Trrrrrrrmmer

Heute Morgen lungerte ich noch ein wenig länger im Bett rum als üblich. „Ach,“ dachte ich „heute hast du einen so langen Arbeitstag vor dir, da kannst du etwas später anfangen und fährst mit dem Auto zur Arbeit.“ Die Vögel zwitscherten, die Sonne schien vom blauen Morgenhimmel. Ich ging zu meinem Auto, die neue Sonnenbrille schon griffbereit. Huch, zieht da wer in der Nachbarschaft um, oder warum ist das Stück Bürgersteig mit Flatterband abgesperrt? Na, gut, dass ich da jetzt wegfahre, dann störe ich den Umzugswagen nicht.

Es knirscht unter meinem Schuh. Ein Stück Ziegel. Dachziegel. Daneben noch ein größeres Stück. Und dann zerbröselt mein Gesicht. Mein Auto. Die olle Karre, in die ich gerade noch über 500 € investiert habe. Auf dem Dach liegt ein sehr großes Stück Ziegel. Ein riesiger Krater. Die Frontscheibe ist gerissen. Die Motorhaube leicht zerdellt. Ich setze mich ins Auto. Was soll ich überhaupt machen? Ich steige wieder aus. Fahren geht damit nicht. Oder? Ich weiß überhaupt nicht, was ich denken soll. Außer: Warum? Warumwarumwarum? Warum immer ich? Warum kann nicht mal ein Monat schadenfrei ablaufen? Ich hebe ein Stück Ziegel an und lasse es dann doch auf dem Dach liegen. Gehe zur Bushaltestelle und verkneife mir (nicht zum letzen Mal an diesem Tag) die Tränen.

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Ich war mir sicher, dass ich damals keine Kaskoversicherung abgeschlossen habe. Das Auto war ja damals schon alt. Aber immerhin war das ein Irrglaube von mir. Teilkasko. Glücklicherweise. Der Versicherungsmann freute sich mit mir und fragte dann noch mal seinen Kollegen, ob sie zahlen. „Schadensfälle sind nicht so mein Ding“ meinte er. „Meins auch nicht.“ Aber sie würden wohl zahlen. Dann bekam ich eine andere Telefonnummer der Schadenshotline und sprach mit einer Frau, die sich weniger für mein Schicksal interessierte. Ein Sachverständiger würde vorbeikommen und sich das angucken. Wie lange das aber dauern würde, könne man nicht sagen. Mit Sicherheit nicht heute. Die Versicherungsfrau lachte bitter. Es gäbe ja so viele Schäden derzeit. Und wie das klänge, hätte mein Auto wohl eher einen Totalschaden. Totalschaden ist ein Wort, das so grausam klingt wie es ist. Besonders wenn man ein Auto fährt, welches 14 Jahre auf dem Buckel und so gut wie keinen Wert hat.

Immerhin kaum 30 Minuten später rief der SV an, der dann auch doch heute Nachmittag vorbeikommen konnte.
Den Tag verbrachte ich mit einem professionell festgefrorenen Lächeln im Gesicht. Ich hasse es, wenn ich nicht weiß, was ist. Und wenn man selbst so überhaupt gar nichts machen kann. Noch frostiger wurde es dann, als tatsächlich die Nachricht vom Totalschaden kam. War ja abzusehen. Ein 14 Jahre altes Auto ist nun mal nicht besonders viel Wert. Immerhin ist der Tank fast leer. Aber die 500 € hätte ich natürlich direkt verbrennen können.

Also werde ich mich in den nächsten Tagen auf der Suche nach einem kleinen gebrauchten Kleinwagen machen, der möglichst nicht zu alt ist, überhaupt fast gar kein Benzin verbraucht und nichts kostet – weder in der Anschaffung noch im Unterhalt. Versteht sich alles von selbst, oder? Glücklicherweise kenne ich jemanden, der es liebt, mit Autos zu handeln (Nein, wirklich ein ganz seriöser Mensch, kein türkischer Gebrauchtwagenhändler oder so) und den werde ich möglichst morgen direkt mal anhauen ob er mir bei der Suche hilft.

Und das Schlimmste ist: ich kann mich nicht mal betrinken.

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Kategorien: me, myself & I | Schlagwörter: | 9 Kommentare

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9 Gedanken zu „Trrrrrrrmmer

  1. Ich kann dich so gut verstehen! :(((

  2. Oh Mann, so ’ne Scheiße! 😦 Fühl Dich mal ordentlich gedrückt!!!
    Aber, Kopf hoch, nach solchen Phasen kommen immer richtig, richtig gute Zeiten!!!!

  3. Ich hoffe sehr, dass die Tränen gegen Abend einem Lächeln gewichen sind! 🙂

  4. Ehrlich gestanden traue ich mich kaum, noch mal zum Auto zu gehen. Das Ausräumen wird mir bestimmt noch mal sehr schwer fallen. Seufz.

    Meg: ein großes Lächeln. Der Postbote brachte Glück ins Haus.

  5. Pingback: Neue Westfälische - Blogspot

  6. Grossstadtlicht

    Oh nein, verdammte Axt, wie ätzend ist das denn bitte??? Ich drück die ganz fest die Daumen, das du ein schönes kleines Auto findest. Aber echt total dumm gelaufen….

  7. bea

    hätste das mal gesagt, bevor ich letzten frühling wegen der blöden abwrackprämie meinen kleinen süßen blauen opel in die schrottpresse verabschiedet hab- der war zwar nach neun jahren und dem unfall mit der delle auf der beifahrerseite (ich wars nicht!) auch nix mehr wert, aber nach geringem kostenaufwand gingen zumindest wieder alle türen auf und zu. und gefahren is er wie ne eins, wenn man vom etwas ausgetretenen gaspedal absieht. muttchen wollt unbedingt was neues- das ziegeldachdings wäre aber ein schlagendes argument gewesen!!

  8. bea

    was ich eigentlich sagen wollte: ich wünsch dir viel glück, dafür dass dich ganz fix was passendes findet!

  9. Little James

    Ich hab schon so halb was gefunden. Dienstag fahr ich noch mal eins Probe, danach entscheide ich mich. Heute hatte ich zumindest schon eins, was mir gefallen hat und meinen preislichen Rahmen nicht sprengt 🙂 Und glücklicherweise brauch ich das Auto eh nicht jeden Tag.

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