Alles neu macht der Herbst

Eigentlich ja der Mai. Aber in diesem Jahr scheinbar auch der Herbst. Der steht vor der Tür, bzw ist schon da. Ich packe immer Sonnenbrille und Regenschirm ein, ohne Jacke braucht man gar nicht mehr das Haus verlassen, meine Ballerinas stehen schon einige Wochen ungenutzt im Schuhregal und ich ertappe mich dabei, wie ich nach neuen Mützen Ausschau halte. Wird dies ein sonniger Herbst? Dann werde ich ihn lieben. Ich mag das Licht, ich mag es ja sogar wenn ich eine Mütze tragen kann oder eins meiner 438 Halstücher zum Einsatz kommt. Ich mag es, wenn die Sonne scheint und man dabei durchs Laub rascheln kann. Ich mag es, wenn es noch so warm ist, dass man manchmal noch so eine Ahnung hat, wie der Sommer war.
Wird dies ein regnerischer Herbst? Dann werde ich ihn hassen. Ich mag es nicht, einen Regenschirm zu benutzen, weil ich dann immer kalte Hände bekomme. Ich mag es nicht, wenn der Regen langsam durch meine Schuhsohle zieht und ich nasse Füße bekomme. Ich mag es nicht, wenn der Himmel tagelang grau ist und man so eine Ahnung hat, wie der Winter werden wird.

Bisher scheine ich Glück zu haben: es ist ein schöner Herbstanfang, mit viel Sonnenschein. Ich habe in der letzten Woche noch schnell ein Eis gegessen und ich denke, es wird das letzte Eisdielen-Eis in diesem Jahr gewesen sein. Und noch gehe ich gerne draußen spazieren.

Alles neu macht der Herbst. In meiner kleinen beschaulichen Umgebung gibt es Veränderungen. Meine Hood. Neulich sind die hässlichsten Menschen der Welt – besser bekannt als „Die Nachbarn von Gegenüber“ – endlich ausgezogen. Ich war versucht, ihnen zu helfen, damit es noch schneller geht, aber leider war ich dann anderweitig beschäftigt. Die Wohnung steht leer derzeit und ich kann morgens ohne größere Schäden mein Rollo hochziehen. Das ist also eine sehr erfreuliche Veränderung.
Dann ist von jetzt auf gleich (jobbedingt) die Nachbarin direkt über mir ausgezogen. Das ist eher schade, weil sie eine sehr angenehme Nachbarin war. Ruhig, freundlich, unaufdringlich. Im Gegensatz zu den Wagnerianern, die dort vorher residierten, war sie ein Engel. Da bin ich ja gespannt, wer nachkommt. Was jetzt merkwürdig ist: ich habe oft das Gefühl, ich bin ganz alleine hier. Da die anderen beiden Wohnungen keine direkte Wand zu mir haben, ist es Abends manchmal so leise…zu leise. Mir fehlt es fast, mal ein paar Schritte über mir zu hören. Wobei die Betonung auf „ein paar“ und „Schritte“ liegt. Mehr brauche ich nicht…

Dass die Wohnung nur schwer zu vermieten ist, wissen wir vom letzten Wechsel. Das liegt aber nicht an den restlichen Hausbewohnern (und bestimmt nicht an mir), sondern eher daran, dass sie in der falschen Gegend liegt. Bei der Größe und dem Preis müsste sie im Bielefelder Westen liegen, die wäre in vier Stunden vergriffen. Hier will aber keiner wohnen, der sich sowas leisten kann. Pffhhh…dabei haben wir sogar einen Garten.

Ein Garten, der mal ein kleiner, gemütlicher Dschungel war. Dort wachsen, hach, wuchsen, alle Pflanzen so wie sie lustig waren und wir sorgten nur dafür, dass man einigermaßen zum Fahrradschuppen gelangen konnte. Als ein Zettel im Hausflur hing, es gäbe Gartenarbeiten, da dachte ich ja naiverweise, dass ein paar Sträucher gestutzt werden würden. Stattdessen kam die unangenehmste Herbst-Überraschung: unser antiautoritärer Dschungel ist zu einem kahlen Garten geworden. Es ist nur noch ein Bruchteil an Pflanzen da, alles sieht so ordentlich (und langweilig) aus. Immer wenn ich jetzt aus meinem Küchenfenster schaue, dann zucke ich kurz zusammen. Gespenstisch. Karg. Hoffentlich wächst das bis zum nächsten Sommer alles wieder nach.

Den Herbst nutze ich übrigens immer gern für eine meiner Lieblingsbeschäftigungen: Konzertbesuche. Die Festival-Saison ist vorbei, jetzt wird wieder „richtig“ getourt. Und da stehen schon einige Termine auf meinem Zettel. Sechs für die nächsten acht Wochen, um genau zu sein. Und ich hoffe, dass es noch mehr werden. Ich hoffe, auf einen schönen Herbst. Und dass die nächsten Neuigkeiten (denn mit Sicherheit wird es welche geben) mich immer so erfreuen werden, wie der Auszug der hässlichen Nachbarn von Gegenüber.

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