Aus finsteren Hinterhöfen

Die ganzen letzten Jahre habe ich es immer und immer wieder vor mir hergeschoben. Entweder habe ich es dann gar nicht gemacht, oder ich habe es erst gemacht, als es schon fast zu spät war. Die Rede ist von Winterreifen. Beziehungsweise: die Reifen aufziehen lassen. Da ich nur ganz selten mit dem Auto unterwegs bin, lasse ich das echt schlüren. Und irgendwann liegt dann Schnee und ich muss ganz plötzlich irgendwo hin, wo mich nicht die öffentlichen Verkehrsmittel hinbringen. Das ist dann meist im Januar und ich frage mich, ob es sich überhaupt noch lohnt, jetzt noch in die Werkstatt zu fahren. Die Winter sind ja auch sowieso mittlerweile eher gemäßigt. Letztes Jahr hat es glaube ich nur einmal kurz geschneit. Meine Winterreifen – das gebe ich ehrlich zu – haben im Keller überwintert.

Am Samstag möchte ich nach Essen zu einem Konzert in die Grugahalle. Zunächst gingen wir davon aus, dass ein Bekannter uns fährt, aber der hat dann doch noch kurzfristig abgesagt. Leider sagt der Wetterbericht fürs Wochenende auch noch wenig erfreuliches voraus und mir wurde klar: ich muss es tun. Ich muss meine Werkstatt anrufen und sie bitten, meine Reifen aufzuziehen. Außerdem benötigt man in Essen eine Feinstaubplakette und die habe ich natürlich auch noch nicht.

Dienstag rief ich in meiner Werkstatt an und man bat mich, am Donnerstag noch mal anzurufen, weil momentan so viel zu tun sei. Normalerweise ist das nie ein Problem, dass man morgens das Auto dort hinbringt und es dann abends wieder abholt. Nun gut. Als ich heute anrief, sagte man mir, dass es vor Montag nichts wird. Doof. Am Montag und danach wird es wohl nicht mehr schneien. Jetzt, am Wochenende brauche ich die Winterreifen. Also habe ich die Werkstätten von Bielefeld angerufen und gefühlte hundert Absagen bekommen. Vor Montag…grmpf.

Doch die finstere Hinterhof-Höhle, die nur eine Straße weiter von meiner Wohnung liegt, die konnte mir dann doch weiterhelfen. Jetzt und sofort. Die liebste Schwester brachte das Auto dort hin und holte es auch wieder ab. Neue Felgen bekam ich auch noch, die Winterreifen haben sie mir sobutz drauf gezogen und an der Windschutzscheibe klebt jetzt eine grüne Plakette. Über den Preis mag ich gar nicht reden, denn ich glaube, die Felgen sind aus Taiwan oder von polnischen Autos geklaut. Aber ich meckere natürlich nicht, ich freue mich. Die Werkstatt wird mich sicherlich noch häufiger sehen. Dem Ausflug nach Essen steht nun nichts mehr im Wege. Nur eine Lawine kann mich stoppen.

Advertisements
Kategorien: me, myself & I | Schlagwörter: , , | 7 Kommentare

Beitragsnavigation

7 Gedanken zu „Aus finsteren Hinterhöfen

  1. mellow girl

    in der werkstatt haben sie bestimmt auch direkt die besitzer des polnischen fahrzeugs versteckt. „hinterhof hölle“ trifft es ganz ausgezeichnet. ich hatte angst. 😉
    komisch, dass sie mir nicht noch ein „neues“ autoradio andrehen wollten… und was meint ihr wie froh ich war, als ich im kofferraum wirklich nur die sommerreifen und nicht auch noch eine leiche entdeckte.

    nein, ich neige nicht zu übertreibungen. 😉

  2. dieschoenheitderchance

    Das nächste Mal muss ich unbedingt selbst hin. Ich liebe solche abgewrackten Werkstattbutzen, wo man genau weiß, dass die nicht unbedingt Freunde von gut geführten Büchern sind 🙂 Man muss sich nur gut mit denen stellen, dann bekommt man dort lauter Schnäppchen 🙂

  3. Siehst du, noch ein Pro für Australien! Hier gibt es erst gar keine Winterreifen zu kaufen. Es gibt keinen TÜV und auch keine vereisten, glatten Straßen.
    Aber ich hab mich mal schlau gemacht mit diesen Feinstaubplaketten. Das ist ja wohl ein Witz, oder?! Wieder so ein unnötiger Kram, den niemand braucht. *kopfschüttel*
    Es würde unserer Umwelt schon helfen, wenn alle Länder auch nur ansatzweise die Umweltauflagen haben, die man in Deutschland erfüllen muss.

  4. *lol* Über den Preis magst du nicht reden? Ich über den Preis unserer neuen Wasserpumpe auch nicht. Aber ganz sicher nicht, weil die so ein Schnäppchen war. 😳

    Na dann viel Spaß in Essen. 🙂

  5. Für meinen alten Wagen hatte ich auch mal so eine Werkstatt, die mir neue Bremsbeläge montiert haben. Später (also in Berlin) musste ich mal eine andere Werkstatt aufsuchen, die mich fragten, wer denn an den Bremsen rumfuschte: dilletantische Arbeit und lebensgefährlich. Nun fahre ich wieder zur Vertragswerkstatt.

  6. @ Fudge: ich bin wirklich gespannt, wie es dir anfangs gehen wird, wenn du wieder in Deutschland bist…

    @ Frau W.& Bateman: Naja, die Felgen waren gebraucht und deswegen nicht so teuer. Bei meiner alten Kiste lohnt es sich wirklich nicht, noch teure Originalteile einzubauen. Sofern es also noch günstigere Varianten gibt, nehme ich die auch gerne. Bisher ist alles gut gegangen *klopfaufsholz*

  7. Hier in England gibt es das ganze Sommer- u. Winterreifenwechseln nicht. Hier schneit es ja kaum – vielleicht alle 3 – 4 Jahre Mal ein paar Flöckchen. 🙂

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

    lg Netty

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: