Festivalsommer 2016: Haldern Pop

Seit 15 Jahren (mit einer Ausnahme) verbringe ich ein langes Wochenende am Niederrhein, genauer gesagt im beschaulichen Dorf Haldern. Dort wo die Linden rauschen findet jährlich das Haldern Pop Festival statt und ich bin dabei. Ich habe dort unzählige tolle Bands gesehen und entdeckt und außerdem liebe ich die Atmosphäre dort. Es ist entspannt, nicht allzu überlaufen, es gibt saubere sanitäre Anlagen, eine schöne kulinarische Auswahl – und natürlich auch viel gute Musik.

Ich hatte musikalisch so mittelmäßig hohe Erwartungen. Dieses Jahr hatte ich es geschafft, vorher in alle Bands zumindest kurz reinzuhören. Dabei entstand schon mal eine Liste mit Favoriten, die nicht so kurz war. Zumindest war sie länger als ich beim Durchsehen der Ankündigungen erst dachte, denn die meisten Bands sagten mir da noch überhaupt nichts. Und das ist gleichzeitig der Reiz und das „Problem“ des Festivals: man muss sich doch einiges erarbeiten, sich selbst ein bisschen öffnen und sich auch mal an was neueres heranwagen. Aber mir persönlich – und ich weiß, dass es auch etlichen anderen so geht – fehlen mittlerweile halt die bekannten Bands, die einem schon monatelang im Voraus ein Vorfreudekribbeln bereiten. Zudem finde ich es leider etwas nervig, dass die Macher vom Haldern Pop gefühlt nur noch Bands einladen, die schon mal da waren.

Aber: meckern auf recht hohem Niveau, denn es war auch dieses Jahr wieder ziemlich gut und ich hatte das Gefühl, dass die Atmosphäre dieses Mal sogar noch netter war als in den vergangenen Jahren. Aber das sind natürlich gefühlte Werte. So wie es sicherlich auch Leute gab, die bei den Vorankündigungen euphorisch ausgerastet sind. So ist das halt. Im ganzen aber eine ziemlich schöne Mischung aus Entschleunigung, Bier, Freunde, Musik und Matsch.

Matsch gab es witterungsbedingt eine Menge, aber nach so vielen Jahren gibt es ja auch eine recht anständige Ausrüstung gegen Regen und für ein möglichst komfortables Campen. Damit es allerdings nicht allzu langweilig wird, habe ich zwischendurch noch meinen Autoschlüssel IM Auto verloren. Dadurch verpasste ich leider The Strypes – glücklicherweise habe ich die ja schon mal gesehen. Schlüssel tauchen irgendwann mal wieder auf, folgende Bands habe ich zum Glück nicht verpasst: Giant Rooks, den Anfang von Damien Rice, Ben Caplan & The Casual Smokers, Die Nerven, Drangsal, Algiers, Michael Kiwanuka, St. Paul & The Broken Bones, Wintergatan, Yak und Ebbot Lundberg (die letzten beiden vom Biergarten vorm Spiegelzelt über die Leinwand).

Wieder vorbei, eins der schönsten Wochenenden des Jahres. Denn das ist es für mich unbestritten, auch wenn ich immer gerne an den Bands und dem Zeitplan rumnörgele und zelten auch nicht zu meinen größten Hobbies zählt. Aber es sind tolle Tage, an denen man irgendwie die Zeit vergisst, obwohl Zeit doch so immens wichtig ist, wenn man pünktlich zu seinen Lieblingsbands an der passenden Bühne stehen möchte. Meine liebsten Auftritte kamen in diesem Jahr übrigens von St. Paul & The Broken Bones, Michael Kiwanuka, Wintergatan, Giant Rooks (aus Hamm), Algiers und Ben Caplan. Und von der Handvoll Sternschnuppen, die wir am nächtlichen Himmel sehen konnten.

Was nächstes Jahr sein wird bleibt abzuwarten. Jetzt konzentriere ich mich schon mal auf das nächste Festival, das Way Back When in Dortmund – wieder viel gute Musik und dafür mein eigenes Bett. Festivalvorfreude.

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Pottspot: Halde Hoheward

Neulich war endlich mal wieder ein bisschen Zeit für einen Ruhrpottausflug. ENDLICH! Zu Beginn meiner Zeit hier habe ich sehr viele Ausflüge unternommen, um die Gegend besser kennenzulernen. Das ist aber in letzter Zeit ein bisschen eingeschlafen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als es mal wieder klappte, mit Zeit, Motivation und ein bisschen sogar mit dem Wetter.

Auf der Halde Hoheward war ich sogar schon mal, Ende 2009, da habe ich noch nicht mal hier gewohnt. Es war die erste Halde, auf der ich jemals war und ich habe erst später erfahren, dass es dort im angelegten Landschaftspark noch weitere Sehenswürdigkeiten gibt. Ansonsten ist die für Halden typische Landmarke, die man oben findet, mit Sicherheit eine der bekanntesten, das Observatorium mit den zwei Bögen sieht man nämlich sogar von der A2 aus, wenn man Richtung Oberhausen unterwegs ist.

Das Observatorium kannte ich schon, dieses Mal wollte ich aber noch mehr sehen: die Drachenbrücke. Von der kannte ich nur Bilder und Erzählungen, aber wenn man schon mal da ist, dann kann man die sich ja auch mal in Echt anschauen. Man muss sie nur finden, die Beschilderung ist auf der Halde manchmal etwas mager. Und direkte, kurze Wege gibt es auch nicht so sonderlich viele, dafür viele Serpentinen, die man erst hoch und dann wieder runter laufen muss. Und dann natürlich später wieder noch weiter hoch, wenn man noch nach ganz oben möchte. Aber: wir hatten ja Zeit und ein bisschen laufen ist ja nie verkehrt.
Zuerst also die Brücke, die find ich ziemlich cool, aber nur für sie würde ich nicht unbedingt da hinfahren. Da ist es schon ganz gut, dass es dort noch mehr gibt. Es ist aber auch schon wirklich ein beeindruckender Anblick, wenn man so auf die Brücke zuläuft. 

Der ziemlich graue Himmel passte in diesem Augenblick sogar ziemlich gut dazu, schöner dramatischer Effekt. Möglicherweise würde blauer Himmel auch sehr gut passen, dazu muss ich dann aber mal wiederkommen.
Dann aber nach oben. Da gibt es entweder eine sehr lange Treppe oder halt wieder Serpentinen. Da wir für den Rückweg zur Treppe schon hätten Serpentinen laufen müssen, haben wir uns dann direkt für den Serpentinenaufstieg entschieden. Da kann man ja gelegentlich auch querfeldein ein bisschen abkürzen.

Oben auf der Halde: eine Sonnenuhr, das Horizont-Observatorium und sehr viel Platz. Und natürlich eine Menge Ausblick, wie das auf Halden so üblich ist. Da kann man dann sitzen, ein bisschen rätseln, was man da am Horizont wohl sieht – was bei so wolkenverhangenem Himmel noch schwieriger ist. Das Riesenrad der Cranger Kirmes (quasi nebenan) war einfach, der Tetraeder in Bottrop schon schwieriger zu erkennen.

Was mir an Halden neben der Aussicht so gut gefällt: die Natur. Alles wächst ein bisschen wild, viele Blumen, ein bisschen wie bei einer wilden Wiese. 

Das ist schon fast ein bisschen überraschend, wenn man bedenkt, dass Halden ja eigentlich nicht viel mehr sind als zugeschüttete Mülldeponien und Bergbauschlacke. Aber gerade die Schlacke soll ja sehr fruchtbar sein. Ich find so ein bisschen wilde Natur gut, wenn nicht alles so geplant wächst und man auch mal ein paar Disteln oder so sieht. Wenn ich nicht gerade zufällig reinfasse, finde ich Disteln nämlich richtig toll.

Fassen wir zusammen: Natur, Bewegung, ein paar Dinge zum Angucken, viel Platz und ein toller Ausblick. Ich bin so froh, dass ich es mal wieder auf eine Halde geschafft habe. 

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wepkwmnidi – Teil 3

Es gibt noch etwas, woran ich mich gewöhnen musste, als ich ins Ruhrgebiet zog: die Verbindung zwischen den Städten.

Damit meine ich zum einen die Autobahnen. Klar, Autobahnen so grundsätzlich kannte ich vorher auch schon, allen voran die A2. Aber im Ruhrgebiet gibt es so zahlreiche Autobahnen, dass ich gelegentlich schon etwas länger nachdenken muss, welche wohin führt. Was ich am Anfang besonders kurios fand: wenn ich zum Beispiel Freunde oder die Schwiegereltern in der Nachbarstadt Castrop-Rauxel besuche, dann fahre ich über sage und schreibe drei verschiedene Autobahnen (A 40, A 45 und A 42) und das für eine Strecke, für die ich mit viel Glück nachts nur etwa zwanzig Minuten brauche. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, man nutzt halt die Autobahn. Manchmal ist man sogar schneller, meist nicht so richtig. Über das Wort Ruhrschnellweg (A 40) können die meisten wohl nur müde lächeln. Auffällig ist übrigens, dass nachts dort viele Autofahrer sogar an den Stellen, an denen man 120 fahren darf, nur höchstens 100 km/h fahren. Vermutlich können die gar nicht schnell fahren.

Was noch etwas neu für mich war, obwohl ich natürlich schon davon gehört hatte: die Städte gehen tatsächlich nahtlos ineinander über, zumindest an einigen Stellen. Das merkt man vor allem dann, wenn man die Autobahn verlässt. Um einen Stau zu umfahren, bietet sich das ja gelegentlich doch an. Wobei auch direkt an der Autobahn die Städte an einigen Stellen verschmelzen, da muss man nur mal an der A 40 etwas weiter westlich fahren. Ansonsten ist es halt wirklich so, dass man durch eine Wohnsiedlung fährt und wenn man einmal abbiegt ist man zum Beispiel nicht mehr in Dortmund, sondern mit einem Mal in Bochum. Gut, dass es keine Grenzübergänge mit Passkontrollen gibt. Es ist auch ganz normal, dass man für manche Dinge die Stadt verlässt. Kino in Bochum, Sport in Holzwickede, das sind alles keine weiten Wege.

Fast sechs Jahre wohne ich jetzt im Ruhrgebiet, da gewöhnt man sich natürlich auch an solche Dinge. Sogar an die Zuflussregelung an der Autobahnauffahrt, die mir bei meinem ersten Arbeitgeber regelmäßig auf den Keks ging. Grundsätzlich bin ich sehr froh, dass ich nicht täglich pendeln muss, sondern nur ab und an mal Auto fahre. Immerhin verfahre ich mich nicht mehr ganz so häufig wie früher und das liegt nicht nur daran, dass ich mir irgendwann mal ein Navigationssystem gegönnt habe.

Was einem also passieren kann, wenn man neu in Dortmund ist? Überall Autobahnen (gerne mit Staus) und von einer Stadt kannste in die nächste fallen. Aber wie das so ist: da gewöhnze dich dran!

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#Alltagsliebe

Fernseher an, Smartphone in der Hand, die Titelseiten der Zeitungen anne Bude, der Infoscreen am Bahnhof: überall beschissene Nachrichten. Terror, Bombendrohungen, Krieg, Amoklauf, Geiselnahme, Selbstmord, rechtsradikale Spinner, islamistische IS-Spinner, alle bekloppt. Manches weit weg, manches direkt vor der Haustür der eigenen kleinen Welt. Nach einigen Tagen mit täglichen Schreckensmeldungen saß ich neulich abends auf dem Sofa – es war an diesem Tag noch nichts für die Presse erwähneswert Furchtbares passiert – und ich traute mich nicht, das Handy in die Hand zu nehmen. Also aß ich enorm leckere Fächerkartoffeln mit Gurkensalat, hörte Musik und dachte an den schönen Abend am Tag zuvor, den ich mit Frau Frauke und ihrem Hund Mina am Kanal verbracht hatte. Und dann dachte ich an Alltagsliebe, die uns irgendwie abhanden kommt, die an manchen Tagen kaum eine Chance hat, sich gegen all die schlechten Nachrichten, die wie eine Flut über einen einstürzen.

Mulke sieht das übrigens auch so und rief letzte Woche dazu auf, den Fokus auch wieder auf die kleinen schönen Dinge zu lenken. Die Dinge, wegen denen man gerne da ist, die einem wieder Mut machen können. Die, wegen denen man weitermacht. Oder an manchen Tagen überhaupt aufsteht. Und das sind oft keine riesigen, dramatischen Dinge, sondern eigentlich Kleinigkeiten. Zum Beispiel wenn man an der Kasse vorgelassen wird oder jemand in der U-Bahn Platz für einen macht. Wenn man beim Sport endlich eine Übung schafft oder wenn man eine Nachricht bekommt, ob man noch spontan Zeit für ein Feierabendbier hat.

Was mir im Alltag besonders viel bedeutet und ihn für mich wertvoll macht: Zeit mit Familie und Freunden verbringen, die Kinder von Freunden aufwachsen sehen, Mina zerzotteln.

Nach Hause kommen und zu wissen, dass es dort schön ist, friedlich und ich mich entspannen kann. Und das ist es, meine Wohnung ist mein safe place, dort fühle ich mich einfach rundum sicher und wohl. Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird: ich liebe meinen Alltag und ich habe unglaubliches Glück mit Familie, Freunden und allem drumherum. Ich mag meine Arbeit, ich habe nette Menschen um mich herum, bin frei und weitgehend ohne große Sorgen. Und es ist Zeit und Geld da, um es in Kaffee und Ausflüge zu investieren.
Natürlich habe ich auch schlechte Zeiten, miese Laune, Probleme und Ängste. Aber ich weiß auch, dass ich vergleichsweise unbekümmert durchs Leben laufe und darüber bin ich sehr dankbar. Jeden Tag achte ich jetzt noch ein bisschen mehr auf die Alltagsliebe. Und alles ist schöner.

Kategorien: I hope, I think, I know | 2 Kommentare

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