wie man sein eigenes Hallenbad eröffnet

Meinen Abwasch erledigt eine freundliche Maschine für mich. Sie ist uralt, brummt irre laut, aber sie läuft. Ich verlasse das Haus, wenn sie läuft, weil sie so laut ist.

Heute Mittag dachte ich mir: „Ach, die eine Glasschüssel und das Sieb…die brauchst du nicht in die Spülmaschine stellen. Die wäscht du gerade eben mit der Hand ab.“ Und ließ Spüli und Wasser in die Schüssel laufen. Für eine Schüssel muss man ja schließlich nicht Wasser in die Spüle füllen. Verschwendung. Nach einem kurzen Moment hörte ich ein plätscherndes Geräusch. Gut, in der Nachbarwohnung wurde geduscht, aber das klang doch sonst nicht sooo laut. Hellhöriges Haus hin oder her. Das Plätschern klang eher so, als wäre es direkt neben mir. Oder eher unter mir. Ich wollte unter die Spüle schauen, ob dort Wasser lief, erstarrte allerdings in meiner Bewegung. Ich stand bereits knöchelhoch in Wasser. Nun muss man dazu wissen, dass ich dazu neige, Eisfüße zu bekommen und mir deswegen mal für die Winterzeit wunderbar dicke Puschen beschaffte. Die sind nicht nur wulledickwarmhaltend, sondern scheinbar auch lange Zeit wasserundurchlässig. Nur fühlte ich mich ein wenig wie bei einer Wattwanderung. Blitzschnelle Reaktion aber: Wasserhahn zu. Puschen und Socken aus. Hosenbeine hochgekrempelt. Das alles in weniger als einer Nanosekunde (hatte zufällig meine Nanosekundenstoppuhr laufen). Und dann öffnete ich die Schranktür und schaute unter die Spüle. Das Rohr hatte sich gelöst. Geil. Alles voller Seifenwasser und Schmodder. Das Haus ist noch vorm Krieg, ich glaube, so alt sind auch die Rohrverbindungsteile (was interessieren mich da Fachbegriffe). Ein leichter Moddergeruch machte sich breit, der so gar nicht zum frischen Plätschern des Wassers passte. Ich seufzte einmal, in dem Moment löste sich das Rohr auch an der Stelle, wo es in die Wand geht.

Ich holte ein paar hundert Handtücher und warf sie auf die Wassermassen. Immerhin! Ich glaube, es war nicht meine Schuld. Es ist der Zahn der Zeit, der ja überall an diesem Haus nagt. Es ist ausnahmsweise nicht meine eigene Dumm- und Tollpatschigkeit gewesen. Irgendwie beruhigend. Und noch viel beruhigender: was hier wie mehrere Kubikmeter Wasser wirkte, konnte in Wirklichkeit gar nicht sooo viel sein. Ich hatte ja nur die eine Glasschüssel mit Wasser gefüllt und danach noch etwas Wasser laufen lassen. Plus das Moor, was noch im Rohr war. Man stelle sich nur vor, ich hätte einen großen Abwasch gemacht und dann den Stöpsel gezogen. Oder der Supergau: ich hätte die Spülmaschine laufen lassen und wäre dann gewohnheitsgemäß aus dem Haus gegangen.

Nachdem ich die ersten Wassermassen aufgewischt hatte, tat ich dann das, was ich immer tue, wenn ich vollkommen verzweifelt bin. Ich rief meine Schwester an. Der Engel in meiner Not schaffte dann das, woran ich gescheitert war: das Rohr zumindest an der einen Stelle wieder fest zu schrauben. Währenddessen stand ich noch barfüßig herum und beobachtete, wie meine Zehen langsam blau froren. Aber nach weiterem Wischen, wegräumen und wegwerfen diverser unbrauchbar gewordener Dinge (die Bedingungsanleitung der Spülmaschine zb, und auch die wärmenden Puschen) zog ich mir dann wieder Socken und noch Wollsocken an.

Wie machen manche Leute es, dass sie so vollkommen schadenlos durchs Leben laufen? Dass bei denen immer das Auto anspringt, nie etwas kaputt geht, oder denen maximal beim Abwasch ein Glas zerscheppert? Habe ich da einfach nur ein Talent zu, dass mich solche Unglücke anspringen? Oder investieren die anderen einfach doch mehr in ihren Haushalt? Mit diesen Fragen muss ich mich wohl ein anderes Mal beschäftigen, gerade klingelt das THW und bringt neue Sandsäcke für mich, meine Wohnung und mein Leben. Schwimmt nicht zu weit raus, hört ihr?

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Kategorien: Augenzwinkern, me, myself & I | Schlagwörter: , | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „wie man sein eigenes Hallenbad eröffnet

  1. Kismet? Neulich, als es so kalt und dann wieder warm war, regnete es bei einer Bekannten in der Küche. Rohrbruch in der Gästewohnung des Vermieters unter dem Dach.

  2. Aber Glück im Unglück gehabt – immerhin! 🙂

  3. Das klingt ja schrecklich. Mensch, da kannst Du ja wirklich froh sein das Du nicht die Spülmaschine angeschaltet hast und schlimmeres passiert ist.
    Wohnen Leute unter Dir, die jetzt evtl auch was davon haben?

    Noch was, wollte ich schon immer schreiben. Ich genieße Deine Beiträge und lese sie sehr sehr gerne. Ich hoffe wir haben noch recht viel davon.

  4. ann

    und gut dass der engel in der not nur ein stockwerk höher wohnt und zuhause war. 😉

  5. Little James

    @ Tankschiff: Das würde mich bei dem Haus hier auch nicht weiter wundern…

    @ Feylamia: Ich klopf aufs Holz, aber nicht zu fest, sonst bricht noch was zusammen 😉

    @ Andi: das wäre echt die Hölle gewesen. Unter mir ist zum Glück nur der Waschkeller. Selbst wenn es da ein bisschen durchtropft, wäre das nicht so schlimm gewesen.
    Und danke fürs Kompliment 🙂 Solange ich solche Stories erlebe, schreib ich immer weiter!

    @ Ann: ich zünde eine Kerze für dich an.

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