Rabimmel Rabammel Rabumm

Jawoll. Es ist schon wieder Martinssingen. Und während ich Halloween doof finde, weil dort – wenn überhaupt – nur Kids vor der Tür stehen, die noch nicht mal gruselig verkleidet sind, gelangweilt „Süßes oder Saures“ runterbeten und ihre Tüten aufhalten. Nein, MARTINSSINGEN. Da muss noch was gemacht werden, nämlich gesungen. Und obwohl man einigen Kindern ansieht, wie unangenehm es ihnen ist…für Süßigkeiten machen die alles. War ja bei uns früher auch nicht groß anders.

Was ich in diesem Jahr erfahren habe: nicht überall in Deutschland gibt es die Martinsbräuche, die wir hier in NRW so pflegen. Stutenkerle kennt nicht jeder. Das wusste ich dann auch schon. Und woanders heißen die auch Weckmänner. Stutenkerl find ich aber besser. Und auch diesen Brauch, dass die Kinder von Tür zu Tür ziehen, klingeln und einen dann mit Martinsliedern nerven erfreuen. Meine Nachbarin zum Beispiel stand eben vollkommen fassungslos vor mir und wusste nicht, wie ihr geschah. Zum Glück hatte ich vorgesorgt und habe einen riesigen Berg Süßigkeiten (oder wie wir sagen: Schlickersachen) besorgt. Natürlich in der Hoffnung, dass keine Kinder klingeln. Tun sie aber. Wie irre.

Bemängeln muss ich ja aber mal, dass die Kids gar nicht mehr die ganzen Lieder kennen, die wir früher noch mit glänzenden Augen, gekämmten Haaren und frohem Herzen gesungen haben. Nur noch den Hit „Laterne, Laterne“ kennen die. Pfffhhh…die nächsten frage ich erst mal, woher das Martinssingen überhaupt kommt. Und wenn die dann keine Antwort wissen, dann müssen sie mir ihre Beute geben. Beim Martinssingen gibt es übrigens eine katholische (die einzig richtige) Erklärung, nämlich die Geschichte vom Sankt Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Und die Kinder sind dann also der Bettler und die Erwachsenen sind St. Martin, die ihren Mantel/ihre Süßigkeiten mit ihnen teilen.

Eine andere Erstehungsgeschichte erzählt, dass früher im November die Knechte und Mägde über den Winter von den Höfen entlassen wurden und dann von Haus zu Haus zogen und um Essen baten. Daher kommt auch der Stutenkerl-Brauch. Der Stutenkerl ist nämlich ziemlich lang haltbar und wurde früher in ähnlicher Form auch verschenkt.

Zu meiner Kindeszeit haben wir uns immer auf das Laterne-Singen gefreut. Es hat zwar fast immer geregnet und von irgendwem ist dann immer die Laterne in Flammen aufgegangen, aber diese immense Menge an Süßigkeiten hat dafür entschädigt. Schlimm waren nur die Leute, die einem lose Kekse, Walnüsse oder Mandarinen in die Tüte geworfen haben.

Bei mir heute Abend fand sich jedenfalls in der Zeit von 18:00 – 20:00 Uhr ein Haufen (merkwürdiger) Kinder ein. Vom dicken einzelnen Jungen über die pakistanische Großfamilie bis hin zu den braven Mädchen mit pinken Haarreifen, die dann sogar als einzige ein anderes Lied kannten. Für alle gab es Schokolade. Und für mich bleiben die Reste. Wie jedes Jahr. Ich liebe Laternesingen. Immer noch.

Advertisements
Kategorien: me, myself & I | Schlagwörter: , , , | 14 Kommentare

Beitragsnavigation

14 Gedanken zu „Rabimmel Rabammel Rabumm

  1. Weil der Martin Luther am 10.11. geboren wurde, gehen die Protestanten am 10. los. Ich muss ja berufsbedingt morgen los gehen, da ‚feiern‘ wir dann die Beerdigung vom Mantelteiler, was, wie du ja schon sagtest, richtig ist. 😉

    Bei mir kommen übrigens nie Kinder vorbei. Ich glaube ein- oder zweimal kamen mal welche. Ist aber schon lange her.

  2. Bei mir hat – wie jedes Jahr – niemand angeklingelt. Alles für mich. jetzt komme ich aus dem Schlickern gar nicht mehr raus.

  3. Wir haben früher nie geklingelt u. gesungen. Ich habe mit Muttern immer bei einem Laternenumzug mitgemacht. Das fand ich wunderschön mit selbstgebastelter Laterne u. wegen der Sicherheit eine Glühbirne von meinem Bruder eingebaut. 🙂

  4. Hier waren überraschend viele. Mehr als im letzten Jahr. Früher waren wir auch beim Umzug und haben dann am Ende einen Stutenkerl bekommen. Aber von Tür zu Tür sind wir auch gegangen, mit den Laternen. Eine von den Laternen ist immer in Flammen aufgegangen. Hach, das waren Zeiten…

  5. In Berlin ist das mit dem „erbetteln“ von Süßigkeiten am St.Martinstag nicht bekannt. Aber Laternenumzüge gibt es hier natürlich auch.
    Der endet dann an der Kirche, wo alle Kinder sich brav anstellen und jedes dann ein halbes „Martinshörnchen“ (irgendso ein Gebäck). Ein halbes Hörnchen daher, weil der St.Martin ja seinen Mantel teilte, wie Du so schön erklärt hast.
    Übrigens scheint es heute mehr Laternen mit elektrischen Licht zu geben, als welche mit Kerzen. Ich finde die elektrischen Laternen ja doof, auch wenn sie sicherer sind. Aber für mich sind das „loser- Laternen“. Und wenn ich Papa bin, dann gibt es nur echte Laternen… Jawollja!

  6. schneegespenst

    Die Stutenkerle heißen hier Weckmann und haben eine Pfeife eingebacken. Ich stopfe mich schon seit Tagen mit Martinsbrezeln voll. Lecker. Umzüge konnte ich auch beobachten. ich finde das schön für die Kinder. Eine schöne Tradition

  7. Hallo (bin hier mal aufgeschlagen, schön hier!),

    hier in Bonn ist die Martinstradition eine ganz andere als z.B. paar Kilometer weiter im Ruhrgebiet:

    Tausend Lichter in und vor den Fenstern, 1000 Laternen (Kleiner Stadtteil von Bonn!) und Schnörzen (ist der Begriff bekannt! War er mir vorher nicht.) mit „echten und vollständigen“ Liedern. So viel los, dass einzelne Häuser in der Nähe des Umzuges sogar private Glühweinaufstände und Kartons mit Süßigkeiten aufbauen!

    Wie heißt „Schnörzen“ denn in anderen Gegenden?

  8. @ Andi Berlin: Hörnchen haben wir hier nicht.
    @ Schneegespenst: Pfeifen haben unsere Stutenkerle auch. Und Rosinen-Augen 🙂 Martinzbrezeln kenn ich aber nicht. Ich mag die Tradition auch.
    @ Donkys Freund: Hallo und willkommen 🙂 Schnörzen? Kenn ich nicht. Was ist das denn? Ich kann mir darunter überhaupt gar nichts vorstellen…

  9. Ja, eben an der Tür singen und Süßigkeiten bekommen.

  10. dieschoenheitderchance

    Ich würde das „schnorren“ nennen 🙂

  11. Wer weiß, vielleicht kommt’s daher, nur ohne singen („Hasse mal ne Mark…Ich geh mit meiner Lateeerne…“)

  12. Martinssingen von Haus zu Haus kenne ich auch nicht. Nur die obligatorischen Umzüge, an denen ich früher berufsbedingt auch immer dabei war 🙂

    In der Region in der ich aufwuchs, geht man am Pfingssonntag von Haus zu Haus und singt. Man nennt das „quaken“ oder auch Pfingsquak. Die Kinder haben einen Bollerwagen dabei der mit Ginster und Blumen geschmückt ist und wo immer sie klingeln und singen gibt es Süßigkeiten, Eier, Speck und manchmal sogar ein paar Groschen. Aber Eier & Speck ist ein absolutes Muss!!!

  13. Auch in Hessen wurde zu meiner Jugendzeit nicht gebettelt. Martinstag aber trotzdem immer ein Highlight, wenn man mit der selbstgebastelten Laterne abends durch die Stadt gezogen ist und gesungen hat. Zur Zeit fallen allerdings nur noch 2 Songs ein.

    Befremdlich fand ich diese Woche nur, dass die Kölner Depp.. äh.. Kollegen am Dienstag die ganze Zeit was von fünfter Jahreszeit gefaselt haben, wo doch Martinstag war!!

  14. @ Fudge: und die Kinder freuen sich über Speck und Eier???

    @ Nummer 9: Kölner halt. Für mich hat das Jahr nur vier Jahreszeiten…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: