Riga: Alles Fassade

Schon blöd: in Riga möchte man gerne die ganze Zeit Hans-Guck-In-Die-Luft-mäßig den Kopf in den Nacken legen und Häuser anschauen. Gleichzeitig ist allerdings das Kopfsteinpflaster unter einem an so vielen Stellen mit heimtückischen Stolperfallen versehen, dass man zumindest gelegentlich mal runterschauen sollte, wenn man nicht in irgendwelche Löcher treten möchte. Also obacht – und lieber mal zwischendurch stehen bleiben und eine Pause einlegen um auf Fassaden zu schauen.

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Im Kern der Altstadt findet man überwiegend Fassaden aus gotischer und romanischer Zeit, eine Mischung aus Backstein und üppig verzierten Häusern. Ein bisschen „typisch Hanse“ auf jeden Fall, häufigsehr aufwändig restauriert und ziemlich genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte.

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Nur ein paar Schritte aus dem Kern der Altstadt raus – und glücklicherweise zu unserem Hotel hin – kommt man dann in ein Viertel mit wirklich prachtvollen Jugendstilvillen. Da kann man dann auch mal gerne ein paar Minuten stehen bleiben und die Häuser bewundern. Man findet einfach ständig neue Details in den Verzierungen. Wahnsinn.

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Selbst wenn man auf den ersten Blick manchmal meint, dass die Häuser sich ähnlich sehen, so stellt man schnell fest, dass keins wirklich dem anderen gleicht. Jedes hat seine eigenen Verzierungen, Muster und Farben. Ich kann mir gut vorstellen, dass wahre Architektur-Fans nach einem Spaziergang dort in eine Papiertüte atmen müssen. Soweit gehe ich nicht, ich fand es einfach nur sehr beeindruckend und schön. Was einem natürlich auch klar sein muss: ein paar Kilometer raus aus der Innenstadt, in den Vororten, findet man solche Fassaden nicht. Wenn man Glück hat, dann findet man dort schöne Holzhäuser, ansonsten viel sozialistischen Plattenbau. Aber das ist ja auch in vielen anderen Städten so, nicht nur in Riga. Und es macht die schönen Fassaden auch nicht weniger schön. Es lohnt sich nicht nur, sich Riga von oben anzuschauen, sondern auch, von unten nach oben zu gucken. Manchmal findet man da richtige Schätze oder auch besondere Däche.

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Das Katzenhaus steht neben dem Haus der Gilde und wurde von einem Kaufmann gebaut, der dort nicht aufgenommen wurde. Ursprünglich zeigte wohl der Hintern der Katze Richtung Gilde, das wurde dann wohl aber geändert. Und für solche Geschichten mache ich so gerne Städtetrips und kleine Urlaube. Und wenn es dann noch so schöne Fassaden oben drauf gibt: umso besser.

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sweet 16

Eine Freundin von mir ist gerade im Urlaub im schwedischen Nichts – kaum Handyempfang, kein Internet, nur Natur. Nächstes Wochenende kommt sie nach insgesamt drei Wochen zurück, zurück in die Zivilisation.
Und diese Zivilisation? Die ist dann ohne Miriam Pielhau, dafür mit Pokémon, mit einem erneuten Terroranschlag und mit einem versuchten Militärputsch in der Türkei – und wer weiß, was in der kommenden Woche noch alles so passieren wird. Aktuell existieren diese Dinge in ihrer Welt nicht, zumindest gehe ich nicht davon aus, dass sie bisher davon wirklich weiß. Ein bisschen beneide ich sie darum, aber sie wird dann womöglich alles mit einem Schlag erfahren und da möchte ich dann auch nicht tauschen.

Hallo 2016, ich glaube, du bist kaputt…kann man da noch was reparieren? Umtauschen geht wohl nicht mehr, ich weiß auch gar nicht mehr, wo ich den Bon hingelegt habe.

Alle bekloppt. Eine Aussage, die 2016 so gut passt wie vielleicht nie zuvor. Zumindest in meinem Leben nie zuvor. Irgendwas war immer, wenn ich so zurückdenke, gab es kein Jahr, in dem nicht irgendwer durchdrehte und es irgendwo eskalierte oder man zumindest einen Grund zur Sorge fand. Aber jetzt fühlt es sich zumindest so an, als häuft es es. 2016, das Jahr in dem alle Promis starben und ständig irgendwo Anschläge oder Unruhen waren. Oder ist das nur ein Ablenkungsmanöver von Putin, damit wir nicht mehr über die Ukraine reden und darüber nachdenken, wem die Krim eigentlich „gehört“?

Wie schaffen wir es, jeden Tag zu überstehen, ohne durchzudrehen? Und wird 2017 noch schlimmer? Ich persönlich zwinge mich dazu, nicht ständig den Newsfeed zu aktualisieren. Handy weglegen, ein Buch lesen, Musik hören, dem Patenkind beim Großwerden zuschauen. Mit Freunden ein Bier trinken gehen. Über einen Urlaub im schwedischen Nichts nachdenken. Das Problem ist nur das Zurückkommen. Wenn man dann zum Smartphone greift oder den Fernseher für die Nachrichten anschaltet und schon fast Angst davor hat, weil man nicht weiß, was einen erwartet. Aber ich kann nicht mein Leben lang in einem schwedischen Wald sitzen. Es muss immer wieder gehen und es geht immer weiter. Irgendwie.

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wepkwmnidi – Teil 2

Was einem passieren kann, wenn man neu in Dortmund ist: eine Bombenentschärfung. Dortmunds Weltkriegsblindgänger haben bei Twitter sogar den eigenen Hashtag #DoBombe und außer in den Wintermonaten (da wird weniger gebaut) kann man den etwa wöchentlich lesen. Das Glück ist: häufig trifft es dann nur eine Handvoll Anwohner, eine halbe Straße wird gesperrt und nach einer Stunde ist alles vorbei. Ab und zu ist es dann doch etwas aufwändiger und seit die Stadtwerke ihr Gelände einmal auf links krempeln, kratzt auch meine Arbeitsstelle gerne haarscharf am Evakuierungsradius vorbei. Darauf ist übrigens Verlass: bei größeren Baustellen (DSW, Wilo usw) werden Blindgänger gefunden. Bisher musste ich noch nie meine Wohnung räumen – zweimal kam ich um etwa 200 Meter drum herum – aber gelegentlich muss ich schon auch Umwege wegen Straßensperrungen fahren oder mache etwas eher Feierabend, um noch nach Hause zu kommen. Und zweidrei Mal waren es dann doch so große Aktionen, dass sogar meine Oma anrief, weil sie es in den Nachrichten gehört hatte. „Musstest du auch deine Wohnung verlassen?“ „Du rufst auf meinem Festnetz an.“

Man entwickelt allerdings eine ziemliche Gelassenheit mit der Zeit. Wenn man nicht gerade in der Nachbarschaft einer Großbaustelle wohnt, dann ist man ja eh mit größerer Wahrscheinlichkeit nicht direkt betroffen. Die Stadt Dortmund versorgt einen bei Twitter und auf der Website auch immer ziemlich zügig mit einer Karte mit Evakuierungsradius und dann is immer noch eine Menge Zeit, um notfalls zu handeln. Meist dauert es von der ersten Meldung bis zur Entschärfung noch gute drei Stunden, oft sogar weit mehr, da könnte man also im Regelfall noch seine Lieblingsunterbuchse und die wichtigsten Dokumente von Zuhause retten oder zumindest das Auto für die ungestörte Heimfahrt umparken.

Bisher – mal aufs Holz geklopft – ist immer alles gut gegangen. Das passt ja recht gut zu meiner optimistischen Art, denn mal ehrlich: ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert, wenn die Entschärfung dann mal nicht klappt und so eine tonnenschwere Bombe hochgeht. Ich habe jedenfalls großes Vertrauen in das Team und den Sprengmeister. Gerne würde ich den ja übrigens mal fragen, ob er eine Versicherung gefunden hat, die mit ihm eine Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen wollte. Stell ich mir schwierig vor.

Wenn du also mal Dortmund bist und jemand von einer Bombenentschärfung spricht: ruhig bleiben, Tee trinken – oder noch besser ein kühles Bier. Irgendwann ist wieder Winter und Ruhe. Und nach dem Winter gibt es in Dortmund halt neben Krokussen und Vogelgezwitscher noch einen weiteren verlässlichen Frühlingsboten. #DoBome

 

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on tour: wandern im Ahrtal

Dieses Jahr klappt das mit den kleinen Auszeiten ganz gut. Nach dem Urlaub in Riga, dem Wochenende in Holland und dem Ausflug zur Weser ging es Mitte Juni noch zwei Tage zum Wandern ins Ahrtal.

Das Ahrtal ist eine Gegend, die ich selbst niemals aufm Schirm gehabt hätte, dabei ist sie vom Ruhrgebiet aus recht zügig zu erreichen. Grob gesagt: etwa 30 Kilometer hinter Bonn, gerade so in Rheinland Pfalz und von Dortmund aus mit dem Auto in gut anderthalb Stunden erreichbar. Zukünftig werde ich das also immer empfehlen, beziehungsweise es sicherlich auch noch mal anreisen – gut, dass aus der neunköpfigen Wandergruppe mindestens einer das Ahrtal vorgeschlagen hat und wir auch ziemlich schnell eine Unterkunft für uns alle gefunden hatten. Glück hatten wir auch noch mit dem ganzen Regen, nur zwei Wochen vor dem Wanderwochenende waren Teile der Gegend überflutet, man sah auch immer noch Schäden, aber es war soweit wieder alles trocken und begehbar. Gutes Timing.

Unsere Pension lag in Altenahr, ein kleiner Ort, der gefühlt nur aus Pensionen und Gastronomie besteht. Und eine Burg gibt es auch noch. Und direkt an dieser Burg ist auch der Einstieg zum Rotweinwanderweg, den wir am ersten Tag für etwa 20 Kilometer entlangwanderten. IMAG3313

Wenn man so offizielle Wanderwege läuft, dann muss man schon mal nicht so viel beachten, denn im Regelfall ist die Beschilderung ausgezeichnet, da braucht man kein großartiges Kartenmaterial mitnehmen. Mich als Laienwanderer freut das, denn ich schleppe sowieso immer ausreichend andere Dinge mit. Obwohl ich versuche, mein Gepäck so schmal wie möglich zu halten, der Rücken dankt es einem. An diesem Wochenende konnte man folgendes in meinem Rucksack finden: Sonnencreme (die wurde sogar benutzt), Regenhose und -jacke (die wurden leider auch benutzt), eine Trinkflasche mit Wasser, ein bisschen Proviant (Apfel und Müsliriegel), mein Portemonnaie, Sonnenbrille, Blasenpflaster, Antiallergikum und ein Mikrofaserhandtuch. Das Handtuch war das einzige, was nicht gebraucht wurde, das Wetter war dann doch deutlich besser als ich dachte. Ich wandere ja noch nicht wirklich lange und auch nicht sehr regelmäßig – und auch meine Campingerfahrung beschränken sich auf das eine Festivalwochenende im Jahr. Trotzdem bin ich mittlerweile recht gut mit ein paar praktischen Dingen ausgestattet. Meine Regenjacke lässt sich als kleinen Beutel zusammenwurschteln und das Mikrofaserhandtuch war eh jeden Euro wert – das ist innerhalb einer halben Stunde wieder trocken und dabei auch noch klein und platzsparend.

Alles im Rucksack verstaut und den Blick gelegentlich mal nach der Beschilderung schweifen lassen – da ist dann immer noch genug Möglichkeit, die Landschaft zu bestaunen. Und Landschaft ist ja etwas, was mich durchaus begeistern kann. Das hätte ich vor zehn Jahren auch nicht gedacht.

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Der Rotweinwanderweg ist ein echt schöner Weg, der sich auch ziemlich gut laufen lässt. Auch untrainierte Menschen sollten da wenige Probleme bekommen, denn selbst die An- und Abstiege sind nicht allzu steil und können gut bewältigt werden. Ich jedenfalls hatte in keinem Moment ein „Ich kann nicht mehr“-Gefühl und hätte uns dann nicht noch ein Schauer zu einer unfreiwilligen Pause gezwungen, dann wären wir möglicherweise auch noch weiter gelaufen. So ging es „nur“ von Altenahr nach Ahrweiler und dort nach einem Abendessen mit dem Zug wieder zurück. Auf unserem Weg – viele Weinberge, Ausblicke auf Felder, kleine Ortschaften, die Ahr und andere Berge und auch gelegentlich ein bisschen schroffe Schieferfelsen.

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Am zweiten Tag merkt man dann schon den ein oder anderen Kilometer in den Waden und die Rückfahrt nach Hause stand auch noch an, also war von vornherein eine etwas noch kürzere Strecke geplant. Von Walporzheim bis nach Bad Neuenahr ging es den Ahrsteig entlang und dieses Mal ignorierten wir sogar eine Wegsperrung wegen Überschwemmung. Womöglich wurde auch einfach vergessen, die Sperrung wieder aufzuheben, denn wir kamen alle trockenen Fußes dort durch.

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Diese Etappe des Ahrsteigs war enorm abwechslungsreich, führte uns durch Wald, über Brücken, durch Ortschaften, an Weinbergen entlang, gelegentlich über nur recht schmale Wege und durchaus auch mal ganz schön ansteigend. Aber wir hatten unseren Rhythmus gefunden, es waren insgesamt ja auch nur ungefähr 13 Kilometer. Eine kleine Pause machten wir an der Lourdes-Kapelle, da kann man wirklich mal anhalten und auch reingehen.

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Was noch auffällt, ist, dass der Weg wirklich fast liebevoll für Wanderer gestaltet ist. Regelmäßig könnte man auf neuen und sehr bequem aussehenden Bänken Rast machen und auch mitten im Wald findet man noch ein paar Details, die einen kurz verweilen lassen. Man ist ja schließlich nicht auf der Flucht.

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Wandern ist toll. Es ist anstrengend, aber so auf eine glücklichmachende Weise. Es entschleunigt, macht den Kopf frei. Die Lungen sind voller Sauerstoff und der ganze Körper nimmt die Umgebung wahr. Der Geruch des Waldes, das Vogelzwitschern, das Plätschern von Bächen, die Wärme, die die Felsen manchmal abstrahlen. Ich laufe einfach auch sehr gerne so durch die Gegend und es gibt wirklich eine Menge toller Landschaften, die gar nicht weit weg sind.

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