Ich warte aufs Christkind

So sehr wie in diesem Jahr habe ich mich schon lange nicht mehr auf Weihnachten gefreut. Oder vielleicht sogar: noch nie! Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass ich in diesem Jahr nur mit Menschen feiern werde, die ich auch wirklich mag. Es ist nämlich so: Weihnachten bei Familie Schlimm fällt in diesem Jahr aus! Ich kann es selbst noch gar nicht richtig glauben.

Sonntag waren meine Schwester und ich bei Omma Schlimm zum nachträglichen Geburtstagsbesuch. Seit Juni hatten wir sie nicht gesehen und mit einem etwas mulmigen Gefühl gingen wir dort hin. Nicht nur, dass man nie wissen kann, was sie einem so um die Ohren haut. Nein, wir hatten auch vor, ihr zu sagen, dass das Weihnachtstreffen bei Schlimm und Schlimmers in diesem Jahr ohne uns stattfinden müsste. Wir ahnten, es würde ein harter Kampf werden. Aber es würde sich lohnen, mit Sicherheit. Nicht mehr verkatert bei Leuten sitzen, die einem vollkommen fremd sind. Und nur weil wir eine ähnliche DNA haben, sollen wir einmal im Jahr so tun als würden wir dieses verlogene Pack mögen? Wo wir uns doch gegenseitig 364 Tage im Jahr egal sind?! Nein. Nicht mehr.

Irgendwann, so nach fast einer Stunde, kam dann das Gespräch auf Weihnachten. Mir schlug das Herz fast bis zum Hals. Seiner eigenen Oma (die nebenbei ja auch noch die Großmeisterin der stillen Vorwürfe ist) zu sagen, dass man Weihnachten sich lieber die Hand abschlagen als mit ihrer Familie feiern würde, ist schon kein Zuckerschlecken.
Aber auf einmal kam alles ganz anders. „Weihnachten wird dieses Jahr nicht bei Tante Schlimm gefeiert!“ Die Hintergründe dazu tun hier nichts zur Sache, aber ich wusste in diesem Augenblick: wenn ich jetzt meine Schwester anschaue, dann brechen wir beide in schallendes Gelächter aus, springen auf und tanzen einen Freundentanz um den Tisch. Also schaute ich meine Oma an und hoffte, sie würde uns die Erleichterung und unterdrückte ekstatische Freude nicht anmerken.

Weihnachten wird in diesem Jahr wunderschön, entspannt und lustig. Ich werde Menschen um mich herum haben, die ich liebe und lieb habe. Die mir auch mal fehlen, wenn ich sie nicht sehe. Die mich verstehen. Denen ich vertraue. Die mich glücklich machen. Die mich zum Lachen bringen und mit denen ich immer albern sein kann. Oder auch mal ernst. Es sind Menschen, die ich gerne beschenke.

In diesem Jahr sind mir alle Geschenke irgendwie in die Hand gefallen. Davon abgesehen, dass ich eh nur wenige benötige (der Wahn bleibt in einem sehr überschaubaren Rahmen), habe ich die meisten Dinge schon vor Wochen und immer eher zufällig gefunden. Durch überfüllte Geschäfte brauche ich mich also nicht mehr prügeln. Herrlich. Die gewonnene Zeit nutze ich für Konzertbesuche (wie immer) und Plätzchenback-Orgien. Ich warte aufs Christkind. Total entspannt.

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Kategorien: I hope, I think, I know | Schlagwörter: | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Ich warte aufs Christkind

  1. marion

    diese art von glück wünsche ich mir auch. echt.

    sehr frohes fest! LG m

  2. Eigentlich wünsche ich jedem diese Art von Glück!

  3. ann

    oh ja, mir geht es ganz genauso.
    ich kann es auch immer noch nicht so ganz fassen, dass wir dieses jahr wirklich ohne schlimm und schlimmer feiern können. ich kann es ebenso wenig glauben, dass es sich von selbst geklärt hat, ohne dass wir uns dabei mal wieder als die schwarzen schafe der familie entpuppen mussten. ich hätte dich in dem moment auch nicht anschauen dürfen und auch ich habe die ganze zeit gehofft, dass sie nicht merkt was in uns abgeht.
    und die geschenke habe ich auch schon fast alle zusammen.

    weihnachten kann kommen. und es wird das erste richtig schöne weihnachten meines lebens. da bin ich mir sicher. 🙂

  4. Wo ist die Liste zum Unterschreiben, wem es ganz genauso ergeht? Das ist nämlich bei mir genauso und nicht anders. Meine Oma ist nie eine wirkliche Oma für uns gewesen, sehr streng und nur auf sich bedacht und eigentlich nur ihre Söhne liebend. Ihre Enkel waren ihr schon immer total egal. Trotzdem musste man jahrelang heuchlerisch tun und Anstandsbesuche absolvieren. In den letzten Jahren hab ich mich dagegen aber auch durchgesetzt. Jetzt ist die Oma alt, alleine und klapprig und barmt wohl immer mal bei ihrem Sohn (meinem Vater) rum, das wir Enkel sie ja nie besuchen würden. Tja was soll man dazu sagen? Du hast es wunderbar erwähnt.. nur weil man irgendwo die gleiche DNA hat, sich zu regelmäßigen Treffen zwingen? Ne! Die Jahre zuvor hat sie sich auch nie für uns interessiert.

  5. HMh…mann was hab ich ein Glück. Ich habe in meiner ganzen Familie keine „Schlimm“ Ecke!

  6. marion

    ich fass es nicht – das wünschen hat geholfen!!!

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