Meine Liebe ist Theater

…das für immer, immer in mir spielt. Das sing Jens Friebe. Und ich denke, ich weiß, was er meint. Schon zur Schulzeit habe ich Theater gespielt. Und dann fand ich 2006 wieder ein paar Menschen, die genauso denken und die ich fast alle so sehr in mein Herz geschlossen habe, fast als wären sie ich selbst.

Was für andere Sport sein mag, das ist für mich das Theaterspielen. Es ist ein Ausgleich zum Alltag, manchmal. Es ist die Sucht nach Aufmerksamkeit, manchmal. Es ist eine Flucht aus der Wirklichkeit, manchmal. Theaterspielen gibt mir Energie. Ganz oft ist es so, dass ich müde und mit Rückenschmerzen zur Probe gehe und dann voller Elan nach Hause komme. Sportersatz halt. Theaterspielen heißt, in Rollen zu schlüpfen. Rollen, die man sonst nicht zeigt, die man nicht ist oder nicht gerne sein möchte. Oder die man schon immer mal rausholen wollte. Und natürlich heißt es irgendwann auch: sich einem Publikum stellen. Denn man spielt ja nicht nur so im stillen Kämmerlein. Der Narziss in einem möchte es zeigen, so wie ein Maler auch seine Bilder nicht nur so für sich malt oder ein Schriftsteller seine Werke veröffentlichen möchte.

Das bedeutet Arbeit. Eine Menge. Und Verzicht. Schlaf, Essen, Freizeit. Das ist zumindest bei uns so, weil man sich ja noch um hundert Dinge kümmern muss. Flyer, Aufführungsorte, Requisieten, Kostüme usw. Und plötzlich hat man immer einen Hänger in der einen Textstelle, die man doch schon mindestens zwanzig Mal fehlerfrei aufgesagt hatte.
Es zehrt an den Nerven. Man geht an körperliche Grenzen. Was machen die eigenen Freunde eigentlich gerade? Keine Ahnung. Ganz ehrlich: ich wache morgens auf und denke sofort daran, was noch alles gemacht werden muss. Gedanken ausschalten klappt nur zu selten. Und ich bin froh, dass es Menschen gibt, die es schaffen, dass ich auch mal an was anderes denke und abschalten kann. Zumindest noch in den nächsten Tagen. Denn bald ist es geschafft. Am Samstag ist Premiere. Bis dahin werde ich wohl nicht mehr schlafen, essen oder sonst wie auf der Höhe sein. Danach werde ich ganz viel essen, schlafen und mal wieder ein Buch lesen. Stundenlang im Mellow rumhängen. Besonderen Menschen besonders viel Zeit schenken. Ein Kleid kaufen. Und danach gibt es eine Theaterpause. Ein Semester-in-Spanien-Pause. Eine Theaterworkshops-im-Schauspielhaus-Bochum-besuchen-Pause. Eine Babypause (nein, ich bin eher die mit den Workshops).

„Hinter geschlossenen Lidern“
frei nach Sibylle Berg
14. November 2009, 19:30 Uhr
Theaterwerkstatt Bethel (Gadderbaum)

15. November 2009, 19:00 Uhr
Falkendom Bielefeld

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Kategorien: I hope, I think, I know, me, myself & I | Schlagwörter: | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Meine Liebe ist Theater

  1. Schade, da würde ich gerne mal wieder hin. Ins Theater. Aber Bielefeld gibts ja irgendwie nicht und dieser Blog von Dir ist ja eh nur ein Machwerk Ausserirdischer … 😉

    Wenn man nicht auf der Bühne steht und bei manchen Inszenierungen dabei war, kann sich allerdings schon das Gefühl einschleichen, dass das Publikum eigentlich das „bessere“ Theater ist. Inszenierte Eitelkeiten, propagiertes mehr Schein als Sein und Who-is-Who im Nichts der eigenen ach so armen Bedeutungslosigkeit. Trotz propagiertem Protz auf Parkplatz, am Hals oder Handgelenk.

    Traurig. Und schade für die Akteure auf der Bühne. Aber in Bielefeld ist ja eh alles anders. Weil besser und durch extrastellare Intuition im Sinne aller Akteure für kosmisch gut befunden 😉

    Viel Spass und Erfolg Euch allen!

    Phil

  2. Das ist eine wunderbare Liebeserklärung! 🙂

  3. Wahnsinn, wie bringst Du das alles nur unter einen Hut… Theater, Deine Konzertbesuche, Freudschaften, der Job… ich bin hoch beeindruckt!

  4. @Phil: Den Gedankengang muss ich mir aufmalen 🙂

    @Meg: Theater ist manchmal wie eine Liebesbeziehung für mich. Man muss einiges geben, aber man bekommt auch eine Menge zurück

    @Andi: Ein Dauerzustand ist das nicht. Jetzt waren es sechs Wochen, wo es so voll war/ist. Aber danach ist Sense. Ab Ende November mach ich nur noch das nötigste.

  5. ginaglesti

    “Das Leben ist Theater, Vorstellung und Verstellung”

  6. Little James

    Stimmt 🙂

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