Mir platzt der Kopf

Nein, er platzt mir nicht. Zumindest besteht jetzt nicht mehr die Gefahr.

Letzte Woche Dienstag saß ich mit Freunden und Bekannten Abends auf dem Bielefelder „Siggi“ und genoß den schönen Frühlingsabend als ich mit einem Male eine kleine Beule auf meinem Kopf bemerkte. Klein nur, ein wenig schmerzend, aber nur wenn ich daran kam. Merkwürdig, hatte ich mich doch überhaupt nicht gestoßen oder so. Naja, wird schon wieder weggehen.

Ging sie aber nicht. Stattdessen wurde die Beule immer ein bisschen größer. Und schmerzhafter. Nach einer Woche ungefähr ging es ohne Schmerzmittel nicht mehr. Nachts wurde es besonders schlimm. Und dann kam dieser Moment wo ich wach lag und mich fragte, was wäre, wenn es irgendwas Schlimmes ist. Eine Krankheit. Ein irgendwas.

Also ging ich gestern zu meinem Hausarzt. Kam mir zunächst schon ein wenig doof vor, mit einer Beule am Kopf zum Arzt zu gehen. Aber diese Ungewissheit ließ mir keine Ruhe mehr. Er schaute sich die Beule an, drückte einmal darauf rum (ich sah Sternchen und hasste ihn) und schickte mich dann weiter zu seinem Kollegen, dem attraktivsten Chirurgen der Stadt. Die Diagnose war übrigens ein infiziertes Atherom, also eine entzündete Talgdrüse und somit nichts wirklich Schlimmes. Nur unangenehm, drückte das Ding halt auf meinen Schädelknochen. Und raus sollte es. Möglichst bald.

Heute morgen bin ich dann zum Chirurgen geschlappt und habe mich in dessen Hände begeben. Dafür, dass ich keinen Termin hatte, bin ich sehr schnell dran gekommen. Per Ultraschall hat er sich dann mal meinen Kopf von innen angeschaut und war ungefähr der gleichen Meinung wie mein Hausarzt. Nur schneiden wollte er nicht. „Schauen wir erst mal, vielleicht geht es ja noch von alleine zurück und wir machen erst dann was, wenn es gar nicht mehr geht. Kann man nämlich nicht gut betäuben, so am Kopf.“ Ich habe ihm dann klar gemacht, dass es nicht mehr geht. Dass ich Schmerzmittel schlucke wie andere Menschen Schokolade essen und dass ich Nachts kaum noch ein Auge zubekomme.

Zehn Minuten später lag ich auf der OP-Liege der Praxis. Ich gebe zu: dass es so schnell geht, damit habe ich nicht gerechnet. Aber ich wollte ja, dass es weggeschnitten wird, auch wenn ich wusste, dass es unangenehme Konsequenzen haben wird. Zum Beispiel, dass ich dafür ein paar Haare lassen musste.
Eins kann ich euch sagen, Eisspray betäubt nicht wirklich. Es war die Hölle, ein Schmerz, den ich sicherlich so schnell nicht vergessen werde. Und wenn der Arzt während einer OP dann noch „Oh, hmmm…“ macht, dann ist das auch nicht gerade beruhigend. Aber nach gefühlten hundert Höllenjahren hatte ich es dann geschafft. Die – wirklich wunderbar nette – Arzthelferin blieb noch bei mir und hielt meine Kompresse am Kopf fest, bis die Blutung gestillt war, genäht wurde da nämlich auch nicht. Sie erzählte mir dann, dass es kein Atherom war, sondern das „was auch immer“ flüssig war. Und alles viel mehr und größer als sie vorher angenommen hatten. Eine Probe davon ist jetzt auf dem Weg ins Labor, damit herausgefunden werden kann, was es ist.

Ich war einfach nur froh, es hinter mir zu haben. Blieb dann noch ein wenig in der Praxis, bekam noch Eis für den Kopf und ein Wasser, Überweisungen, einen gelben Zettel und dann durfte ich gehen. Lief dann noch einem alten Freund in die Arme, der sich gleich vorstellte, wie das wäre, wenn mir irgendwann das Blut hinterm Ohr langliefe. „Oh, äh, Sie haben da was…“ Er guckt zu viel Family Guy.

Family Guy ist das Stichwort, denn das Wochenende werde ich wohl hauptsächlich auf dem Sofa verbringen und DVD gucken. Ist nichts mit tanzend bei den Nachtansichten Getränke verkaufen. Ich bin zwar nicht bettlägerig, soll mich aber schonen und meinen Blutdruck niedrig halten. Und direkte Sonne vermeiden. Soll ja auch schön kühl bleiben. Und weil ich mit meinem riesigen Pflaster (was da durchsickert ist übrigens Jod und kein Blut) etwas gruselig aussehe und mir überhaupt auch eine Woche lang nicht die Haare waschen darf, werde ich wohl den Piratenlook wieder salonfähig machen und ohne Kopftuch das Haus erst mal nicht verlassen. Es gibt ja schon einige Solidaritätsbekundungen, also werden auch Augenklappen und Papageien ein Trend in diesem Sommer. Oder zumindest in der kommenden Woche.

Ein kleiner (die Schmerzmittel machen mich sentimental) Dank an all die, die davon wussten und an mich gedacht haben. Daumen gedrückt gehalten und mich aufgemuntert haben. Ihr wisst ja, Mitleid ist nicht so meins. Mit Humor geht alles besser. Und es hat funktioniert. Merci.

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Kategorien: me, myself & I | Schlagwörter: , | 8 Kommentare

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8 Gedanken zu „Mir platzt der Kopf

  1. tommy

    oh man! wir machen sowas in der ambulanz ja auch ab und an und mir tun die menschen immer total leid. ich hoffe, es geht jetzt schnell besser 🙂 lass dich nicht unterkreigen und versuche das we mit vielen dvds zu geniessen. es soll eh gewitter geben, da kann man eh schlecht raus 😉

  2. Klingt ja richtig übel.
    Doch ich muß sagen, das ich schon etwas neugierig bin was da nun im Labor gefunden wird. Du hältst uns doch auf dem Laufenden, oder?
    Und eine Woche nicht Haare waschen klingt ja wirklich heftig. Ich würde mich da schon nach Tag drei mehr als unwohl fühlen.
    Ich drücke Dir die Daumen und wünsche eine schnelle Genesung von dem Eingriff.

  3. dieschoenheitderchance

    @ tommy: Gewitter? Hier nicht 🙂 Aber ich werde mich brav ausruhen und versuchen, mich möglichst zu schonen. Fraglich, ob ich das lange durchhalte.

    @AndiBerlin: Ja, ich auch. Werde natürlich einen kurzen Zwischenbericht geben, aber das dauert noch ein paar Tage.
    Ich fühle mich normalerweise schon nach einem Tag mit ungewaschenen Haaren unwohl. Wasche sie mir sonst täglich.

  4. ach mensch, …. wenigstens war der chirurg was fürs Auge. Ich drück dich!

  5. Supersonic

    Weia! Ich liebe ja so Geschichten, und je ekeliger desto besser. Aber wenn man sowas hat…. heiliger. Ich hätte das vermutlich sofort selbst rausgeholt, weil Angst vor Krebs und so.
    Ich hatte sowas nur einmal, allerdings war das am Knie und wie sich rausstellte (nicht minder ekelig) Kortisonablagerungen vom kaputten Knöchel gegenüber. Aber Respekt für das Aushalten vom Schmerz nur mit Eisspray….
    Und jetzt gute Besserung. Ach und der Look sieht doch super aus. Hätte ich die Geschichte nicht gelesen, ich hätte das nie gesehen auf dem Bild. Und selbst wenn: Die Geschichte ist doch super 🙂

  6. dieschoenheitderchance

    Tjaha, immer wenn mir die Geschichten ausgehen, dann geh ich zu einem Arzt und schaue, ob er was findet 🙂

    Nachdem ich wusste, dass Tumore von außen nicht fühlbar sind, ging es mir schon etwas besser, da geht man dann doch etwas relaxter an die Sache ran.

    Vielleicht trage ich im Sommer häufiger mal mein Kopftuch. Aber ich bin froh, wenn ich es demnächst mal wieder los bin.

  7. Melly-90

    Huhu
    Nachdem ich seit gestern auch ziemliche Schmerzen an dieser blöden Drüse hab, hab ich da mal gegooglet und dein Abenteuer gefunden 😉 Und auch wenns jetzt schon ein bisschen her ist, dacht ich mir, ich schreib dir hier mal 🙂
    Mir wurden ja auch schon mal 2 Drüsen entfernt aber des hat mein Hausarzt gemacht… Deine damaligen Schmerzen sind mir also quasi bestens bekannt ;(
    Hab bei deinen Weiteren Bloggs versucht herauszufinden, ob es denn jetzt tatsächlich die entzündete Talgdrüse war oder doch was anderes? (Ich hoff, die Frage geht dir jetzt nicht zu nah oder so 😐 )
    Würde mich auf jeden Fall auf eine Antwort von dir freuen 🙂
    Lg Melly-90

  8. Miss James

    Bei mir war es keine Talgdrüse, sondern eine Entzündung im Körper. Andere bekommen Fieber oder Pusteln…ich ne Beule am Kopp. War also nichts schlimmes. Irgendwas entzündetes wird es wohl immer sein.

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