsonst. Und zwar von der Einrichtung „Jacke wie Hose“ der Diakonie. Die haben Second-Hand-Shops und Sozialkaufhäuser in Dortmund. Die nehmen alles an und holen das mit nem kleinen Lieferwagen von zu Hause ab. Echt ne tolle Sache!

    Hier mal ein Link:http://www.diakoniedortmund.de/index.php?id=25

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