Mission: Leben retten

Ich bin ja erst seit wenigen Wochen bei der DKMS registriert, aber schon wurde ich aufgefordert, eine Blutprobe abzugeben, da 50 % meiner Gewebemerkmale mit einem Leukämiepatienten übereinstimmen würden.

Ich bekam zunächst einen Brief mit der Bitte, dass ich mich bei einer kostenlosen Telefonnummer melden und einen Gesundheits-Fragebogen ausgefüllt zurückschicken soll. Das war allerdings direkt vorm Pfingstwochenende, die Hotline ist auch nicht ständig besetzt, also wollte ich das Dienstag machen. Dienstag hatte ich schon eine Mail, dass ich mich jetzt wirklich dringend melden soll. Schlechtes Gewissen galore. Asche auf mein Haupt. Ich also angerufen und ungefähr 15 Minuten mit einer Frau aus Tübingen ein paar Dinge geklärt (Allergien, Schwangerschaft, offene Fragen?) und heimlich über ihren Dialekt gekichert. Einen Hausarzt anzugeben fiel mir etwas schwer, weil mein Hausarzt (alias McDreamy) neulich leider seine Praxis aufgegeben hat – vielleicht hatte seine Frau ein Problem damit, dass er nur weibliche Patienten hatte, jetzt ist er bei der Bundeswehr. Also gab ich die Ärztin an, bei der auch meine Schwester neulich mal war. Die hat jetzt also eine Patientin mehr.
Mitgeteilt wurde mir übrigens auch, dass die Knochenmarkspende heute meist gar keine Knochenmarkspende mehr ist, sondern man peripher Stammzellen spendet, also Blut gibt. Das finde ich beruhigend. Das kann ich.

Die DKMS hat nun sämtliche Telefonnummern von mir. Sie hat außerdem einen Arzttermin für mich vereinbart (irgendwie hätte ich das lieber selbst gemacht), mir eine Bestätigung per Mail und per Post geschickt und dann sogar noch eine SMS am Sonntagabend mit der Erinnerung, dass ich Montag um 8 Uhr zur Blutabnahme soll. Das finde ich gut. Richtig gut. Das finde ich modern, flexibel und zeitgemäß.

Gestern Morgen, 7:55 Uhr, beim Arzt. „Nö, Sie haben hier keinen Termin. Sie meinen doch bestimmt Dr. X, der ist eine Etage höher.“ Nein, ich bin hier richtig, verdammt. Ein bisschen eingeschüchtert: „Doch, hier. Für die DKMS.“ Achso. Alles klar. Rein in einen Raum, Blut abgezapft, fertig. Mir wurde nicht schwindeligschlecht (alter Blutspendehase kennt keinen Schmerz), aber ich wurde furchtbar müde und war den ganzen Tag kaputt als hätte ich Hochleistungssport getrieben.

Und jetzt? Warten. Bis zu 12 Wochen kann es dauern, bis ich Nachricht bekomme, ob ich als Spenderin geeignet bin oder nicht. In der Zeit soll ich möglichst immer telefonisch erreichbar sein und darf nicht Blutspenden. Ist in Ordnung, auch wenn ich damit geliebäugelt hatte, mein Handy im Urlaub einfach mal aus zu lassen. Aber vielleicht dauert es ja auch gar nicht so lange. Die Wahrscheinlichkeit, dass man wirklich „passt“, ist ja auch eh ziemlich gering, etwa 5 %. 12 Wochen. Bei so einer Zeitspanne möchte ich mir die Haare raufen. Stell dir vor, du hast Leukämie und musst 12 Wochen warten. Man hat versucht, es mir zu erklären, es dauert wohl, bis alle Blutproben da und ausgewertet sind. Irgendwo in meinem Hirn entsteht ein Bild von einem Labor, wo nur eine Person arbeitet und gar nicht gegen die Mengen ankommt. 12 Wochen. Viel zu lang.

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Ein Gedanke zu „Mission: Leben retten

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