Der DSC ist (immer noch) da

(Wer Fußball doof findet, der braucht gar nicht weiterlesen…)

Gestern Abend nach dem Sport, so schnell wie möglich nach Hause, den PC angeschmissen, online gehen und auf den Ticker starren. Ein kurzer Blick auf die Uhr: kurz vor halb 9… da wird noch nicht viel passiert sein.

Es ist Jahreshauptversammlung von Arminia Bielefeld. Es geht um wichtige Dinge, es geht um Entscheidungen, um mögliche Veränderungen und, ja, es geht wohl auch darum, ob dieser Verein weiterhin irgendwie überhaupt existieren kann und wird. Da ich (zum Glück, so habe ich in den letzten Wochen häufiger gedacht) kein Mitglied des Vereins bin, informiere ich mich an diesem Abend mit Hilfe des Live-Tickers einer Bielefelder Zeitung (die, die ich normalerweise nicht lese) über die Geschehnisse. Und wie vermutet, ist man um kurz vor halb 9 zwar schon bei TOP 4, aber noch lange nicht bei den entscheidenden Dingen, sprich: bei der Wahl (TOP 5), ob die Satzung des DSC Arminia Bielefeld geändert wird oder nicht.

Klackerdiklack macht es, sobald der Ticker sich aktualisiert. Klackerdiklack. Als wenn jemand auf einer Tastatur tippt. Ich liebe dieses Geräusch. Irgendwie beruhigend. Der Ticker aktualisiert sich in kurzen Abständen, aber wirklich passieren tut da nichts. Ewiges Gerede.

Einerseits denke ich: Verdammt, Arminia. Da haben ein paar Leute den Karren echt in den Dreck gefahren. 12 Millionen Euro Schulden. Wie soll man dafür eine Lösung finden? Und soll die Stadt wirklich Geld geben, wo man wirklich nicht behaupten kann, dass diese Summe ganz unverschuldet ist? Wo Kindergärten, Schulen, das Theater usw. doch auch dringend Gelder bräuchten? Wo Spielplätze und Straßen in zum Teil katastrophalem Zustand sind? Und könnte die Stadt das überhaupt aufbringen? Ist die Forderung nicht viel zu hoch?

Andererseits: ein Leben ohne den DSC? Keine Fans mehr in der Straßenbahn? Keine Treffen am Kreisel in der Melanchthon-Straße? Kein Aufregen mehr über die Entscheidungen des Schiedsrichters? Kein stilles Grinsen, wenn man die Spieler in irgendwelchen Cafés herumlungern sieht und man sofort und immer denkt, dass sie doch eigentlich gefälligst mal trainieren sollen. Kein blaues Trikot mehr? Kein ärgern, verzweifeln, enttäuscht sein und doch – auch immer mal wieder – fröhlich und glücklich sein? Kein durch die Straßen tanzen, wenn man überraschend gewonnen hat? Kein übellauniges Rumgenörgel auf der Tribüne mit dem Zusatz, man hätte ja gleich gewusst, dass das heute nichts wird? Keine Gänsehaut mehr, wenn die Hymne gespielt wird?

Bei dem Gedanken wächst ein etwa fußballgroßer Klumpen in meinem Bauch. Und dabei bin ich noch gar nicht so lange dabei. Wie erst fühlen die, die seit 20, 30 Jahren ins Stadion gehen? Ich will es nicht wissen. Ich weiß nicht, wofür ich sein soll. Ich weiß nicht, ob ich dafür sein soll, dass der Verein mit Geldern unterstützt wird, die auch an anderen Stellen benötigt werden. Und ich weiß nicht, ob ich dagegen sein soll, dass dieser Verein vielleicht bald nicht mehr so existiert, wo ein Fußballverein ja durchaus auch Geld in die Stadtkasse bringen kann. Davon abgesehen: wer zahlt denn bei einer wirklichen Insolvenz? Die Schulden würden sich ja nicht in Luft auflösen.

Klackerdiklack. Weiter scheinbar nur Gerede. Sogar die, die den Ticker schreiben, berichten, wie langweilig diese Jahreshauptversammlung ist, die sich zieht wie HubbaBubba-Kaugummi. Ich reg mich auf. Ich gehe ins Bett.
Heute Morgen sehe ich, dass 95 % der Mitglieder dafür gestimmt haben, dass die Satzung geändert wird und somit ein kleiner Schritt zum Erhalt des Vereins gemacht wurde. Ein kleiner. Ein bisschen freue ich mich. Ja, doch. Was nun kommen wird, ist weiterhin nicht ganz klar. Ob die Finanzplanung die DFL überzeugen wird, auch nicht. Es gibt weiterhin viele offene Fragen. Sonntag ist die Saison vorbei. Vielleicht noch mehr.

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Kategorien: Football's coming home | Schlagwörter: | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Der DSC ist (immer noch) da

  1. Die Stadt soll ja nicht Geld geben (wär ja noch schöner), sondern ’nur‘ für 6. Mio. ‚bürgen‘. So habe ich es wenigstens verstanden. Schaun‘ mer mal. Bin auch erst seit 13 Jahren dabei, aber Bielefeld ohne Arminia? – Das geht nicht. Und das sag ich, obwohl das die langweiligste, uninteressanteste, nervigste und drögste Saison aller Zeiten war. So Typen wie Matze fehlen einfach vorne und hinten.

  2. Little James

    Ach ja…Matze, Böhme, Fatmir und Ansgar Brinkmann. Da haben wir wenigstens wieder Spaß beim Zugucken 😉

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