Freakmagnet vs. AlleinAllein

Gestern Abend mit Airsign zum Poetry Slam im Kino. Eine dunkle Seite, die kurzzeitig von mir Besitz ergriffen hat, hatte mich dazu gebracht, die Getränke zu PuffKinopreisen zu verweigern und stattdessen zwei Flaschen tschechisches Bier einzustecken. Leider hatte ich aber den Flaschenöffner vergessen. Und als Nichtraucher schleppt man ja auch eher selten ein Feuerzeug mit sich rum. Notiz an mich selbst: ich brauche wirklich dringend einen Flaschenöffner für den Schlüsselbund. Weiß nur nicht, wo man die kaufen kann.

Ach, aber im Kino, da sind ja Leute, die können uns sicherlich weiterhelfen. Könnten sie, bestimmt. Wenn wir nicht (wieder) zielsicher die größten Freaks als Sitznachbarn gehabt hätten. Rechts von uns ein paar pubertierende Teenager, von denen scheinbar niemand rauchte oder spontan Flaschen öffnen wollte. Nichts zu machen. Dafür wies zumindest einer von ihnen eine Art Hyperaktivität auf, die mich wünschen ließ, auch eine Axt eingesteckt zu haben, um ihn das Bein abschlagen zu können.
Links von uns zunächst noch frei. Aber dann kamen sie. Das Talkshow-Pärchen. Sie hatte (natürlich) ein billiges Plastikfeuerzeug dabei, welches sie uns lieh. Und sie hatte eine echte Reibeisenstimme. Leider hielt sie fast nie ihren Mund. Nur, um dort Unmengen an Essen reinzustecken. Während ich schon ein schlechtes Gewissen hatte, zwei Bier reingemogelt zu haben, hatte sie diverse Tupperdosen dabei. Heißwürstchen, Gürkchen, Käse und sogar ein Piccolöchen Sekt zauberte sie aus der Tasche. Picknick deluxe. Auf jeden Fall schien es seine Idee gewesen zu sein, den Slam zu besuchen. Er hatte sich wohl mal getraut, etwas zu entscheiden, denn ansonsten hatte sie eindeutig die Hosen an. Die Nörgelhosen. Alles passte ihr nicht. Die Moderatoren zu langweilig, das ganze Vorweggeplänkel zu langatmig (ok…es war ein bisschen arg lang…), die Slammer doof.
Mordgedanken. Panzertape um ihr den Mund zu zukleben. Irgendwas. Aber nein, ich fange nicht während der größten Slam-Veranstaltung des Jahres einen Streit an oder schlage einfach unkontrolliert um mich. Ich atme tief ein und wieder aus und wieder ein..und dann war es auch schon vorbei.

Vorbei. Endlich bin ich sie los, die Freaks. Mit der Bahn nach Hause und dann allein auf den dunklen Straßen. Es ist gar nicht weit zu laufen, aber natürlich denke ich an die ganzen Zeitungsartikel über Überfälle, die genau auf diesem Stück stattgefunden haben, auf dem ich da gerade laufe. Ich gehe wirklich nicht gern nachts alleine nach Hause. Meine Mütze ziehe ich mir tief ins Gesicht, damit sie einen Schatten wirft. Auf leisen Sohlen laufe ich über die Straße, achte auf jedes Geräusch. Höre irgendwo Gelächter, aber das ist mindestens eine Straße weiter. Ich sehe zwei Personen auf mich zu kommen. Warum nur? Aber es sind zwei harmlose Frauen, die mich vermutlich bedrohlicher finden als ich sie.

So sehr ich mein Wohngebiet mag, nachts alleine nach Hause zu müssen, ist furchtbar. Zwar meide ich die richtig finsteren Ecken, aber ich wohne ja nun auch nicht gerade im Regina-Regenbogen-Land. Die Straßen sind finster, voller Schatten und merkwürdige Gestalten begegnen mir eigentlich so gut wie immer. Fast bin ich soweit, dass ich mir meine merkwürdigen Sitznachbarn zu mir wünsche. Aber nur fast. Sechs Minuten Fußweg von der Bahn bis zu mir. Allein Allein. Ich mag es wirklich nicht. Noch nie ist etwas passiert. Auch gestern nicht. Ich habe wohl einen kleinen Schutzengel. Vielleicht ist er ein Freak. Ziemlich wahrscheinlich sogar.

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Kategorien: Hometown Blues, I hope, I think, I know, me, myself & I | Schlagwörter: , , | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Freakmagnet vs. AlleinAllein

  1. Mist. Das tut mir ja leid.

    Was sind das für Leute, die diesen Abend nicht gemocht haben konnten? Feuerzeug und Fähigkeit, damit Flaschen zu öffnen, hätte ich jeden falls anbieten können. Blöd.

  2. Wir haben es zum Glück noch so geschafft die Flaschen zu öffnen, obwohl ich Flaschen sonst eigentlich nur mit diesen dicken BICs aufkriege und nur nicht mit den schmalen Plastikfeuerzeugen. Nur der Kronkorken landete ein paar Reihen vor uns im Dekolleté einer anderen Zuschauerin. 😉

  3. tommy

    wenn ihr n trekking-laden in der satdt habt geh mal dahin wegen dem flaschenöffner als schlüsselanhänger. ich hab meinen bei gl*be tr*tter gekauft und bin froh ihn immer dabei zu haben 🙂

    echt übel wenn man solche leute neben sich hat. ich hatte mal im kino, als ich meg und elmar da war, n typen neben mir sitzen der nix von deo hielt und ständig die arme nach oben genommen hat. schlimm, schlimm. da kann man die gedanken mit der axt verstehen 😉

  4. Ich wäre wirklich fast ausfallend geworden. Was gibt es bloß für furchtbare Menschen…? 🙂

    @ Tommy: Danke für den Tipp. Haben wir tatsächlich. Mal schauen, ob ich es mal dahin schaffe.

  5. Sehr schön geschrieben. Du solltest mal sowas buchformartiges schreiben wie „Schokolade zum Frühstück“ oder „1000 neue Dinge, die man bei Schwerelosigkeit tun kann“.

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