weil die Dinge sich ändern

Beim Aufräumen (ja, so ab und an…) bin ich auf eine kleine Schachtel gestoßen, die ich bei meinem letzten Umzug – Oktober 2007 – ins Regal gestellt und seitdem nicht mehr geöffnet habe. Diese Schachtel ist eine Fotobox, folglich sind auch Fotos darin. Fotos, die noch aus einer Zeit stammen, in der ich Filme zum Entwickeln weggebracht habe. Auch da haben wir schon Schnappschüsse gemacht. Fotos, die mittlerweile zehn und mehr Jahre alt sind.

Zunächst denkt man natürlich „Herrje, wie hab ich da ausgesehen! Ach, schau, da hattest du gerade diese Brille. Und solche Röcke waren mal modern?“ Sowas. Ganz normale Gedanken, wie man sie hat, wenn man Fotos anschaut, die schon etwas älter sind. Es sind Freunde darauf. Damals waren wir Freunde. Und ich glaube, keiner von uns hat zu der Zeit geglaubt, dass sich unsere Wege jemals trennen werden. Wir waren doch mal unbesiegbar, oder? Am Ende hat der Alltag gesiegt. Und das Leben, das uns in die unterschiedlichsten Richtungen geschickt hat. Es ist keine räumliche Distanz. Es ist eine, die wir fühlen.

Dinge ändern sich nun mal. Alles entwickelt sich irgendwie weiter. Manches zerbricht deswegen, anders übersteht. Ich lerne diesen Sommer (danke, Chef), dass Erdbeeren mir wieder schmecken. Jahrelang mochte ich sie nicht essen, dieses Jahr erfreue ich mich wieder daran. Meine Frisur ändert sich oft – allerdings meist nicht sehr extrem. Mein Kleidungsstil ändert sich. Meine Lieblingsbücher, Lieblingsfilme. Und mein Lieblingsessen ändert sich nahezu jede Woche. Farben, die ich mag. Jahrelang blau, dann rot. Derzeit grün. Es ist sind oft ja doch nur Kleinigkeiten. Manchmal muss man erklären, wenn Ansichten oder Meinungen sich ändern. Wenn man plötzlich genervt ist von Sachen, die man doch früher lustig fand. Oder wenn man Leute mag, die man noch vor Wochen nicht mochte.

Dinge ändern sich. Menschen treten in mein Leben. „Neue“ Menschen, an die ich mich zum Teil noch gewöhnen muss. Nicht umsonst habe ich beim Test „Bist du Ostwestfale?“ 100 von 100 Punkten erreicht. Fremde Leute bleiben lange fremd. Nur wenige schaffen es, mich direkt zu erobern. Sonst bin ich eine ganze Weile skeptisch. Die Ostwestfälin in mir. Die auf ihrer „Finde-ich-doof“-Liste neulich das Ruhrgebiet gestrichen hat. Finde ich gar nicht so doof. Hat ja wirklich schöne Ecken. Aber ich muss über einige Dinge dann doch weiterhin grinsen. Dinge ändern sich, Dinge ändern sich nicht.

Menschen kommen, Menschen gehen. Als mir neulich das erste Mal bewusst wurde, dass die nächste Familienfeier für mich ziemlich ungewohnt wird, weil genau die drei Lieblingsmenschen meiner Familie dann fehlen, da musste ich mich einen Moment setzen. Es ist der Lauf der Zeit, dass man nicht immer an einem Ort bleibt. Wer weiß denn schon, ob ich nächstes Jahr noch in Bielefeld lebe? Ich nicht. Ich bin ja froh, wenn ich in etwa sagen kann, was in den nächsten dreivier Monaten sein wird.
Noch bemerke ich von dieser Umzugswelle noch nicht so viel. Sie ist noch nicht richtig in meinem Leben angekommen. Aber bald werde ich wohl das erste Mal alleine zum Siggi fahren. Oder auf ein Konzert gehen wollen und keinen finden, der sofort begeistert ist und mitfahren will. Irgendwann wird die Welle mich erreichen und ich muss eingestehen, dass die Dinge sich wieder geändert haben.

Ich weiß, dass Dinge sich ändern müssen. Sonst wäre es ja auch langweilig. Ich habe jetzt eine (neue) Übernachtungsmöglichkeit in Hamburg. Und bald ein neues Briefkastenschild, auf dem nur noch der Nachname steht, weil der Briefträger nicht mehr unterscheiden muss. Ich habe bald einen neuen Nachbarn – vermutlich. Irgendwann werde ich mich daran gewöhnen. Und es ist nur eine räumliche Distanz, keine gefühlte. Und das ist der Unterschied. Manches ändert sich nie.

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Kategorien: I hope, I think, I know | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „weil die Dinge sich ändern

  1. ann

    oh man, da kommen mir fast die tränen. ja, es ist nur eine räumliche distanze, keine gefühlte. zu uns allen dreien, die bei der nächsten familienfeier nicht dabei sein werden. aber das bettsofa ist aufgebaut. 🙂

  2. Also, da bin ich aber froh, dass Sie was Nettes über das Ruhrgebiet sagen! Da isses nämlich wirklich schön! 😀

  3. ninni

    unglaublich, du magst wieder erdbeeren?! und wie sieht´s aus mit häschen? 😉

    ich hoffe übrigens sehr, dass aus der räumlichen distanz nie eine gefühlte wird…

  4. Miss James

    Kaninchen/Hasen sind Teufelspack!

    Ach, das werden traurige Geburtstagsfeiereien. Mit wem soll ich denn Ligretto spielen und lästern? Das macht mit euch doch am meisten Spaß 🙂

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