Am Ende der Welt biegen Sie links ab

Ich bin derzeit unglaublich viel mit dem Auto unterwegs. So viele Kilometer wie in den letzten Wochen habe ich sonst in einem Jahr verfahren. Verfahren ist dabei eine gute Überleitung, denn: verfahren habe ich mich noch nie. Noch nicht. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass das Ruhrgebiet derzeit für mich (noch) ein Gewühl aus zu vielen Autobahnen und Straßen ist. Wenn ich zum Beispiel zu meinen „Schwiegereltern“ will, dann benutze ich drei Autobahnen. Auf zweien davon bin ich aber nur maximal drei Kilometer. Auffahren, abfahren, auffahren, abfahren. Sowas verwirrt mich ein bisschen. Manchmal.

Ich habe kein eigenes Navigationssystem, weil ich niemals die Notwendigkeit dafür erkennen konnte. Ich kenne mich hier in der Gegend gut aus. Und sonst drucke ich mir eine Wegbeschreibung aus. Und wenn ich mich verfahre, dann frage ich nach dem Weg. Ich habe noch nie weinend im Auto gesessen und nicht weitergewusst. Überhaupt stehe ich den Dingern eher skeptisch gegenüber, weil ich das Gefühl habe, dass manche Leute ihr Navi an- aber dafür ihr Gehirn ausschalten. Und sie nerven mich. Ich finde es ja gut, wenn das Navi-Frollein mir sagt, dass ich abbiegen soll. Aber es reicht, wenn sie es mir einmal sagt. Beim zweiten Mal rolle ich die Augen, beim dritten Mal motze ich das Navi an. „Jaha! Ich weiheiß!“ Ich bin zu ungeduldig dafür. Außerdem denke ich, dass es ein extra Navigationssystem für Frauen geben sollte. „Bitte biegen Sie in 750 Metern links ab.“ Ich habe allerdings überhaupt und absolut keine Vorstellungskraft, wie lang 750 Meter sind. Und ich habe auch keine Lust, ständig auf den Kilometerstand zu schauen. Ja, das Frollein sagt es mir ja noch zweimal, aber manche Dinge (Spurwechsel) macht man ja doch ganz gerne ohne Stress. Viel besser fände ich es ja, wenn sie mir sagt „An der nächsten Ampel biegen Sie bitte links ab.“ Oder: „Hinterm Aldi rechts rein.“ Sowas. Wenn im Zuge von Google Streetview jetzt eh alles gefilmt wird, dann kann man das doch bestimmt auch umsetzen.

Neulich hatte ich ein geliehenes Navi dabei. So für Notfälle. Der trat ein, als ich eine Sperrung der A2 vor mir hatte und die Umleitung dann auch wegen einer Baustelle gesperrt war. Ich fuhr nach Gefühl – und nach Navi. Zwischenzeitlich hatte ich kaum eine Ahnung wo ich war. Irgendwo im Grenzgebiet zwischen Westfalen und Ostwestfalen, im Niemandsland. Das Navi verlor irgendwie die Orientierung oder den Verstand. Es plapperte ständig, ich solle wenden, oder doch noch sieben Kilometer auf der Straße bleiben, oder dann doch rechts abbiegen (ins Brombeergebüsch) oder dann halt doch wenden. Mit einem Blick aufs Display hatte ich auch nicht das Gefühl, dass es sich auf der gleichen Straße wie ich selbst befand.

Bevor ich in meinem eigenen Auto Amok lief, schaltete ich das Frollein aus. Ich fand selbstverständlich nach Hause zurück. Überhaupt kein Problem. Ich bin froh, wenn ich diese viele Fahrerei demnächst ein Ende hat. Ich werde froh sein, wenn ich mich im Ruhrgebiet dann so einigermaßen zurecht finde. Wenn ihr dort demnächst überall rote Bindfäden an den Autobahnen seht, dann wisst ihr Bescheid.

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Kategorien: Augenzwinkern | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Am Ende der Welt biegen Sie links ab

  1. Thomas

    Das kann ich voll und ganz bestätigen! Ich fahr ja so gut wie nie Auto selbst. Als Beifahrer muss ich ebenfalls Augenrollen. Einmal bin ich ne längere Strecke mit’m Navi gefahren. Ich muss, damit es funzt und ich nicht überfordert bin, tatsächlich das Gehirn komplett ausschalten und voll und ganz den Ansagen vertrauen. Damit hab ich schon ein Problem. Blöd ist aber darüber hinaus, daß ich immer schon 20 Sekunden, bevor es mir das Navi was sagt, wissen will, wolang ich gleich muss… jeweils schlimme 20 Sekunden und zu oft.

  2. Ich lasse das Navi so oft es geht auch aus. Aber als zuletzt mitten in Düsseldorf eine Straße gesperrt war, war ich froh, dass ich die freundliche Dame um Hilfe bitten konnte. In großen Städten, in denen man sich nicht besonders gut auskennt, ist es manchmal schon hilfreich. Du hast allerdings Recht, dass diese Ansagen beim zweiten, bzw. dritten Mal schon etwas nerven. 😉

  3. ann

    Sei froh, dass du so schlau warst, das Ding auszuschalten. Sonst wäre es dir vielleicht auch so ergangen:
    http://www.nw-news.de/owl/3830916_Navi-Geraet_fuehrt_Autofahrer_in_die_Irre.html 😉

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