Aufschieberitis

Ich bin ein Mensch, der viel plant. Nicht nur im Beruf, auch im Privatlisten lebe ich mit To-Do-Listen. Nur während ich beruflich jeden Tag fleißig (möglichst) alle notierten Punkte durchstreiche, passiert da privat derzeit nichts. Und auch unaufgeschriebene Planungen lasse ich meist ins Wasser fallen. Ich schieb einfach alles vor mir her, bis es wirklich nicht mehr anders geht. Das sind keine riesigen Sachen, aber es nervt mich doch.

Am Freitag kauf ich zum Beispiel oft frisches Obst und Gemüse, denn am Wochenende hab ich ja viel mehr Zeit um mal wieder den Kochlöffel zu schwingen. Doch am Wochenende koch ich dann oft nicht. Esse Brot, oder kauf mir unterwegs was und irgendwann im Laufe der kommenden Woche schimmelt dann alles fröhlich vor sich hin und landet in meiner Mülltonne. Genauso ignoriere ich derzeit meist Putzlappen/Staubsauger (na, bevor das Gesundheitsamt kommt, schwing ich die dann schon noch), sämtliche Bücher, die ich ja gerne lesen wollte, wenn die Prüfung geschafft ist und ich mehr Zeit habe, habe ich noch nicht einmal angefasst. Stattdessen bin ich entweder unterwegs – oder hänge auf dem Sofa rum und schau DVDs, höre meine Musiksammlung durch, denke über mein Leben nach und schlage die Zeit im Internet tot.

Einen neuen Blogeintrag über den Arminia-Konkurrent Kaiserslautern schreiben, mein Fahrrad verkehrstauglich machen, mein Auto zum TÜV bringen, etwas kennen, was ich nicht kenne (die Sharonfrucht ist im Müll gelandet), meine gewaschene und getrocknete Wäsche in den Schrank räumen, Lebensmittel kaufen, mich um unsere Theaterauftritte kümmern…alles mach ich gar nicht, oder erst, wenn es nicht mehr aufschiebbar ist. Eigentlich habe ich jetzt mehr Zeit. Aber als ich noch mehr Stress hatte, da habe ich das irgendwie besser koordiniert bekommen. Da gab es keine Möglichkeit, alles vor mir herzuschieben. Und dann habe ich es auch nicht gemacht.

Vielleicht bin ich ein wenig ausgebrannt. Vielleicht ist es auch genau richtig, dass ich jetzt hier einfach nur Zeit totschlage. Und ich werde weder an Vitaminmangel sterben, noch werde ich hier im Müll versinken. Vermutlich gibt sich das demnächst einfach wieder. Ich geh da zumindest von aus. Dauerhaft bin ich ja viel zu zappelig, um hier nur rumzuhängen. Und dann werde ich wieder aufstehen, einmal ganz gründlich aufräumen und putzen, neue Blumen kaufen, mir was richtig tolles und supergesundes kochen und mein Auto aus der Werkstatt holen (wenigstens das hab ich noch pünktlich bis zum Monatsende geschafft). Nur gerade im Moment fehlt mir die Leichtigkeit, mit der ich sonst alles geschafft habe. Olli Schulz singt: Die Show fängt wieder an, wenn die Sonne wieder scheint. Recht hat er.

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Kategorien: I hope, I think, I know, me, myself & I | 7 Kommentare

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7 Gedanken zu „Aufschieberitis

  1. tommy

    das mag jetzt komisch klingen, aber mir geht es zur zeit ähnlich. ich mach auch gern mal listen. aber ich bekomm es im privaten auch nicht hin zur zeit. dazu kommt, dass ich unzufrieden bin mit, ja, mit der gesamtsituation. ich hoffe einfach mal, dass ich auch ’nur‘ ausgebrannt bin und die worte von olli auch bei mir gelten 😉

    auf dass die sonne endlich scheint 🙂

  2. Ich habe auch das to-do-Listen-Problem. Ich nenne die Liste seit einiger Zeit nur noch „den schlimmen Zettel“.

  3. dieschoenheitderchance

    Willkommen im Club, Schwestern.

  4. Aufschieberitis? *klugscheiß* Dafür gibt es die folgende Gleichung:

    U = E x V geteilt durch I x D :mrgreen:

    Die wahre Ursache für das Aufschieben ist jedoch Impulsivität. Alle Entscheidungen, etwas zu tun, beruhen auf der Erwartung – in meiner Gleichung E -, dass wir eine Belohnung erhalten, und auf dem Wert (V), den wir dieser Belohnung beimessen. Der Wert verringert sich je nachdem, wie lange wir auf sie warten müssen (D), und wie impulsiv, also sensibel für Verzögerungen wir sind (I). Daraus resultiert die Stärke der Motivation (U), die Aufgabe zu vollenden.

    Klick

    Unglaublich, dass jeder Murks wissenschaftlich seziert werden muss. Ich schiebe auf, weil ich keinen Bock habe. Und den Nervenkitzel benötige, den Kram kurz vor Ende der Deadline zu erledigen. So.

    Macht:

    0B + NK = Sg

    [0 Bock + Nervenkitzel = Schwein gehabt] :mrgreen:

  5. bea

    ich würd ohne listen gar nicht durch den tag kommen. also, natürlich schon, aber es wären tage, bei denen ich mir am abend denke, wo zum teufel die zeit geblieben ist. wenn ich dann einen blick auf die durchgestrichenen punkte der liste werfen kann, hab ich den unumstößlichen beweiß, dass halt doch irgendwas passiert sein muss an dem tag und ich doch sehr wohl ein wenig aktiv gewesen bin 😀

  6. @frau k.: danke für den link. das ist ja schon durchaus interessant. auch wenn ich deiner meinung bin und sage „ich hab einfach keinen bock!“

    @bea: aber wenn am abend halt nichts von der liste durchgestrichen ist…

  7. huch, déjà-vu-alarm!

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