Im Lesefieber

Meine Küche müsste mal wieder geputzt werden. Das Bad auch. Die längst trockene Wäsche muss von der Leine. Einkaufen sollte ich vielleicht demnächst auch mal wieder, oder mir zumindest mal überlegen, was ich denn einkaufen möchte. Der Fernseher ist seit Tagen aus.

Ich lese. Ich konnte schon vor meiner Einschulung lesen und es war immer mein liebstes Lieblings-Hobby. Lesen. Ein Buch, ein Sofa, ich. Notfalls auch ein Buch, eine Bushaltestellenbank, ich. Oder ein Buch, ein Wartezimmerstuhl, ich. Gerne dürfen sich die Freunde Musik, Keks und Kaffee dazu gesellen, muss aber nicht sein. Das Buch aufschlagen, diesen unbeschreiblich-wunderbaren Duft des bedruckten Papiers einatmen, welches beim Umblättern so ein ganz besonderes Gefühl auf deinen Fingerspitzen hinterlässt und sich verlieren in der Geschichte. Perfekt.

So ging das mein Leben lang. Unzählige Bücher habe ich gelesen, die meisten mehrfach. Viele gekauft, viele geliehen. Einige waren toll, einige langweilten mich auch, ein paar habe ich mit Sicherheit auch nicht wirklich verstanden. Einige haben mich sehr berührt und nachdenklich gemacht. Ich lese recht schnell und eigentlich kann ich die Frage „Was liest du derzeit?“ immer beantworten. Mindestens ein Buch liegt immer an meinem Bett oder auf meinem Wohnzimmertisch (wenn ich es nicht gerade in meinen Händen halte).

Anfang 2009 fiel mir dann auf, dass es mir schwerer fällt. Wochenlang quälte ich mich durch Bücher, die ich eigentlich gut fand. Unkonzentriert verlor ich beim Lesen den Faden und ließ es dann sein. Ich las nicht mehr täglich, zumindest keine Bücher, weil es irgendwie nicht mehr so klappte. Mit den Büchern, die ich 2008 zu Weihnachten bekommen hatte (das waren zwar einige, aber…) war ich bis zum Sommer beschäftigt. Irgendwie machte es mir keine rechte Freude mehr. Nach zwei Seiten war es vorbei mit der Konzentration und gleichzeitig auch mit der Lust. Es war erschreckend.

Ende 2009 suchte ich ein Buch, das ich verschenken konnte und bekam einen Tipp: Extrem laut und unglaublich nah von Foer. Es wurde mir wirklich so sehr ans Herz gelegt, dass ich es nicht nur kaufte, sondern dann auch zuhause anfing zu lesen. Und es packte mich von der ersten Seite an. Nach zwei Tagen kaufte ich das Buch noch einmal, damit ich es selbst behalten konnte. Noch nie hat ein Buch mich so sehr berührt wie dieses. Kaum konnte ich es aus der Hand lesen, wollte unbedingt wissen, wie es weiter- und ausging. Fertig damit ging es direkt weiter zu „Juliet, Naked“ von Nick Hornby, welches ich auch recht zügig durch hatte und jetzt habe ich mir „The Catcher In The Rye“ ausgeliehen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Abends lese ich dann gerne noch in Markus Freises „Du gehst da raus und alles wird zu Gold“. Ein weiteres Buch (ein Weihnachtsgeschenk) liegt dann noch wartend da und neulich in der Buchhandlung hatte ich schon wieder ein paar Bücher, die mich lieb anlächelten. Ich werde sie lesen, alle. Weil ich endlich wieder meine liebste Krankheit habe: das Lesefieber.

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Kategorien: me, myself & I | Schlagwörter: , | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Im Lesefieber

  1. Oh. Zwischen Foer, Hornby und Salinger reihe ich mich gerne ein. Wenn ich dann noch das Betthupferl bin: Toll.

  2. ann

    oh, du hast „juliet, naked“ durch? dann würde ich das auch ganz gerne lesen. 🙂 und es freut mich natürlich, dass dich das lesefieber wieder gepackt hat.

  3. bea

    the catcher in the rye hat mich damals in englischunterricht sehr berührt, aber ich habe nur die hälfte verstanden- sollte es wieder lesen!
    allerdings habe ich zur zeit kaum lust. durch die uni muss ich sowieso schon genug bücher lesen, nicht nur sekundär, auch „weltliteratur“ wie joyce und proust – da geht ganz flux mit der nicht vorhandenen zeit auch die eigentlich große freude am lesen flöten. einfach so zum spaß gelesen, eins von diesem frauenliteraturen 😉 , das habe ich wohl im letzten sommer. heul. vielleicht vielleicht finde ich zwischen abwasch und wäscheaufhängen ja besagte freude wieder. im moment juckts mich durch deinen schönen artikel richtig in den fingern 😉

  4. Little James

    Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich es bisher nicht so toll finde. Aber ich hab auch noch nicht mal die Hälfte geschafft und die Hoffnung, dass es sich noch mal ändert.

    Ich kenn das aber…einfach keine Lust. Diese Frauenbücher sind aber super so für Zwischendurch. Obwohl ich da oft nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll. Erschreckende Parallelen zu meinem Leben manchmal… 🙂

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