Tollpatschhausen

Gestern stand ich morgens im Bus auf dem Weg zur Arbeit als es mir auf den Fuß tropfte. Da ich Ballerinas mit nackten Füßen kombiniert hatte, merkte ich den Tropfen sofort. Tropf. Eiskalt. Eiskalt finde ich bei Tropfen beruhigend, denn das heißt, dass weder eins der Schulkinder oder einer von den Fahrgästen, bei denen man zwanzig Jahre Alkoholismus nicht nur sieht, sondern auch riecht, eine schwache Blase hatten. Tropf. Noch einer. Ich schaue an die Decke, bei öffentlichen Verkehrsmitteln wundert einen ja nichts mehr. Die Decke ist trocken. Tropf. Ich schaue etwa einen halben Meter unter mir. Ein Schulkind. Tropf. Aus dem Ranzen tropft es. Gleichzeitig mit mir bemerkt auch das arme Mädchen das Malheur. Ihre Wasserflasche läuft aus. Während die Frau neben mir nörgelte, ob das Mädchen nicht besser auf ihre Sachen aufpassen könne, tat das arme Geschöpf mir einfach nur leid. Ich weiß, wie so was ist.

Denn vor acht bis einundzwanzig Jahren war ich dieses Mädchen, der ständig was im Ranzen auslief. Getränke (unvergessen: Apfelsaft auf/im Französischbuch), Joghurtbecher, Kleber, Scriptol, eigentlich alles, was irgendwie flüssig war und auslaufen konnte. Ich war schon immer ein Tollpatsch mit einer großen Portion Pech und werde es wohl immer bleiben. Zwar trage ich keinen Ranzen mehr, aber erst im Winter ist mir eine Tupperdose mit meinem Mittagessen in meiner Tasche aufgegangen. Die hatte ich zwar vorsichtshalber in eine Plastiktüte gesteckt, aber die hat auch nicht alles so abgehalten.

Ich laufe vor Türrahmen oder Schrankkanten (nahezu täglich), stoße Gläser oder Milch-Packungen um (häufig), fasse aufs frisch getränkte Stempelkissen oder male mich mit der Kugelschreibermine an (regelmäßig), lasse am Buffet Besteck fallen (ab und zu), besprenkele versehentlich mit einer ungeschickten Handbewegung meinen gesamten blaukarierten Küchenboden mit weißer Lasur, trete dann noch in die Flecken und verteile alles großzügig (neulich mal) oder aber stoße mir am Einkaufswagen den Zeh blutig (gestern). Zudem kommt häufig noch grandioses Pech dazu. Da fallen mir Dachziegel aufs Auto und meine nagelneue Fahrradkette reißt nach drei Tagen.

Willkommen in Tollpatschhausen. So bin ich nun mal. Ich versuche, das ganze als eine besonders niedliche und liebenswerte Eigenschaft von mir aufzuwerten und manchmal glaube ich das sogar selbst. Manchmal danke ich abends (mir selbst), dass ich den Tag unverletzt überstanden habe. Und an guten Tagen grinse ich dann noch bis ich einschlafe. Über mich, und meine Tollpatsch-Unfälle.

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Kategorien: Augenzwinkern | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Tollpatschhausen

  1. Ich hasse Kinder deren Wasserflaschen im Tornister auslaufen. Das sind immer die gleiche. Dabei haben die Tornister heutzutage doch so ein Extra-Fach am Tornisterrand.

  2. Das war bei der auch so. Die hatte die Flasche darin. Aber die ist trotzdem ausgelaufen. Das arme Mädchen.

  3. ann

    unvergessen auch das handy in der banane. 😉
    ach, ausgelaufen ist mir auch schon viel, aber ich glaube die kombination von tollpatschigkeit und pech wurde in unserer familie zu deinen ungunsten verteilt. aber so hast du immerhin immer wieder schöne geschichten zu erzählen, bei denen ich leise kichern muss, damit meine mitbewohnerin nicht direkt denkt, dass ich einen an der klatsche habe. 😉

  4. ninni

    Haha, an die Banane musste ich auch gleich denken 🙂
    Also, das liegt übrigens auch in der Familie. Tollpatschigekit und Pech dazu, das habe ich auch recht oft 😉

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