Armer Herr Macher

In Bielefelder Bussen hängt Werbung. Und zwar an den Fensterscheiben. Amüsant finde ich die interne Werbung, auf denen „Niemand spricht miteinander. Warum eigentlich nicht?“ steht. Immer wenn ich das sehe, möchte ich da gerne einen Zettel drunter kleben. „Weil wir Ostwestfalen sind, verdammt!“ Hier gibt es eine güldene Regel: niemals Fremde ansprechen. Also, nicht niemals niemals. Aber möglichst niemals. Ich glaube, wenn mich jemand morgens im Bus ansprechen würde, dann würde ich mich belästigt fühlen. Davon abgesehen, dass ich noch nicht dazu in der Lage wäre, anständig zu antworten.
Also, nein. Solche Fragen sind sinnlos. Merkwürdig. Zumindest hier. Das ist also die eine Werbung.

Die andere Werbung hat genau das gleiche Format und ein sehr ähnliches Design. Es ist Werbung von einem Personaldienstleister, die auch im Bereich Zeitarbeit tätig sind. Auf deren Werbeanzeigen stehen so sachen wie“Horst Rüstig ist 50 und hat Angst vor der Arbeitslosigkeit. Verständlich, oder?“ oder „Peter Macher feiert sein 15jähriges Jubiläum in einer Zeitarbeitsfirma. Unglaublich, oder?“ So ungefähr zumindest, ich kann da jetzt keine Gewähr geben, dass es der genaue Wortlaut ist. Aber der Inhalt stimmt überein. Heute morgen habe ich es gelesen. Das mit Herrn Macher.

Jetzt weiß ich nicht genau, wie dieses Unternehmen arbeitet. Obwohl ich selbst beruflich mal fast von einer Mitarbeiterin von denen in den Wahnsinn getrieben worden bin, aber das ist nun wirklich eine ganz andere Geschichte und schon Jahre her. Also, vielleicht machen die dort wirklich sehr gute Arbeit und sind vorbildliche Spitzenarbeitgeber. Und ich glaube auch, dass die Gewerkschaften dafür gesorgt haben, dass die Tarifverträge für Zeitarbeiter einigermaßen erträglicher geworden sind.

Trotzdem war mein erster Gedanke, dass es wirklich verwunderlich ist, dass Peter Macher es geschafft hat, 15 Jahre lang Zeitarbeit zu überleben, und das sogar in ein und der selben Firma. Das war mein Gedanke, heute morgen im Bus. Armer Herr Macher.

(Und jetzt kreuzigt mich, weil viele Menschen froh sind, wenn sie überhaupt Arbeit finden)

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Kategorien: Augenzwinkern | 7 Kommentare

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7 Gedanken zu „Armer Herr Macher

  1. Markus

    Nicht nur Fremde… ich finde es nicht mal gut, wenn mich morgens in der Bahn Kollegen ansprechen. Daher lieber Musik ins Ohr und sich leicht dösend gestellt. Hilft leider nicht immer.

  2. *rofl*

    “Niemand spricht miteinander. Warum eigentlich nicht?

    Sowas steht in euren Bussen? Hat euch schon mal jemand gesagt, dass ihr… merkwürdig seid?! :mrgreen:

  3. Nachtrag: Wir sprechen auch nicht mit jedem. Warum auch? Sind doch nicht die Telefonseelsorge. Aber wir thematisieren das nicht. 😎

  4. “Weil wir Ostwestfalen sind, verdammt!”

    Genau das denke ich dann auch immer! 😀

  5. dieschoenheitderchance

    Heute habe ich in den Bielefelder Bussen übrigens entdeckt, dass es Gratis-Tickets für Kinder gibt, die diese dann abstempeln können. Das finde ich super. Ostwestfalen haben eben doch ein großes Herz. Und eine kleine Meise. Manchmal.

  6. Ab wann müssen denn die Kinder bei euch im Bus bezahlen? Bei uns dürfen sie bis zum 6. Geburtstag umsonst mitfahren. *seufz* Ich war total stolz auf mich, als ich nach Juniors 6.Geburtstag auf die fiese Altersfrage wahrheitsgemäß geantwortet habe. Aber… leicht war das nicht. 😳 😳

  7. dieschoenheitderchance

    Bei uns auch bis 6. Aber weil Kinder doch so gern stempeln, bekommen sie dann halt so ein Ticket.

    Ich bin stolz auf dich 🙂

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