Fàilte gu Alba – road trippin’

Am letzten Tag in Edinburgh führte der Weg zur Autovermietung und wir holten uns unseren Begleiter für die nächsten neun Tage ab. Gebucht hatten wir den Wagen schon vorab im Internet, von daher ging das dann bei der Autovermietung auch alles recht schnell. Um Kosten zu sparen, haben wir das eigene Navi mitgenommen – und dieses Mal sogar darauf geachtet, dass auch Schottland bei der Europa-Karte dabei war. Ein Navigationssystem kann man sich natürlich auch bei der Autovermietung mit ausleihen, die nehmen da allerdings so stolze Preise, dass es meistens sogar günstiger wäre, sich vor Ort ein neues zu kaufen.

Und dann konnten wir loslegen, der Fabia und wir. Tapfer trug er uns durch fast das gesamte Land. Von Edinburgh nach Stirling und Dundee, nach Dufftown, Inverness, in den Cairngorn Nationalpark, ans Loch Ness. Zu den Delfinen nach Fort Rose und nördlich bis nach Ullapool, auf die Isle Of Skye, zum Loch Lomond und schlussendlich bis nach Glasgow.
Egal, ob an der Küste entlang oder durch die Berge – überall warteten traumhafte Landschaften und der Vorteil vom Auto ist ja ganz klar, dass man fast überall anhalten kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass man auch mit dem Zug gut durch Schottland reisen kann, aber damit wäre man dann natürlich weniger flexibel.

Autofahren in Großbritannien bedeutet: Linksverkehr. Da hatte ich zugegebenermaßen großen Respekt vor, aber es war dann deutlich einfacher als ich vorher befürchtet hatte. Ich würde es auch immer wieder so machen, dass ich vor Ort ein Auto leihe und nicht mit eigenem Auto anreise. Nicht nur, dass es ganz schön lange dauert, mit dem Auto nach Schottland zu reisen, sondern auch, weil man mit einem britischen Auto wenigstens passend sitzt. Wenn schon Linksverkehr, dann richtig. Das Fahren war in Ordnung, auch wenn man als Tourist gerne mal ein bisschen zu weit links fährt. Der Beifahrer hat also den viel stressigeren Job, nämlich nicht durchzudrehen, weil man gefühlt nur haarspitzenbreit vom parkenden Auto oder der Mauer entlang gefahren ist. Jeder von uns hat es geschafft, einmal beim Abbiegen die falsche Straßenseite zu erwischen, aber es war weit und breit kein anderes Auto, halb so wild.

Ist aber alles gut gegangen, irgendwann greift man auch nicht mehr versehentlich zur Tür, wenn man schalten möchte und alles läuft automatisch. Und dann kann man sich entspannen und ein bisschen die leeren Straßen und die schöne Landschaft genießen.

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Eigentlich hätte man fast alle hundert Meter anhalten können, aber dann hätte der Urlaub nicht 15 Tage, sondern 15 Monate dauern müssen. Zumal man in Schottland eh nicht sonderlich schnell vorwärts kommt. Aufgrund der Geschwindigkeitsbegrenzung kann man maximal 70 Meilen pro Stunde fahren. Das sind etwa 112 km/h, ist also schon ziemlich gemächlich. Und so schnell darf man nur auf Autobahnen fahren, da gibt es dann auch gar nicht so viele von. Sehr viel verbreiteter sind Landstraßen, da sind dann noch 60 mph erlaubt. Das entspricht so etwa 96 km/h. Dafür sieht man überhaupt keine Gründe dafür, das mal einzuschränken. Egal wie kurvig die Strecke, wie tief die Schlaglöcher und wie zahlreich die Schafe…muss man halt selbst wissen. Man kann aber tatsächlich nicht so häufig so schnell fahren wie man dürfte. Dann kann man sich wenigstens auf die ganzen Warnschilder konzentrieren. Da wurde gewarnt vor Landwirtschaftlichen Maschinen, Kühen, Schafen, Rehen und tatsächlich auch vor Enten. Echt wahr.

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Bis auf Schafe haben wir übrigens keinerlei Tiere direkt auf der Straße getroffen. Das war dann aber auch sehr witzig, weil ich tagelang dachte, dass es ja wohl doch totaler Quatsch sei, dass in Schottland Schafe auf den Straßen rumlaufen. Natürlich gab es da Schafe, aber die waren da auf ihrer Wiese und zwischen Wiese und Straße gab es einen Zaun. Tze, alles nur Legenden! Nun ja, irgendwann standen die Schafe am Zaun, allerdings irgendwie auf der falschen Seite. Also schon sehr nah neben einem. Und dann liefen sie doch überall rum, total entspannt. Muss man halt ein bisschen aufpassen. Außerdem sehen laufende Schafe so witzig aus. Ich jedenfalls bekam überhaupt nicht genug davon und freute mich über JEDES Schaf auf der Straße und am Straßenrand.

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Man möchte ja jetzt fast meinen, dass wir immer super Wetter hatten. War dann nicht immer so.

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Aber das Wetter war halt häufig einfach sehr wechselhaft, Sonnenschein mit blauem Himmel wechselten sich mit Regen gerne im Halbstunden-Takt ab. Generell hatten wir sehr viel Glück mit dem Wetter, und dazu noch ein unglaubliches Timing – denn meistens regnete es nur dann, wenn wir gerade im Auto saßen oder irgendwo drinnen unterwegs waren.
Da ich Regen aus Deutschland ausreichend kenne, habe ich da weniger Bilder von gemacht. Dafür habe ich einmal einen Regenbogen eingefangen.

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(Wer noch sucht: sehr knapp über der Straße)

Übrigens wird in Schottland enorm rücksichtsvoll Auto gefahren, da könnte man sich in Deutschland wirklich mal eine dicke Scheibe von abschneiden. Wunderbar sind natürlich auch die wirklich meistens sehr leeren Straßen und auch das Tempo-Limit. Das macht einfach sehr viel Spaß.

Ein paar Tage nach dem Urlaub bin ich übrigens mal auf die linke Seite abgebogen. Glücklicherweise an einem Sonntagmorgen in Schüren, da war auch nicht so viel los. Hat also keiner gemerkt. Das Herz ist immer noch in Schottland.

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monthly music (August 2015)

Besuchte Konzerte
ein Mini-Festival in Glasgow
das Haldern Pop-Festival
Interpol im FZW

Vorfreude – gekaufte Konzertkarten
Dan Mangan und Wanda. AMORE!

Neue Tonträger braucht das Land
Das neue Album der Charlatans “Modern Nature” und das Album der DMA’s, welches schlicht den Band-Namen trägt. Beide in Glasgow eingesackt. Ich bin stolz auf mich, denn ich hätte da wie eine Heuschrecke durch die Plattenläden grasen können.

Heavy Rotation
Da hilft mir mein guter alter last.fm-Account weiter: die meistgespielte Band im August war bei mir passend zum neuen Tonträger die Charlatans.
Eigentlich ist es aber so, dass während des Schottland-Roadtrips fast immer das Radio lief. Und obwohl die Briten einen deutlich besseren Musikgeschmack haben, haben sie auch einen genauso schlimmen Musikgeschmack wie der Rest der Welt. Vermutlich habe ich also am häufigsten “How Deep Is Your Love” von Calvin Harris gehört. Oder wenn ich Glück hatte, dann wenigstens das hier:

Newcomer
Zum Beispiel “Young Aviators” und “Woodland”, beide bei dem Festival in Glasgow gehört. Da spielten nur schottische Bands, und außer dem Headliner We Were Promised Jetpacks kannte ich vorher keine Band. War aber ganz lustig, zwischen den ganzen mitsingenden Schotten zu sein, während man selbst diese Musik zum ersten Mal hört.

Und sonst so?

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Dann hören wir mal, was der September so bringt.

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auf der anderen Seite

Es ist nicht so, als hätte ich hier nichts zu berichten. Da warten noch etliche Schottland-Eindrücke, inklusive Mini-Festival-Besuch. Dann war ich noch beim Haldern Pop-Festival und dann gab es auch das Interpol-Konzert in Dortmund. Und wär das noch nicht genug war ich auch am Dienstag noch im Glückshimmel des Sports. Und bei einer Hochzeit, am Wochenende allerdings, nicht am Dienstag.

Auf der anderen Seite aber ist da einfach nicht so richtig Zeit zum Erzählen. Termine, Termine, Termine! Die meisten ganz schön. Termine, die wieder etwas Veränderung in mein Leben bringen, das gefällt mir ja meistens. Aber im ganzen ein bisschen viel gerade. Ich geh zum Beispiel gerne auf Hochzeiten, aber jetzt habe ich gerade die dritte in diesem Sommer erlebt, zwei stehen noch an – ist dann auch gut soweit.

Ich bin ein bisschen müde und angeschlagen. So fast direkt nach dem Urlaub ist das blöd, da sollte man ja fit und ausgeruht und voller Energie sein. Stattdessen kratzt der Hals und ich möchte den ganzen Tag lang nur schlafen. Nicht nur die Termine strengen mich an – auch alle Nachrichten aktuell. Jeden Tag Fremdenhass, Schlepperbanden, Flüchtlingsströme. Vor allem dieser Hass macht mich fertig. Ich verstehe es einfach nicht. Und ich verstehe ja oft Menschen nicht (zB auch: warum sagen viele Menschen, wenn sie einem ein Geschenk geben, direkt, dass man es ja auch umtauschen kann? Sind die doof?!), aber momentan erst recht nicht. Diese “besorgten Bürger” können doch nicht alle als Kind vom Wickeltisch gefallen sein?! Was ist denn da alles schief gelaufen? Ich schäme mich für diese Menschen, die so sehr gegen Flüchtlinge hetzen. Ich ekele mich vor ihnen. Und ganz ehrlich: für mich ist das der dümmste Abschaum aller Zeiten.

Auf der anderen Seite nerven mich ja gerade Verallgemeinerungen und ich kritisiere das auch oft. Also sind natürlich nicht alle Menschen schlimm. Es gibt auch tolle. Und ich bin mehr als glücklich darüber, dass die Leute, die ich zu meinen besten Freunden zähle, sich ebenfalls über Fremdenhass aufregen. Ich bin glücklich, wenn ich höre, dass Freunde Spenden sammeln, Hilfe organisieren, selbst helfen. Ich bin glücklich, in meinem eigenen sozialen Netzwerk bisher von so engstirnigen, vollidiotischen Parolen und Kommentaren verschont geblieben zu sein. Ich bin noch ein bisschen verliebter in meine Freunde. So großartige Menschen. Das kann man ja gar nicht oft genug sagen.

Ich hoffe ein bisschen, dass sich alles gelegt hat. Dass es wirklich nur ein Moment ist, dass die Vernunft dann doch siegt. Wenn ich alles über Schottland erzählt habe, über das Haldern Pop, über Interpol und natürlich auch über die Dinge, die in den nächsten Wochen anstehen, dann hoffe ich, dass niemand mehr Flüchtlingsheime anzündet, dass keine Gewalt mehr eskaliert und alles irgendwie wieder erträglich wird.
Tatsächlich fällt es mir schwer, daran zu glauben.

Auf der anderen Seite…stirbt aber die Hoffnung bekanntlich zuletzt.

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Fàilte gu Alba – Edinburgh

Mit dem Flugzeug nach Glasgow, vom Flughafen mit dem Bus in die Stadt und von dort aus mit dem Zug nach Edinburgh. Schon da bin ich etwas verliebt in Schottland, denn Verkehrsmittel sind nicht überfüllt, es gibt ausreichend Möglichkeit, sein Gepäck zu verstauen, es gibt free WiFi und niemand stinkt. Vielleicht war das Zufall, aber ich kann mich nicht erinnern, in Schottland an stinkenden Menschen gestanden zu haben.

Wie auch immer: Edinburgh. Du schöne Stadt. Gewohnt haben wir am Haymarket, das ist schon ziemlich zentral und es fährt noch eine Tram ins direkte Zentrum. Das besteht im Wesentlichen aus der Old Town und der New Town und beides ist sehr sehenswert. Eigentlich gibt es in Edinburgh (zumindest so im Zentrum) nur eine Bausünde und das ist der Bahnhof. Ansonsten ist das Schloss natürlich sehr präsent, trohnt regelrecht über der Stadt.

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Und ansonsten sieht man sehr viele historische Gemäuer, daneben aber auch neue und auffällige Architektur wie zB das Parlament. Und viele wunderschöne Gassen. Einfach mal durchstreifen, verlaufen kann man sich eigentlich nicht. So riesig ist Edinburgh ja auch nicht, man kann eigentlich so gut wie alles angenehm zu Fuß erreichen.
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Ein bisschen anstrengender, aber sehr lohnenswert: bergauf! Edinburgh hat zwei Berge, einmal die Salisbury Crags und dann den etwas niedrigeren Calton Hill. Auf zweiteren bin ich dann raufgeklettert, der Ausblick lohnt sich auf jeden Fall!

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Edinburgh war der perfekte Einstieg, denn obwohl es eine Stadt ist – sogar die Hauptstadt von Schottland – ist es überschaubar, entspannt und ein bisschen gemütlich. Da kann man schön rumsitzen, die Seele baumeln lassen und das erste Cider trinken. Aber gleichzeitig ist es noch urban genug für tolle Plattenläden, ein bisschen shopping und eine sehr abwechslungsreiche Gastronomie (Tipp: The Olive Branch). Außerdem findet man hier zusätzlich noch ein paar Filmkulissen und -inspirationen.

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(Die Victoria Street, Inspiration zur Winkelgasse aus Harry Potter, JK Rowling hat einen Teil der Geschichte nur ein paar Straßen weiter geschrieben)

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(Die Treppe aus der Anfangs-Sequenz von Trainspotting)

Drei Tage Edinburgh, da kann man genug rumbummeln, auch mal zur Küste (Leigh) fahren, ausreichend Pausen machen, Ausblicke genießen und Sonne im Park einfangen. Das Castle haben wir uns geschenkt, den höheren Berg auch. Man muss sich ja noch was für einen möglichen zweiten Besuch aufsparen.
Am letzten Tag in Edinburgh gönnten wir uns ein “full scottish breakfast” im Hotel, darüber berichte ich aber ein anderes Mal. Anschließend holten wir den Mietwagen ab, der uns die nächsten neun Tage treu durch das Land begleiten würde. Auf zum Roadtrip!

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