strawberry swing (Freitag)

Aufwachen! Rock Werchter wartet! Aber erst nach einem Frühstück mit frisch aufgebrühtem Milchkaffee (der besser ist als im Mellow Gold, muss mich zusammenreißen um nicht 2,40 € auf den Tisch zu legen). Aber dann geht es los, ab ins Auto und Richtung Werchter. Das ist nicht weit von Brüssel entfernt, wir kommen gut durch und finden auch schnell einen Parkplatz. Werchter ist (glaub ich) ein Schnarchnasendorf. Aber nicht am ersten Juli-Wochenende. Dann ist alles auf den Beinen. Zu den Klängen von Just Jack, die an diesem Tag das Festival eröffnen, machen wir uns auf den Weg zum Einlass. Man läuft zwar noch ein Stück vom Parkplatz aus, aber das ist nicht weiter schlimm. Schon bald kommen wir an den ersten Bierständen vorbei und gönnen uns das erste Jupiler. Menschenmassen ziehen vorbei, alle laufen Richtung Einlass. Dort geht es aber alles ziemlich schnell. Ich finde E-Tickets unfassbar praktisch und die Taschenkontrollen ziemlich lächerlich. Ich glaube, bei 70.000 Besuchern täte es den Organisatoren gar nicht soooo schlecht, doch etwas genauer zu kontrollieren. Aber gut, immerhin sparen wir so Zeit und Nerven. Und dann sind wir auf dem großen Gelände, eine Wiese mit ein paar (staubigen) Kieswegen. Erst mal auf die Wiese setzen, ein bisschen Sonne tanken und zum ersten Mal feststellen, dass Werchter in der Anflugschneise eines Flughafens liegt. White Lies kann man auch im Sitzen hören, dann besorgen wir unsere ersten Getränke, besuchen Dixie-Klos (lecker) und suchen uns einen neuen Platz. Amy McDonald – erblondet – ist ja nicht so mein Fall, aber in der Sonne auf einer Decke sitzen und ihr beim Singen zuzuhören, das ist schon ganz nett.

Bei Elbow bekommen wir Hunger. Obwohl ich die schon ganz gerne gesehen hätte, begnüge ich mich mit zuhören. Das klingt ganz gut, merkwürdiges belgisches Pita schmeckt merkwürdig, aber nicht schlecht. Und dazu trinke ich noch was, was ich nicht kenne (die Tage verrate ich dann auch was). Ich zahle gerne Geld für sehr saubere Toiletten und dann gehen wir zurück zur Bühne.

Bloc Party spielen. Ich liebe Bloc Party. Seit ich sie vor Jahren in Bielefeld gesehen habe, sogar noch mehr. Und dieses Mal sehe ich sie…naja, nur auf der Leinwand. Ganz nach vorne schafft man es in Werchter wohl nur, wenn man früh da ist und dann den ganzen Tag dort beharrlich stehen bleibt. Aber dank der Leinwand grinst Kele auch uns an und ich überlege, ob ich mit ihm durchbrennen sollte. Hab aber keine Zahnbürste dabei und auch meine Kreditkarte liegt in Brüssel. Mist.

Nach Bloc Party spielen The Killers. Und obgleich ich mich gefreut hatte, entschied ich während des Konzerts, diese Band nicht mehr live sehen zu wollen. Die gibt’s bei mir nur noch auf CD, da war meine Kitsch-Grenze einfach erreicht. Blumen-Glitzer-Overkill. Und Brandon, was für ein Vogel musste für deine Jacke sterben? Glücklicherweise spielten sie aber auch Stücke vom ersten Album, ich glaube, sonst wäre bald alles mit rosa Zuckerguss überzogen gewesen. Huiuiui.

Aber danach war eh alles egal. Alles. Denn endlich endlich endlich kam der Moment, auf den ich mein ganzes Leben (nein, ich übertreibe ja nie) gewartet habe. Der Moment, den ich hoffentlich nie vergessen werde. Nur Chris Martin und ich. Und 69999 weitere Menschen, ok. Aus gesundheitlichen Gründen standen wir dann noch weiter hinten, damit wir nicht so das Gedrängel abbekommen mussten. Aber ich glaube, weiter vorne wäre ich auch einfach einen (schönen) Tod gestorben. Chris Martin. Coldplay. Endlich. Wie oft hatte ich es irgendwie selbst verdamelt oder das Konzert wurde dann doch abgesagt. Aber jetzt endlich hatte ich es geschafft. Ich kann eine weitere Band auf meiner „welche-Bands-ich-unbedingt-sehen-muss“ durchstreichen.
Und Coldplay haben eine riesige Show gemacht. Da fehlen mir wirklich die passenden Worte. Chris Martin war scheinbar gut drauf, hat viel mit dem Publikum gescherzt und die Belgier in seine Lieder mit einbezogen. Ich strich Kele von meiner Durchbrennliste und überlegte, ob Chris wohl eine Ersatzzahnbürste dabei hatte.
Bei Yellow flogen riesige gelbe Luftballons ins Publikum. Und recht weit am Ende des Sets (ungefähr drittletztes Stück), nachdem ich mir bei Fix You schon die Tränen vor Rührung aus den Augen wischen musste, wurden hunderttausende kleine Papierschmetterlinge mit Konfetti-Kanonen in die Luft geschossen.
Davon werde ich noch meinen Enkeln erzählen. Ehrlich wahr. Irgendwann flatterten die Schmetterlinge dann auf uns nieder, aber es war unmöglich einen zu fangen. Natürlich gibt es bei mir Halbzwerg ja immer größere Menschen in der Nähe.

Nach Coldplay war mein Leben zuende. Oder zumindest der Freitag für Rock Werchter. Müde, mit Plattfüßen, aber überglücklich. Überüberglücklich. Auf dem Weg zum Auto bücke ich mich. Ein kleiner roter Papierschmetterling liegt auf der Straße.

It’s such, it’s such a perfect day.

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Kategorien: our night out | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „strawberry swing (Freitag)

  1. Wer ist denn Kele? 🙂 Hach Coldplay, schöööön!
    In Werchter kann man übrigens weit vorne stehen, wenn einen die Bands interessieren die gegen Mittag stehen, da ist es vorne relativ leer. Aber ab dem Nachmittag wird’s echt schwer. Aber egal. Du hast den Schmetterling! 🙂

  2. dieschoenheitderchance

    Kele Okereke, der Mann im Hintergrund, der so ein charmantes Kleinjungenlächeln hat.

    Mittags/Nachmittags wollten wir ja noch gar nicht stehen. Sonst wären uns wohl auch irgendwann die Füße abgefallen.

    Der Schmetterling! Jaaaaaa! Da such ich noch einen Ehrenplatz für.

  3. *Glückseliges Erinnerungslächeln*

  4. P.S. Bzgl. belgischer Trinkkultur – ich war zwar nur mal kurz in Brüssel, meine aber, mich an Kirschbier zu erinnern – igitt…

  5. hach. Am 27. August werde ich dann wohl hoffentlich einen Schmetterling fangen 🙂

  6. dieschoenheitderchance

    @ Simone: Kirschbier?? Wer trinkt denn sowas?

    @Fr. SchokoPerle: Ich drück dir die Daumen! Du kannst dich auf jeden Fall schon mal sehr auf das Konzert freuen 🙂

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