Überall irgendwo

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als unsere Freunde ausschließlich diejenigen Kinder waren, die in der Nachbarschaft wohnten? Mit denen wir zum Kindergarten oder zur Grundschule gingen. Bei denen sich schon unsere Eltern kannten, und unsere älteren Geschwister sowieso. Die Kinder, die einen in den Sommerferien morgens abholten (meist ohne Anruf oder Verabredung) und mit denen man dann den ganzen Tag irgendwo und irgendwie verbrachte. Der Hunger schickte uns nach Hause.

In der weiterführenden Schule verlief sich dieses Nachbarschaftsgefüge ein bisschen. Der eine ging zur Realschule, der andere aufs Gymnasium, der dritte auf die Schule im Nachbarort. Man sah sich noch, im Schulbus, auf der Straße, aber die Freunde kamen nun aus dem gesamten Stadtgebiet. Man musste sich aufs Rad schwingen, um seine Freunde zu besuchen, oder den Bus nehmen. Oder man hatte wirklich Glück und die Eltern brachten einen. Mit diesen Freunden ging man zum Sportverein oder ins Kino oder Eis essen in der Stadt. Man traf sich nach der Schule, machte vielleicht Hausaufgaben zusammen, zockte gemeinsam Computerspiele oder schlenderte einfach nur so durch die Gegend.

Ich habe kaum noch Kontakt zu diesen alten Freunden. Ich habe es nicht geschafft, dass der Kontakt beständig bleibt. Mit meinem ersten Umzug von der Kleinstadt nach Bielefeld war es so, als hätte ich ein neues Leben begonnen. An manchen Tagen bin ich traurig darüber, dass diese Freundschaften nicht mehr existieren. Aber dann wieder ist es so, dass ich weiß, dass ich wundervolle Freunde hier habe. Jeder einzelne von ihnen ist auf seine/ihre Art bezaubernd und einzigartig.

Zudem ist es so, dass ich mittlerweile deutschlandweit Freunde oder sehr gute Bekannte habe. In Hamburg, Düsseldort, Köln usw. Auch meine Familie verteilt sich etwas mehr – die Familienvertreter meiner Generation zerstreuen sich für Arbeit und Studium. Wir sehen uns weniger als früher, aber schaffen es trotzdem, Kontakt zu halten. Das Internet hilft natürlich sehr dabei, denn eine Mail kann auch persönlich sein und ist trotzdem schnell geschrieben. Und wenn wir uns dann mal sehen, dann ist es noch schöner. Und so komme ich auch eher mal dazu, andere Städte zu besuchen. Ich habe so nämlich Übernachtungsmöglichkeiten und „Fremdenführer“ in mehreren Städten. Und manchmal steht dann jemand Sonntags Abends (verabredet) vor meiner Haustür und bringt Hamburger Franzbrötchen in meine Bielefelder Wohnung.

Ich finde das gut. Freunde, überall irgendwo. Ich kann zwar nicht über die Straße hüpfen und sie zum Nachmittag auf dem Spielplatz abholen, aber sie sind trotzdem da und Deutschland ist manchmal ziemlich klein.

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Kategorien: I hope, I think, I know | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Überall irgendwo

  1. Das kann ich so unterschreiben! 🙂

  2. Simone

    Ich wusste ja nicht, dass Du vorher bei Schwiegereltern so viel gegessen hattest, sonst hätte ich statt zwei nur eines mitgebracht ;-)))

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