Bonnie & Clyde

Ich gehe ja liebend gern ins Theater. Meist ist es die Sehnsucht, die mich treibt. Abtauchen, eintauchen, in eine andere Welt. Das ist ja auch einer der Gründe, warum ich selbst gerne auf den „Brettern die die Welt bedeuten“ stehe. Mir bedeuten sie die Welt. Mal jemand anderes sein, jemand anderes sein. Einfach abschalten, alle Probleme vergessen. Flüchten.

Auf der Flucht war ich gestern wieder. Mit Bonnie & Clyde. Das wohl berühmteste Pärchen aller Zeiten. Nicht mal Angelina und Brad können da mithalten. Bonnie & Clyde, das ist jedem geläufig. Ein Begriff. Eine Legende. Und ihre Geschichte wird derzeit vom Bielefelder Alarm-Theater auf eine sehr originelle und beeindruckende Weise gespielt. Schnell ist es. Rasant. Ständig wechselnde Rollen und Schauplätze. Genau so wie das Leben von Bonnie Parker und Clyde Barrow, die zur Zeit der Weltwirtschaftskrise in den USA ziehen, rauben und morden. Und sich lieben. Ein Leben zwischen Leid und Leidenschaft. Und ich frage mich: kam wohl irgendwann der Punkt, an dem sie sich selbst für unsterblich hielten? Fragen kann man sie nicht mehr, denn natürlich waren sie nicht unsterblich. In einen Hinterhalt gelockt wurden sie von Polizeikugeln durchsiebt. Insgesamt 37 Stück fand man bei der Obduktion in ihren Körpern.

Bonnie & Clyde im Alarm-Theater. Drei Schauspieler, ein Fluchtauto und die Bielefelder Band Dandelion, die ich so nie hören würde (weil ich nur in Ausnahmefällen singende Frauen mag), aber deren Musik und Stimme perfekt zum Theaterstück passte.

Eine perfekte Inszenierung. Bühnenbild, Kostümierung, Darsteller…alles gemeinsam ließ das Publikum in eine besondere Stimmung kommen. Das Gefühl, auch mal so sein zu wollen. Nicht unbedingt gleich mordend und raubend durchs Land zu ziehen, aber einfach mal ausbrechen, leben. Im Gedächtnis anderer Menschen bleiben. Und nie aufgeben, immer weiter machen.
Mit dem Hintergrund des Amoklaufs in dieser Woche blieb einem der ein oder andere Lacher im Halse stecken. 15 minutes of fame. War es das, was Bonnie & Clyde reizte? Ist es das, was Amokläufer reizt? Der Gedanke, eine Legende zu werden. Endlich Beachtung zu finden.

Bonnie & Clyde sind seit über 70 Jahren tot, aber ihre Geschichte lebt weiter. Sie wird verklärt und romantisiert. Man schaut ein wenig großzügig über Mord und Raubzüge hinweg und blickt nur auf die große Liebesgeschichte. Das Theaterstück zeigt aber auch die Schattenseiten. Alles ist außer Kontrolle geraten.

Ein kleiner Teil von mir möchte so sein wie Bonnie & Clyde.
Ein noch viel größerer Teil möchte allerdings einfach nur das Kleid der Hauptdarstellerin besitzen.

(Das Kleid und den Rest kann man noch sehen,
Donnerstags und Freitags, immer ab 20 Uhr. Bis Anfang April.
Für 12€ – ohne Ermäßigung – im Alarm-Theater)

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Kategorien: Entdeckt & Gesehen | Schlagwörter: , | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Bonnie & Clyde

  1. theaterterrine

    Hallo 🙂
    Danke für den netten Kommentar. Nein, wir gehören nicht wirklich Alarmtheater… aber mit unserem Stück 8 Frauen haben wir da gespielt bzw. unsere Premiere gehabt. Daher vielleicht, dass es dir bekannt vorkam.
    Liebe Grüße, Christine (Theaterterrine)

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