Hoover Girl

Meine Nachbarn saugen Staub. Das kann ich immer so sagen, weil sie es eigentlich auch immer tun. Sie saugen nicht nur täglich, nein, sie saugen mehrmals täglich. Morgens, mittags, abends, sogar spät abends. Vielleicht haben sie eine starke Stauballergie, vielleicht essen sie gerne Croissants, während sie in der Wohnung herumlaufen, vielleicht haben sie auch einfach nur einen Schaden. Ich weiß es nicht.

Im Vergleich zu anderen Hausarbeiten sauge ich auch gern Staub. Allerdings seltener, vielleicht so zwei Mal die Woche. Ich mache das gerne, weil es eine Arbeit ist, die nicht anstrengend ist, schnell gemacht, man selbst macht sich nicht schmutzig dabei und ich finde, es riecht danach ganz wunderbar. Trotzdem reicht es mir, wenn ich so gelegentlich staubsauge.

Anfang der Woche dachte ich, dass mein Staubsauger kaputt geht. Klar, erst das Auto, jetzt der Staubsauger. Immer was Neues. Kaum Saugleistung, dafür aber eine Hitzeentwicklung, bei der ich befürchten musste, dass mein Teppich in Flammen aufgeht. Natürlich habe ich zunächst geschaut, ob vielleicht einfach der Staubsaugerbeutel voll ist. War er aber nicht. Mist. Dann mal demnächst die Augen aufhalten, ob es irgendwo Staubsauger im Angebot gibt.

Wie der Zufall so wollte, gibt es derzeit im Supermarkt meines Vertrauens einen Staubsauger im Angebot. Von 100 auf 40 Euro reduziert, da habe ich nicht lange gefackelt. Außerdem waren noch 10 Beutel dabei, drei verschiedene Düsen und der kleine rote Teufel hat eine Leistung von 2000 Watt (mehr als der alte), was mir reichen sollte. Er ist wirklich klein und bestimmt gibt es so Super-Hausfrauen, die beim Anblick aufschreien „Niemals kann ein so kleiner Staubsauger wirklich gut saugen!“ Ich sage: „Ich hab keine Lust, so ein riesiges Gerät zu schleppen, außerdem muss ich den ja auch verstauen können. Ich mag es handlich.“

Gestern baute ich ihn dann zusammen und stöpselte den Stecker ein. Los geht’s. Huch, der ist aber leise. Die Saugleistung: na ja, ganz in Ordnung. Man wird bescheiden. Aber nach zwei Minuten fiel mir dann auf, dass der auf seiner schwächsten Leistungsstufe eingestellt war. Ich fackele nicht lange und geb volle Power. Natürlich wird er dadurch auch lauter, aber er saugt alles ein. Staub, kleine Schnipsel, Krümel. Der Bodenbelag kommt mir entgegen. Das Sofa rückt von der Wand ab und kommt bedrohlich näher. Die Wände wackeln ein wenig. Im Badezimmer entsteht ein kleines schwarzes Loch. Ich stelle die Leistung dann doch wieder ein wenig runter, möchte nicht für die Entstehung von Anti-Materie verantwortlich gemacht werden, das übernimmt meine Haftpflicht glaub ich nicht.

Noch nie war staubsaugen so schön. Meine Nachbarn bekommen Konkurrenz. Ab jetzt ist Hoover Girl im Haus.

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Kategorien: Augenzwinkern | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Hoover Girl

  1. bea

    ich hab auch so einen kleinen roten teufel. allerdings ist es wohl ein älteres fabrikat, denn schwarze löcher sind mir beim staubsaugen noch nicht aufgefallen; eher die tatsache dass der teppich immer noch eine unendliche anzahl von flausen auf dem kopf hat- allerdings, vielleicht bin ich einfach nicht aufmerksam genug. ich komme nämlich wirklich gern ums staubsaugen drumrum.

  2. Du hättest nicht mal Lust Deine neueste Errungenschaft bei mir auszuprobieren? 🙂
    Momentan habe ich nämlich zum saugen so gar keine Lust.

  3. Little James

    @ Bea: Meiner hinterlässt weder Flausen noch Flusen. Ein wirklich braver Teufel 🙂

    @ Andi: Den Anfahrtsweg zahlst du aber 🙂

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