Digital ist besser. Jein.

Das Musik zu einer meiner Leidenschaften gehört, ist kein Geheimnis mehr. Das wurde mir in die Wiege gelegt, ich wuchs zwischen einer großen Platten- und später auch CD-Sammlung auf, es lief eigentlich auch IMMER Musik im Haus und ich erinnere mich mit Freude an den Tag als ich vom Spielen mit Freundinnen kam und erzählte, dass alle anderen dieses Lied von einem gewissen Matthias Reim hören würden und ich das gar nicht kennen würde. Meine Mutter verbot mir kurzer Hand, diese Musik in unserem Haus zu hören und so blieb es irgendwo zwischen Genesis, Pink Floyd, David Bowie, den Stones, Elton John, Simon & Garfunkel und so weiter. Ich kann mich auch noch erinnern, wie mein Vater mir zeigte, wie man den Plattenspieler benutzt und wie wir unseren ersten CD-Player bekamen.

Jahre vergingen, ich zog aus, mit mir eine kleine Kompaktanlage, die sogar einen dreifach CD-Wechsler hatte und in meiner ersten und ich glaube auch noch in meiner zweiten Wohnung ausreichend für Beschallung sorgte. Die Sammlung der Silberlinge wuchs stetig doch gleichzeitig wurde Musik auch weniger greifbar, weil digitaler. MP3-Player für unterwegs und Zuhause die Musik über das Laptop abspielen. Die CD-Sammlung wurde nach und nach digitalisiert, ich startete mit einem Account bei last.fm und konnte dort Stunden verbringen, meine Statistiken anschauen, nach Musik und Konzerten suchen, bei anderen Nutzern stöbern und mich inspirieren lassen. Ich habe das damals wirklich enorm geliebt.

Weitere Jahre später zog ich mit ihm zusammen, der noch mehr Zeit, Herz (und Geld) in Musik investiert. Die CD-Sammlung wurde zusammengelegt, es gibt jetzt einiges doppelt, aber ich würde im Leben nicht aussortieren wollen. Irgendwann schenkte ich mir selbst zu Weihnachten einen Plattenspieler, womit dann jetzt auch eine – durchaus noch nicht riesige – Vinylsammlung die Wohnung bereichert. Die kleine Anlage, die eh nur noch als Verstärker diente, wurde durch einen richtigen Verstärker ersetzt, den der Liebste im Keller seiner Eltern fand. Ich legte mir einen Spotify-Account zu um noch mehr Musik zu hören. Last.fm überarbeitete seine Website und wurde dadurch irgendwie erst unnutzbar und dann zu einem jämmerlichen Rest seiner Selbst. Ich bin dort noch angemeldet, aber der große Spaß ist für mich weg.

Neulich saßen wir bei Familie Lores und hörten ein paar Kinderlieder-CDs. Der Mann schaute sich länger den CD-Player an und als er sinngemäß sowas wie „Das ist ja schon schön mit so einem Gerät“ sagte, wusste ich schon, was folgen wird. Seit ein paar Tagen besitzen wir also einen – gebrauchten – CD-Player und stehen seitdem wieder mehr vor der Sammlung und suchen einzelne CDs raus. Wie früher quasi.

Was das bedeutet? Zunächst einmal liegt last.fm noch etwas mehr brach als sonst schon, denn die Musik, die nicht über den Rechner läuft, die wird ja auch nicht gescrobbelt, also auch nicht für meine Statistik erfasst. Der Listen- und Statistikennerd in mir bedauert das zwar, kommt aber zurecht. Ein bisschen leidet auch mein Nachhaltigkeits-Ich, denn ja: eine Datei produziert weniger Müll und verbraucht weniger Platz. Trotzdem. Eine CD oder Schallplatte hören ist einfach wieder ein Erlebnis, das ein bisschen zelebriert werden darf. Limited Editions kaufen, schöne Dinge in der Hand halten, die Auswahl, das Hören. Das läuft für mich ein bisschen bewusster als wenn ich nur fix den Media Player starte und dann gelegentlich doch nur das erstbeste anklicke. Spotify ist weiterhin wichtig für mich, schon allein auf den Mix der Woche möchte ich nicht mehr verzichten müssen.

Jetzt also Musik auf allen Kanälen. Stream, Datei, CD, Schallplatte. Wenn ich lange krame, finde ich vielleicht noch Kassetten und das Radio in der Küche könnte diese sogar noch abspielen. Wobei, eher nicht, CDs reichen erstmal. Während die halbe Blogwelt also ausmistet und sich von unnötigem Schnickschnack trennt, kaufe ich wieder Dinge und fülle die Regale. It’s only Rock’n’Roll. 

And I like it.

Kategorien: me, myself & I | Schlagwörter: , , , | 5 Kommentare

Pottspot: Bittermärker Wald

Neujahr, unverkatert, Sonnenschein. Eine gute Gelegenheit für einen etwas ausgedehnteren Spaziergang. Für lange Fahrten hatten wir zu lange geschlafen und es wird dann ja im Januar auch immer noch recht früh dunkel, aber in Dortmund gibt es ja ausreichend schöne Ecken zum spazieren gehen. Auch noch welche, die wir noch nicht kennen.

Die Bittermark ist ein Stadtteil im Dortmunder Süden, der gefühlt nur aus dem Waldstück besteht. Früher war es zudem noch Zechenstandort, was dazu geführt hat, dass dort auch noch ein bisschen unkontrolliert und schwarz nach Kohle gegraben wurde, was dann widerum dazu geführt hat, dass man im Wald der  Bittermark an jeder Ecke darauf hingewiesen wird, dass es lebensgefährlich ist, die offiziellen Wege zu verlassen. Das soll man ja im Wald eh nicht, aber bei der Vorstellung, auf einer Art Schweizer Käse zu laufen, möchte ich das auch direkt noch weniger.

img_4321img_4334

Natürlich ist man mit so einer Idee an einem solchen Tag nicht alleine, daher begegneten uns eine Menge weiterer Spaziergänger, mit und ohne Hunden, Jogger, Mountainbiker und sogar ein paar Reiter auf ihren Pferden. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass der Wald irgendwie „überlaufen“ ist und ich lieber woanders wäre.

img_4323

Als Kind bin ich am Waldrand aufgewachsen und niemals nie hätte ich es damals für möglich gehalten, dass ich mal freiwillig an Neujahr durch den Wald laufe. Obwohl ich mich auch nicht erinnern kann, dass ich zu klassischen Sonntagsspaziergängen gezwungen wurde. Aber der Wald war halt immer da, ich war da auch regelmäßig zu finden, er war selbstverständlich und nichts besonderes. Wenn ich heute – gerne! – in Wälder gehe, dann nehme ich ihn ganz anders wahr. Die Farben, die Schattenspiele der Sonne, die einzelnen Bäume, andere Pflanzen. Diese Luft, das Licht, der Geruch von Erde und Holz. DIESE RUHE! Es ist möglicherweise halt einfach doch das Alter. Ist mir auch egal. Ich mag den Wald.

img_4316img_4330img_4337

Im Wald der Bittermark steht ein Mahnmal, welches an die Ermordung von fast 300 Zwangsarbeitern und Widerständlern an dieser Stelle kurz vor Ende des 2. Weltkrieges erinnert. Es bietet sich sicherlich immer an, bei einem Spaziergang auch dort vorbeizugehen, bei der allerersten Runde durch diesen Wald sowieso.

img_4344

Ich werde hier nur selten politisch, aber in Zeiten wie diesen sollte jeder zu einem solchen Mahnmal gehen, mal einen Moment inne halten und darüber nachdenken, wie es soweit kommen konnte. Und ob man gewillt ist, dass sich die Vergangenheit wiederholen könnte. Vielleicht war Neujahr auch genau der passende Tag dafür. Und immerhin ist der Wald ein Gebiet, das immer auch ein bisschen Hoffnung verbreitet.

img_4346img_4318

Hoffnung, dass der Frühling bald kommt. Und Hoffnung auf ein friedliches und gutes Jahr 2017.

Kategorien: Hometown Blues, I hope, I think, I know, Pottspots | Schlagwörter: , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

2017

Am Silvestermorgen lag ich wach im Bett, dachte über das Jahr nach und überlegte, wie das nächste wohl so werden wird. Vorsätze? Das übliche: weniger Kuchen und mehr Zimtschnecken. Mehr Bewegung und mehr faulenzende Pausen mit Nichtstun. Und dann noch mehr Musik, mehr Aufmerksamkeit, mehr Respekt, weniger Stress und Hektik. Nichts Neues also, vermutlich halte ich bis ungefähr zum 4. Januar durch. Gibt schlimmeres. Was immerhin schon geklappt hat: eine Verabredung, um Zeit mit Freunden zu verbringen, Stunden auf dem Sofa mit meinem Spotify Mix der Woche und ein langer Spaziergang ohne Blick aufs Smartphone. Dafür startete das Jahr mit einem Bissen der schokoladigsten Geburtstagstorte aller Zeiten, die vermutlich in keinem Diätratgeber zu finden ist. Vielleicht ist das aber auch nur ein Zeichen dafür, dass das Jahr besonders gut wird.

Das schönste am Jahreswechsel ist übrigens fast für mich, dass jetzt nach den vier Adventssonntagen, Weihnachten, Silvester und Neujahr endlich wieder eine Zeit anbricht, in der man nicht in seinen WhatsApp-Gruppen mit Videos, Bildern und Nachrichten überflutet wird. Dabei mag ich diese Gruppen eigentlich sogar – seit ich sie komplett auf stumm gestellt habe – denn ich finde sie durchaus praktisch und zeitweise amüsant. Bei dieser Flut allerdings kapituliere ich dann doch und habe mit Sicherheit in der ein oder anderen Gruppe vergessen, auf den ein oder anderen guten oder gutgemeinten Wunsch zu antworten.

Egal. Während man im Dezember noch damit beschäftigt ist, auf Weihnachtsfeiern zu tanzen, Geschenke zu besorgen und hemmungslos Glühwein auf sämtlichen Weihnachtsmärkten der Region zu trinken, ist der Januar also eher ein bisschen ruhig. Es gibt Leute, die damit nicht sonderlich gut umgehen können, ich versuche, das beste aus dem Januar (und Februar) zu machen. Jetzt ist Januar, der Monat mit den vielen Rechnungen, mit tendenziell eher nicht so hübschem Wetter, wenn die Hose nach Weihnachten ein bisschen kneift, man sich den Sommer herbeisehnt und Pläne schmiedet. Das mit den Plänen mache ich zumindest so. Reiseziele suchen, nach Unterkünften und Flügen schauen, Ausflugsziele festlegen, träumen. Dafür ist der Januar schon ganz gut geeignet. Außerdem fürs Aufräumen und Ausmisten – wenn man die Weihnachtsdeko wegräumt ist da ja die Hälfte schon geschafft.

Vorsätze halte ich nicht ein, Pläne schmieden und ein bisschen rumträumen passt viel besser zu mir. Und dazu gehört auch wünschen und hoffen. Für 2017 wünsche ich mir viel Spaß, ein paar Abenteuer, etliche Ausflüge, Entdeckungen, neue Dinge (im nicht-materiellen Sinne), das richtige Maß an Langeweile, Bewegung, Wärme, mindestens einmal im Meer schwimmen, Genuss, Geduld und immer sehr viel Zeit für Freunde und Familie. So ist das. Die Optimistin in mir ist sich sicher, dass 2017 ein zauberhaftes Jahr wird. Und die Faulenzerin bleibt einfach auf dem Sofa liegen und wartet ab. Wie üblich.

 

Kategorien: I hope, I think, I know, me, myself & I | Schlagwörter: , , | Hinterlasse einen Kommentar

outtakes 2016

So, zack, Jahresende. Ich schätze mal, wenn in 20 Jahren bei einer Quizshow nach dem Todesdatum eines Promis gefragt wird, dann liegt man mit 2016 häufig nicht falsch. Fühlt sich zumindest so an. Dass mein persönliches Jahr gar nicht so schlecht war, hab ich euch ja schon erzählt. Dieses Jahr verzichte ich auf einen großen Konzerte-Rückblick, Jahrescharts hat es schon 2015 nicht gegeben und musikalisch kann ich mich an 2016 kaum erinnern. Ja, da gab es ein paar gute Momente. Aber ist was hängen geblieben? Ich weiß es schon jetzt nicht mehr richtig. Vielleicht ein ganz guter Vorsatz für 2017: wieder mit mehr Bewusstsein mit der Musik beschäftigen.

Zum Abschluss des Jahres wieder ein paar Bilder, die es im Laufe des Jahres nicht hier hin geschafft haben, die mir aber so gut gefallen, dass ich sie euch trotzdem zeigen möchte.

Tierisch gut: eine von unzähligen Katzen in Riga; eine Schnecke in Dortmund; ein Alpakaselfie in Castrop-Rauxel.

Architektonische Highlights: Strumpfautomat in Altenahr; „anne Bude“ in Hamburg-Harburg.

Einfach mal anders: der Blick im FZW von der Bühne aus ins Publikum; lettische Postkarte mit ganz eigener und mich enorm irritierender Aufteilung. Allerdings scheinbar kein Fehldruck, die waren alle so.

Kleine Sünden: Vitaminaufnahme auf Festival-Art beim Haldern Pop; coolste (und leckerste) Hochzeitstorte aller Zeiten in Hamburg.

Große Sprünge: ich selbst auf einem dänischen „Hoppepude“ (warum gibt es die in dieser Form eigentlich nicht auf deutschen Spielplätzen?); Streetart in Riga.

2017 steht also vor der Tür und ich selbst stehe zwischen der Befürchtung, dass es noch schlimmer wird und der Hoffnung, dass es ein bisschen erträglicher wird. Ein bisschen siegt noch die Optimistin in mir und ich denke zudem, dass einige Dinge nicht zu ändern sind und bei den änderbaren Dingen sehr viel Schicksal in unseren eigenen Händen liegt. Vorsätze? Ich möchte gern noch mehr raus, neue Flecken sehen. Einige davon liegen fast direkt vor der Haustür, andere etwas weiter weg. Erste Flüge sind gebucht, erste Pläne geschmiedet. Die Welt entdecken, möglichst jeden Tag genießen und auf jeden Fall mindestens einmal am Tag etwas finden, über das man lachen kann.

Kategorien: I hope, I think, I know, Mixtape (uncategorized) | Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.