On tour: Steverauen

Wochenenden sind für Eseleien da, is klar. Und weil wir uns an solche Gesetzmäßigkeiten selbstverständlich halten, sind wir neulich mal ins nahliegende Münsterland gefahren, genauer gesagt nach Olfen zu den Steverauen. Die Stever ist ein Fluss, der zwischen Münster und Coesfeld entspringt und bei Haltern in die Lippe mündet. Insgesamt ist er knapp 60 Kilometer lang, also wirklich kein Fluss, den man unbedingt kennen muss. Man muss ihn auch nicht besuchen, aber: man verpasst was. Zumindest bei den renaturierten Steverauen. Früher war das Gebiet wohl landwirtschaftlich genutzt, heutzutage ist es ein Erholungsgebiet mit angelegten Wegen zum Spazierengehen. Und mit Tieren. Auf den scheinbar ewiggroßen Wiesen der Auen kann man einige tolle Tiere sehen. Zu allererst: Eeeeeeeeesel!

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Zottelige katalanische Riesenesel. Gar nicht schüchtern, mit flauschigen Nasen und am liebsten hätte ich für den restlichen Spaziergang einfach einen mitgenommen. Wenn es mit Alpakas klappt, warum nicht auch mit Eseln? Das wäre echt toll gewesen. Stand aber leider nicht zur Debatte, ein (Elektro-)Zaun trennt einen von den Eseln. Ist vermutlich auch besser so. Also konzentrierten wir uns direkt auf die nächsten Tiere – Heckrinder.

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Und dann auch mal auf den Weg. Es gibt einen markierten Spazierweg, ziemlich gut ausgeschildert und angenehm zu laufen. Und vor allem durch wirklich schöne Landschaften. Zwischen den Wiesen der Auen, zwischen Feldern, mit Möglichkeiten zur Rast und immer wieder mit neuen Tieren. Ich habe nicht genau auf die Uhr geachtet, wir haben zwischendurch auch mal Pausen gemacht (Hunger, Pipi, Durst!) und mussten ja immer wieder wegen der Tiere stehen bleiben. So zweieinhalb Stunden waren wir glaub ich unterwegs.

Richtiges Highlight: als wir es klappern hören und uns umdrehen. Sind das tatsächlich Störche? Ja, sind es. Die sieht man ja wirklich nur sehr selten. Und dann gleich zwei und so nah dran.

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Die Steverauen sind wirklich ein Traum an Natur. Und obwohl das Ruhrgebiet ja schon sehr grün ist, so war das noch eine Spur ländlicher. Und trotzdem keine 45 Minuten mit dem Auto von uns entfernt. Man soll auch noch viele weitere eher seltene Tiere dort sehen können, Eisvögel zum Beispiel, haben wir aber nicht. Nur noch welche, die sehr offensichtlich da rumstanden.

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Warum Konikpferde Konikpferde heißen, habe ich vergessen. Aber sie sehen ganz okay aus, so für Pferde. Man merkt schon: ich bin kein Wendy-Mädchen. Pferde sind mir schlichtweg nicht ganz geheuer, im ganzen zu unhandlich und ich kann nicht wirklich was mit ihnen anfangen. Diese sahen immerhin interessant aus.

Man kann auch eine Floßfahrt über die Stever machen und eigentlich hatten wir das auch vor. Allerdings hatten wir unterschätzt, wie viele andere das auch machen wollen. Also setzten wir den Weg weiter zu Fuß fort und werden das ein anderes Mal nachholen. Gar nicht so schlimm, da noch mal hinfahren zu müssen, so schön ist es da. Genau richtig für einen kleinen Wochend-Ausflug.

Zu guter Letzt:

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Zotteliges Eselbaby. Sehr tapsig, sehr fellig und sehr was fürs Herz. Das Gefühl der flauschigen Eselnase einfach mit in den Alltag nehmen. Tschüss ihr Esel, Rinder, Pferde, Rehe und Störche. Danke für den schönen Tag und bis bald mal.

 

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nice town

Nizza ist eine wirklich schöne Stadt, ich war selbst ein bisschen überrascht davon. Auf Bildern sehen die Häuser oft ein bisschen hingeklotzt aus und außerdem war ich fest davon überzeugt, dass in Nizza alles nur High Society ist. Ist ja aber gar nicht so. Die Häuser sind von Nahem sehr schön, in verschiedenen bunten Farben (meist Erd-, Gelb- und Rottöne) und verziert, die Menschen ziemlich normal und bunt gemischt. Natürlich kann man gerade am Hafen sehr viel Posh entdecken, aber im restlichen Straßenbild ist das nicht so.

Am schönsten ist ganz klar die Altstadt. Schmale Gassen, überall ein bisschen Trubel, viele kleine Geschäfte und Restaurants. Ein Fest für die Sinne. Überall der Geruch von Lavendel, frischem Fisch, Knoblauch, Honig und Gewürzen.

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Ich bin ja normalerweise wirklich kein großer Menschenfreund, aber dort in Nizza hat es mich nie gestört, wenn es mal voller war. Ich vermute, weil es trotzdem immer noch entspannt gewesen ist. Kein Stress, kein Rumgenörgel. Vielleicht ist es das Wetter, der Sonnenschein. Vielleicht fallen mir grummelige Leute auch einfach weniger auf, wenn ich im Urlaub bin. Kein Stress und Zeitdruck. Ist mir doch egal, wie lange das einkaufen dauert, trödele ja eh den ganzen Tag nur rum. Dafür sind Urlaube schließlich da. Zum rumtrödeln.

In Nizza kann man sehr gut viel Zeit vertrödeln, einfach ziellos durch die Altstadt schlendern, über den Markt gehen und sich die Hausfassaden anschauen. Sehr schön. Da kann man sich kaum satt sehen, so tolle Farben. In der Altstadt von Nizza weht übrigens immer ein leichter Wind, das ist sehr angenehm, gerade an heißen Sommertagen.

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Das „Bindeglied“ zwischen Alt- und Neustadt ist der Place Masséna, den wir während des Urlaubs häufig überquerten, weil er in der Nähe unserer Ferienwohnung und auf unserem Weg zum Strand lag. Brunnen, ein bisschen Kunst, ein sehr markantes Schachbrettmuster (was ihn zu einem beliebten Instagrammotiv macht), ein guter Treffpunkt und zu jeder Tages- und Nachtzeit belebt. Aber es gibt auch noch weitere Orte, die offenbar sehr beliebt und stärker bevölkert sind: die Promenade zum Beispiel, und noch weitere Plätze wie der Place Garibaldi.

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Der Brunnen auf dem Place Masséna war übrigens mal ein paar Jahre abgebaut, weil zu freizügig. Tja nun.

Nizza ist für mich eine Stadt, in die ich mal auswandern könnte. Das Wetter, die Farben, das frische Obst, Eiscreme für 2,50 Euro die Kugel. Und natürlich auch die Möglichkeit, einfach so mal eben schnell zum Strand und ins Meer zu gehen. Aber tatsächlich habe ich am meisten die Sommerabende genossen. Ich liebe diese Sommerabende, die nie kalt werden und an denen sich das Leben so leicht anfühlt. Die waren in Nizza einfach unbeschreiblich gut. Draußen sitzen und essen, Wein trinken, reden und lachen. Wie viel lebenswerter diese kleinen Dinge das Leben machen. Mehrmals hatte ich diesen „wie in Italien“-Gedanken – und die italienische Grenze ist ja auch nur ein paar Kilometer entfernt. La Dolce Vita. Wissen, wie man lebt, wie man genießt und glücklich ist. Das hat für mich in Nizza so gut funktioniert wie an kaum einem anderen Ort jemals zuvor.

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on tour: Katwijk

1 Tag, 1 Auto, 3 Frauen, 1 Ziel: das Meer. Vom Ruhrgebiet aus ist man schneller an der holländischen als an der deutschen Küste, also rauf auf die A2, dann die A3 und dann in Holland auf die A12 und einfach fast immer geradeaus, bis ans Meer. Morgens hin, abends zurück. Dazwischen: Zeit. Für Sand zwischen den Zehen und Zähnen. Für Picknick am Meer mit Möwenangriff. Für einmal Füße ins Wasser halten. Für Eiskaffee und Pommes Spezial. Für Sonnenbrand auf der Nase und Sonnenuntergang im Rückspiegel. Für holländische Supermärkte plündern und durch Dünen schlendern. Für gute Gespräche und viel Gelächter.

cof

Vermutlich wäre es egal gewesen, wenn wir woanders hingefahren wären. Irgendwo an den Kanal, oder ins Münsterland oder natürlich auch an die deutsche Küste. Aber mal wieder einen Tag raus sein war super, und diesen Tag in Holland und am Meer zu verbringen war doppelt super. Holland ist gut, weil man dort im Supermarkt einfach mal wieder tolle Dinge kaufen kann und weil ich so gerne holländisch höre und lese (und leider nur Brocken spreche) und natürlich auch wegen der Pommes Spezial. Das Meer ist super, weil es einfach das Meer ist. Am Meer sitzen ist immer gut. Es ist ja verrückt und ich weiß auch nicht, wie es das macht, aber am Meer sitzen beruhigt, es macht einen friedlich und ausgeglichen.

cofsdr

Vielleicht machen wir das nächstes Jahr wieder. Oder mal woanders hin. Einen Tag mal was anderes sehen und erleben gefällt mir immer gut. Selbst wenn es ein bisschen anstrengend ist – frühes Aufstehen und so – so bringt es einem doch auch immer wieder ein bisschen frische Energie. Mehr Meer, mehr Ausflüge, mehr Meer-Ausflüge.

cof

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1997

Neulich erinnerte mich ein Artikel bei Facebook daran, dass im Jahr 1997 ein paar wirklich tolle Alben auf den Markt kamen. Urban Hymnes von The Verve zum Beispiel. Die Be Here Now von Oasis. Tellin Stories von The Charlatans. Großartige Dinger.

1997. Da war ich 15, trug Schlaghosen aus Cord, Doc Martens, trank das erste Mal Alkohol, wohnte in einer Kleinstadt – direkt neben Bielefeld und doch ohne Führerschein und Auto quasi unerreichbar – und fing an, mich ernsthaft in Musik zu verlieben. Mit 15 verliebt sein ist nie ganz einfach. In Musik verliebt zu sein, die abseits vom Mainstream ist, ist dann aber wirklich sehr schwierig. 1997 gab es in dem Haushalt, in dem ich lebte, noch kein Internet, das kam erst etwas später und dann wurde streng überwacht, dass man nicht zu lange surfte, weil eine viertel Stunde tagsüber im Netz surfen etwa so teuer wie ein Kleinwagen war. Musikfernsehen war bei mir ebenfalls Fehlanzeige. Wir hatten ja nichts. Was also tun, wenn man 15 ist, abgeschieden und gefühlt ewig weit entfernt von der Großstadt wohnt und es nur zeitweise mal einen Plattenladen in der Stadt gibt?

Ich hatte so ein Glück. Denn ich wurde 1997 15 und meine Schwester wurde 18. Volljährig. Führerschein. Hallo Welt. Hallo Musikwelt. Noch größeres Glück hatte ich damit, dass sie es war, die mir diese Musikliebe überhaupt vorgestellt hatte. Sie nahm mich mit, sie brachte mir mit, sie lieh mir aus.

Was diese Musikliebe mit mir und meinem Leben machte? Folgendes:

  1. Ich gebe Geld für Musik aus. Hauptsächlich für Konzerte, aber auch für CDs und Schallplatten. Möchte ich ausrechnen, wie viel? Lieber nicht.
  2. Die Tonträger nehmen Platz weg. Erklärt sich von selbst, oder?
  3. Ich wirke gelegentlich wie ein kleiner Nerd, vor allem wenn ich auf meinen Musikgeschmack angesprochen werde.  Oder wenn jemand mitbekommt, dass ich auf ein Konzert oder Festival gehe und fragt, wer dort spielt. Meistens antworte ich eher ausweichend, weil ich im Regelfall folgende Reaktion erhalte: „Nie gehört, kenn ich nicht. Was ist denn das? Ist das so Rock?“ Und Musik ist irgendwie sehr schwer zu erklären. Vor allem, wenn man weiß, dass das Gegenüber auch vergleichbare Bands nicht kennt. Tjaja, so Gitarrenmusik. Dings.
  4. Ich ertrage deutsches Radio nicht und liebe das Internet und britische Radiosender. Hallelujah.
  5. Sätze wie „wir wollten mal was neues ausprobieren“ sind wie Folter für mich.
  6. In meiner Freizeit sortiere ich „Diverse“-Fächer in Plattenläden um und stelle Alben nach vorne, die meiner Meinung nach auf jeden Fall mehr Beachtung finden sollten.

20 Jahre später trage ich keine Cordschlaghosen mehr – weil ich keine mehr finde – und auch sonst hat sich einiges geändert. Das Internet macht es einfacher für mich, Musik zu hören und zu entdecken, außerdem kann ich mit der Ubahn zu Konzerten und Plattenläden fahren. Es ist also leichter für mich, Musik zu konsumieren, aber gleichzeitig fällt es mir schwerer, begeistert zu sein. Das habe ich hier ja auschon einige Male thematisiert, dass es mir schwer fällt, „neue“ Bands zu finden. 1997, da kaufte ich CDs ohne Ende, wir brannten sie uns gegenseitig, wir Raubkopierer. Noch heute stehen etliche CDs in meinem Regal, die aus diesem Jahr stammen. Und wir nahmen uns auch noch Kassetten auf. Mixtapes, die wir dann im Auto hörten, bis das Band leierte. 1997, Cordschlaghosen, Musik, Mixtapes. Wie könnte ich diese Zeit nicht doch auch ein bisschen vermissen. Zum Glück ist ein bisschen was von der Zeit ja hängengeblieben, im Ohr und im Herz.

Kategorien: me, myself & I | 7 Kommentare

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