Kinders

Es gibt Gegenden in meiner Stadt, da fahre ich manchmal mit der Bahn durch, und da sind dann Kinder, so zehn bis zwölf Jahre alt, die haben nichts kindliches mehr an sich. Ihre Gesichtszüge sind hart, bitter und ich gestehe, dass ich ihnen aus dem Weg gehe, weil ich nicht möchte, dass sie sich aus welchen Gründen auch immer von mir provoziert fühlen. Ich habe Angst vor Prä-Pubertierenden. Zumindest, wenn sie diese Härte im Gesicht tragen. Wenn ich das Gefühl habe, dass sie keine Kinder mehr sind, nie wirklich Kinder waren. Zumindest nicht so, wie ich das mal war. Mit dieser güldenen Kindheit am Waldrand, mit scheinbar endlosen Sommermonaten, die wir fast komplett draußen verbrachten. Eine Astrid-Lindgren-Kindheit, irgendwie.
Ich habe Angst vor den Kindern, aber sie tun mir auch leid. Jedes Kind sollte eine solche Kindheit haben dürfen. Kein Zehnjäriger sollte aussehen wie ein Schlägerjunge, sondern sollte mit einem Lachen durch die Gegend laufen.

Neulich saß ich in einer anderen Stadt in einem Shopping-Center und machte eine Eisesspause. Eine Horde Mädchen traf sich direkt neben der Bank. Sie waren allesamt im Grundschulalter und mir fielen bald die Augen aus dem Kopf. Alle gestylt, alle mit mehreren Tüten in der Hand. Shoppen. Ich kam mir vor wie in einer Folge „Gossip Girl“, nur dass da halt neunjährige Mädchen rumstanden, ihre Handtäschchen schwenkten und dabei ihren Nagellack präsentierten. Zur Begrüßung wurde natürlich geherzt und Küsschen verteilt und ich schaute mich heimlich nach einer versteckten Kamera um. Ich finde das ja schon bei (halbwegs) erwachsenen Frauen furchtbar, aber eine Horde Kinder dabei zu beobachten war erschreckender.

Liebe Kinder. Ihr habt noch so viele Jahre Zeit erwachsen zu werden. Und dann kommt vielleicht auch irgendwann der Moment, da wünscht ihr euch zurück. Noch einmal Kind sein. Natürlich ist man dann auch wieder froh, dass man es geschafft hat, irgendwie so „groß“ zu werden. Aber ein bisschen von diesem Kindsein, das sollte man sich doch bewahren. Ein bisschen Astrid-Lindgren-Kindheit. Das wünsche ich ihnen. Den harten Schlägerjungs aus der Linie 2 und den It-Girls aus dem Shopping-Center. Erwachsen sein müssen oder erwachsen sein wollen. Das kommt alles viel zu früh und viel zu schnell.

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Kategorien: I hope, I think, I know | Schlagwörter: | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Kinders

  1. Kindheit? Was ist das? Wenn sie dich nicht schon mit 9 schminken, werden sie schon mal vorsorglich auf’s Abi getrimmt.

  2. Ach, ich möchte gern meine Augen vor dieser Wahrheit verschließen…

  3. bea

    ich liebe meine eltern dafür, dass sich in meinen ersten zehn lebensjahren kein fernseher und kein computer in reichweite befanden! ich glaube, es hat mir gut getan. und dass ich nicht schon in grundschule und unterstufe und eigentlich, bei genauerer überlegung, nie nach meinen noten gefragt wurde. das hat zwar nicht für ein spitzenabi gereicht, aber ich darf von mir behaupten ein glücklicher mensch zu sein.
    mir fallen diese nicht-kinder auch öfters ins auge, vor allem wochentags, nachmittags gegen zwei an der ubahn. horden von aufgestylten teenies um die dreizehn, die aber tatsächlich noch fangsti spielen. trotzdem schlag ich lieber bögen, denn wie du auch schon schriebst, man weiss ja nie, was die zu dumm- und fiesheiten anstacheln könnte.

  4. @ bea: Hattest du etwas mit 9 Jahren auch noch kein Handy???? 😉

  5. bea

    😉

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