Rant des Monats: Blogs/social media

Ich blogge seit Juni 2006, zuerst über myblog.de und dann hier. 2006 bloggen, das bedeutete: einfach losschreiben, frei von der Leber weg. Bilder im Kopf, von den Fingern in die Tasten getippt, einfach nur Geschichten, auf den eigenen Teller und über den Rand geschaut. Das Leben damals mit den ersten Blogs und myspace und studivz und ohne Filter und Farbkonzept. Und ohne den Wunsch, damit Geld zu verdienen oder sonstigen wirklichen Fame abzugreifen.

Es hat sich so viel geändert. Kein Blog mehr ohne stundenlang bearbeitete Hochglanz-Fotostrecke. Oder Ratschläge für ein vermeintlich besseres Leben. On top einige neue soziale Netzwerke für noch mehr narzissistische Selbstdarstellung. Dazu kommen immer mehr rechtliche Einschränkungen. Mal das Impressum, mal das Einbetten von Videos, jetzt die neuen Richtlinien in Bezug auf die DSGVO.

Es hat sich geändert und seit etwa zwei Jahren hadere ich mit mir und diesem Blog. Die Zeiten haben sich geändert, ok. Daran widerum kann ich nichts ändern. Es ist halt aber einfach nicht mehr meine Welt. Ich vermisse die alte Zeit. Kein Konzept, keine Marke, keine Strategie, keine Werbepartner, keine Optimierung, kein Seo, kein Perfektionismus. Ich weiß, ich muss das nicht mitleben, tu ich ja auch nicht. Aber das drumherum ist eben auch nicht mehr das Gleiche. Es fühlt sich nicht mehr so gut an.

Es ist nicht so, als hätte ich keine Geschichten mehr für euch. Ich habe euch noch nicht die Lissaboner Streetart gezeigt. Ich habe meinen Rant über Pizzaboden aus Blumenkohl noch nicht veröffentlicht. Ich habe euch noch nicht gezeigt, wie ich die Macarons besiegt habe und nicht von meiner Fortbildung erzählt oder auch wie ich neulich zwischen 250 besoffenen Junggesellinnenabschieden zum ersten Mal im Leben öffentlich Karaoke gesungen habe (zigazig ahh).

12 Jahre, unzählige Texte (über 800 hier, zusammen vermutlich über 1000), Gedanken und Buchstaben. Ich habe zauberhafte Menschen kennengelernt – das ist eigentlich das schönste daran -, viele Sachen probieren dürfen und Dinge gemacht, die ich sonst vielleicht nicht erlebt hätte. Ich habe zahlreiche Blogs kommen und gehen sehen. Und ich werde es definitiv vermissen. Ich werde das Aufschreiben vermissen und dafür vielleicht eine andere Lösung finden müssen.

Aber diese ganze Blogwelt macht mir einfach keinen Spaß mehr. Und deshalb höre ich auf. Wie gesagt, ich hadere schon lange damit und habe mir die Entscheidung wahrlich nicht leicht gemacht. Aber irgendwann war es einfach genug. Ich glaube, es war der Tag als ich las, dass es einen Workshop gibt, wo man Hilfe zur „richtigen“ Nutzung von Instagram erhalten kann. Ich weiß, Instagram ist nicht bloggen. Aber trotzdem. Alter. Ernsthaft? Richtige Nutzung? Macht ihr mal ruhig, aber ohne mich. Mir ist das alles zu kommerziell, zu durchgestylt und zu diktiert geworden. Ich bekomme mit, wie Blogger sich aufreiben um immer ihrer Leserschaft zu gefallen. Und bloß immer betonen, wie viel Arbeit das ja ist. Es kotzt mich an. Es tut mir weh, aber ich bin raus.

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Bom Dia, Lisboa – Eat & Greet

Ich möchte gar nicht erst lange schön von Lissaboner bzw. portugiesischen Spezialitäten berichten und dann später die schockierende Nachricht raushauen, deshalb direkt am Anfang: die vorletzte Nacht in Lissabon habe ich hauptsächlich im Bad verbracht und habe mir die Seele aus dem Leib gereihert. Und am Tag vor der Abreise habe ich mich daher auch nur von einer Handvoll Salzstangen und Cola ernährt. Dabei war das Essen am Abend besonders gut und lecker gewesen – aber irgendwas war wohl nicht ganz in Ordnung. So war es, so ist es, ich möchte es nicht leugnen. Trotzdem war Lissabon eine leckere Reise mit einigen kulinarischen Highlights.

In Portugal isst man sehr viel Fisch, meistens Bacalhau (Stockfisch), den man entweder in Krokettenform oder frisch gegrillt bekommt. Kroketten sind da übrigens auch so ein Ding, das kennt man ja auch aus einigen Tapas-Restaurants: man kann ja nahezu alles in Krokettenform pressen, frittieren und essen. Auf dem Bild oben links ist ebenfalls Fisch, das war aber Thunfisch in Sesammantel, dazu ein Risotto. Auf dem rechten Bild ein Salat mit irgendeinem gezupften Fleisch (ich weiß aber nicht mehr was), Röstzwiebeln und Cole Slaw. Beides war sehr sehr lecker und preislich in Ordnung. Richtig spottbillig ist Portugal nicht, aber die Gastronomiepreise lagen schon unter dem, was wir in Deutschland für vergleichbares Essen bezahlt hätten.

Natürlich haben wir auch in der Markthalle gegessen, das ist für mich ein absolutes Muss. Wenn es irgendwo eine Markthalle gibt, dann esse ich dort auch was. Im Mercado da Ribeira stehen in der Mitte zahlreiche Tische und Stühle und an außen reiht sich Imbiss-Stand an Imbiss-Stand. Man kann sich dort einmal um den halben Erdball essen, es ist nur nicht ganz einfach, dort einen Platz zu ergattern. Wir hatten irgendwann Glück und fanden dann auch noch einen Platz direkt neben einer weiteren kleinen Bar. Blieben wir also nach dem Essen noch ein bisschen sitzen und tranken das hiesige Bier. Achtung, Flachwitz: das macht einfach…

cof

(Asche auf mein Haupt, für diesen flachen Witz).

Jetzt aber natürlich zum wichtigsten kulinarischen Punkt der Reise: den Pasteis de Nata. Kleine Törtchen aus Blätterteig mit einer sahnigen Puddingfüllung. So! Lecker! Das Original kommt aus Belém, aber kaufen kann man sie im Grunde an jeder Ecke. Als wir in Belém waren, haben wir uns trotzdem den Spaß gegönnt und waren in der Ursprungsbäckerei, wo man übrigens auch in die Backstube schauen kann. Allein dafür lohnt es sich. Aber auch ohne den Einblick. Die Törtchen sind einfach ein Traum.

cof

Allerdings ging es mir dann etwa 12 Stunden später ziemlich schlecht. Ich bin mir zwar sicher, dass nicht die Pasteis Schuld daran waren, trotzdem brauchte es ungefähr zwei Wochen, bis ich mich wieder in freudiger Verzückung an diese Törtchen zurückerinnern konnte. Bis dahin drehte sich beim bloßen Gedanken daran schon mein Magen um.

Was es sonst noch so auf dem Teller gab? Vom Fisch hatte ich schon berichtet, Hähnchen Piri Piri, aber auch ganz simples Brot mit Oliven und so leckerem Ziegenkäse. Die portugiesischen Salzstangen möchte ich natürlich nicht unterschlagen, die waren auch ganz zauberhaft. Möchte ich nächstes Mal aber trotzdem gerne drauf verzichten. Dafür fordere ich eine Pasteis de Nata-Bäckerei in Dortmund! The world needs nata!

love yourself

Da schwappt aktuell ein neues Thema wie eine Welle durch das Internet und die sozialen Netzwerke. Ich habe überlegt, ob ich auch meinen Senf dazu abgebe und da das Thema meiner Meinung nach wichtig ist, habe ich mich dafür entschlossen.

Fing es mit dem Film Embrace – Du bist schön an, oder schon eher? Ist im Grunde egal. Fakt ist: es wird gesprochen, diskutiert, berichtet. Und zwar über Körpergefühl, Schönheit, Schönheitsideale, die Gesellschaft, Ängste, vermeintliche Makel, bodyshaming, Selbstakzeptanz. Und wirklich jede und jeder kann etwas dazu sagen, weil wir alle irgendwie betroffen sind.

Ich selbst bin ein Mensch, an dem eine Menge abperlt. Ich weiß nicht, ob meine Eltern bzw. meine Familie mich bewusst so erzogen haben oder ob es einfach mein Gemüt ist. Im Grunde ist es mir jedenfalls egal, was die meisten Leute über mich denken. Meistens zumindest, es gibt auch Tage, wo mich ein kritischer Blick oder ein Lachen schon völlig aus dem Konzept bringt und mir den Tag ruiniert. Aber im Grunde ist es mir meistens wirklich egal. Das ist übrigens auch nicht immer einfach, aber im Großen und Ganzen fahre ich ganz gut damit. Natürlich kenne auch ich verletzende Kommentare. Entweder habe ich sie selbst über mich oder auch über andere Personen hören müssen. Vermeintliches Getuschel oder einfach direkt ins Gesicht. Und da bin ich dann wirklich gelegentlich überrascht, auf was so manche Leute alles achten und worüber sie sich auslassen: dicke Bäuche, lange Zehen, weiße Beine, zu große oder kleine Brüste, dünne Haare und so weiter. Die Leute, die sich übrigens laut über Burkas beschweren und ein Verbot derer einfordern, die lästern übrigens im Regelfall auch am lautesten über vermeintlich „falsche“ Kleidung, wie (zu) kurze Röcke, (zu) jugendliche Kleidung für ältere Menschen, die ja bewiesenermaßen nur beige tragen dürfen und darüber, dass die Frau mit den dicken Armen doch bitte möglichst langärmlig herumlaufen sollte. Was widerum dazu führt, dass sich etliche Menschen bei Temperaturen deutlich über 25 Grad in Jeans, geschlossene Schuhe und langärmlige, einfarbige, kartoffelsackähnliche Kleidung verhüllen. Und den Sommer hassen. Die Zeit, in der man sich frei und glücklich fühlen und über die Haut möglichst viel Vitamin D aufnehmen sollte. Weil nämlich nicht jeder Mensch über diese Teflon-Funktion verfügt und viele viele Leute sich zu Herzen nehmen, was sie so hören.

Ich bin froh, weil ich mit mir selbst ziemlich im Reinen bin. Habe ich den perfekten Körper? Ganz bestimmt nicht. Fände ich was zum rummäkeln? Aber hallo! Hab ich Bock drauf, an mir rumzumäkeln? Nö. Ganz klare Kiste. Wenn ich meinen Körper verfluche, dann an den Tagen, wo er mich mit Migräne oder Nackenverspannungen aus der Hölle quält oder wo meine Haut verrückt spielt. Aber doch nicht wegen krummer Beine, blauer Flecken auf weißen Beinen oder meiner Bierplauze. Da fällt mir doch anderes ein, was ich mit meiner Zeit machen kann. Ich find mich ganz schön ok und ich sehe meinen Körper nicht als Kunstwerk, an dem ich ständig rummodellieren muss. Er ist doch eher ein Gerüst, das mich durch die Welt trägt. Ich mag ihn, ich mag mich und zu dieser Selbstliebe gehört auch, dass ich mich selbst pflege. Ich gebe ihm (meistens) gute Nahrung, ich mache regelmäßig Sport, aber ich lege mich auch hin und schlafe, wenn ich erschöpft bin und verlange nicht, dass der Körper immer funktioniert. Und ich trage die Kleidung, die mir gefällt. Vor allem in der Freizeit. Frei.Zeit. Und gerade beim Sport, mir doch egal, ob die Hose einen dicken Hintern macht oder bei den SitUps durch enganliegende Tops der Bauchspeck faltig wird. Ich werde keine langen Hosen und weite Shirts tragen, damit andere Menschen ihren Seelenfrieden finden. Und wenn ich im Rentenalter beige tragen sollte, dann nur falls mir die Farbe bis dahin gefällt.

Ich bin erschüttert. Ganz ehrlich. Zum einen über die Menschen, die unter Menschen und deren Ansichten leiden müssen. Gerade wenn man beruflich möglicherweise einer Kleidungsordnung unterlegen ist, dann sollte man privat herumlaufen dürfen wie man mag. Und zum anderen machen die Leute, die immer und immer wieder solche verletzenden Kommentare raushauen, mich ständig fassungslos. Als ob es nichts wichtigeres gäbe.

Meine Meinung: nicht die Menschen, die sich vermeintlich unpassend kleiden, sind das Problem. Sondern die Menschen, die das als vermeintlich unpassend ansehen und entsprechend kommentieren. Love yourself und es ist doch völlig egal, wie alle anderen aussehen.

our night out: Love A (27.04.2018, Gebäude 9, Köln)

Ich bin ja ein Britpop-Mädchen, oder meinetwegen ein Indiepop-Mädchen, das ist kein Geheimnis. Doch gelegentlich gönne ich mir kleine Ausflüge über den musikalischen Tellerrand. Und dann höre ich zum Beispiel Love A, deutschen Punk. Die Mitglieder von Love A kommen aus Trier, Köln und Wuppertal und es gibt die Band seit 2010. Ich habe sie seit letztem Jahr auf meinem persönlichen Musikradar, seit ich das erste Mal Weder noch vom aktuellen Album Nichts ist neu hörte.

Jede Zeile war so passend, triggerte mich und meine Wut auf manche Menschen. Und es gibt Momente, da finde ich es richtig, wütend zu sein. Ich bin sogar der Meinung, in der aktuellen Zeit und Gesellschaft ist es wichtig und richtiger wütend anstatt ängstlich oder besorgt zu sein.

Vor einigen Monaten wurde ein Konzerttermin für Love A am 28. April im Gebäude 9 bestätigt, das Konzert war aber so schnell ausverkauft, dass wir keine Karten mehr ergattern konnten. Glücklicherweise wurde aufgrund der hohen Nachfrage noch ein Zusatztermin ermöglicht, also fuhren wir dann am Freitag nach Köln. Das Gebäude 9 ist einer meiner liebsten Konzertorte, und das obwohl der Raum lang und schmal ist (was für Menschen meiner Körpergröße eher nachteilig ist, besonders wenn man es nicht in die vorderen Reihen schafft.) Gute Sicht ist aber nicht alles, ich mag die Atmosphäre dort einfach sehr gern.

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Vorband waren übrigens Illegale Farben aus Köln, die ich eigentlich bis dahin nicht kannte, aber trotzdem irgendwie das Gefühl hatte, sie schon mal gesehen oder gehört zu haben. Entweder habe ich sie schon mal irgendwo gesehen und vergessen oder sie sind einfach nur extrem eingängig. Gefallen haben sie mir auf jeden Fall, und das sage ich ja nun wahrlich nicht über jeden Support-Act. Besonders im Kopf geblieben ist mir ihre neue Single Angst ist die Mutter der schlechtesten Ideen. Sag ich ja.

Love A. Laut, warm, schnell. Ein perfektes Konzert um Bier zu trinken – schade, dass ich mich freiwillig als Fahrerin gemeldet hatte. Leider war das Wetter so schön, dass wir bis zum letzten Moment draußen standen, so dass wir während des Konzerts relativ weit hinten stehen mussten. Von der Sauerstoffversorgung her gesehen war das kein schlechter Platz, aber dafür war dann die Sicht halt nicht so super. Halb so wild, der Stimmung hat das keinen Abbruch gemacht.

Leider war das Konzert eher kurz, um 23 Uhr startete dort nämlich der Partybetrieb. Also gab es einen recht zügigen Rundumschlag durch die vorhandenen Alben. Inklusive Zugabe und inklusive einiger Zwischenansagen. Immerhin haben wir es in der kurzen Zeit auf 22 Songs geschafft, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass wir durch das Set hetzen. Sympathische Band, die Chemie zwischen Publikum und Band stimmte einfach, die Atmosphäre im Gebäude 9 passte perfekt dazu und so war es ein rundum gelungener Konzertabend. Laut. Dreckig. Schnell. Muss es halt auch mal sein.

Jetzt nur wieder das Dilemma: alle sollten Love A hören. Aber bitte tut das nicht, dann werden sie groß und berühmt und gewinnen noch den Echo. Ach nee, den nicht. Aber dann spielen sie irgendwann nicht mehr zwei Abende im Gebäude 9, sondern sind im Palladium, werden im Radio hoch und runter gespielt und dann ist der ganze Charme vorbei. Wie man es macht, ist es verkehrt. Hört auf euer Herz und hört Love A und kauft ihre Musik und geht auf Konzerte. Immer.

Bom Dia, Lisboa – Touriziele

Jede (größere) Stadt hat ihre Touristen-Magnete. Die Orte, die jeder Reiseführer und jedes Pinterest-Board vorschlägt und die man mit direkt mit dem Namen der Stadt verbindet. Und natürlich fahre ich dann auch mal vorbei, wenn ich schon da bin und schau mir das dann an. In Brüssel war ich am Atomium, in Trier bin ich an der Porta Nigra vorbeigelaufen und hab es für eine schäbige Mauer gehalten, in London am Big Ben.

Und in Lissabon? Die Stadt ist zum Beispiel berühmt für ihre alten, museumsreifen Straßenbahnen „Electrico“, am bekanntesten ist die Nummer 28, die eine kleine Stadtrundfahrt macht. Daher ist sie bei Touristen sehr beliebt, bei Taschendieben wohl allerdings ebenso. Wir sind tatsächlich auch einmal ein Stück mit ihr gefahren und dann noch ein zweites Mal mit einer anderen Linie. Das ist schon ein bisschen abenteuerlich und sehr erstaunlich, wie die Bahnen sich durch die kleinen und vor allem steilen Gassen quälen. Überraschenderweise schaffen sie das trotzdem immer.

cof

Mit dieser Tram kann man zum Beispiel bis zu einem der Miradouros fahren, die zahlreichen Aussichtspunkte mit Mini-Parks in Lissabon. Die Stadt ist auf mehrere Hügel gebaut, von oben hat man immer einen tollen Ausblick. Der höchstgelegende ist der Miradouro da Senhora do Monte, persönlich noch fast viel besser hat mir der Blick allerdings vom Miradouro da Graca gefallen. Hier hat man zum Beispiel einen super Blick auf das Castelo de Sao Jorge – direkt ein weiterer Touristenmagnet.

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Ein weiterer ganz anderer Miradouro ist übrigens die Aussichtsplattform vom Elevador de Santa Justa, einem Fahrstuhl, der zwei Stadtteile miteinander verbindet. Auch von dort hat man einen traumhaften Ausblick und ist dabei noch mitten in der Stadt. Ob man sich die Fahrt damit dann wirklich gönnt, sei jedem selbst überlassen. Das ist jetzt meiner Meinung nach nicht etwas, was man unbedingt erlebt haben muss.

Viel besser gefallen hat mir die Christo Rei-Statue auf der anderen Seite des Tejo, und einen tollen Ausblick gibt es da auch noch dazu. Wir sind mit dem Linienbus über die Hängebrücke, die „kleine Schwester der Golden Gate-Bridge“ gefahren, alleine dafür lohnt sich der Ausflug schon. Dann ein kleiner Spaziergang und schon ist man an der Statue. Nebenan ist ein Kloster, über Lautsprecher werden sakrale Gesänge verbreitet an der Statue selbst ist auch eine Kapelle, so richtig besinnlich ist das da aber alles nicht. Dafür laufen da viel zu viele Menschen herum. Und es gibt einen großen etwas gruseligen Souvenir-Shop, der einen mit Heiligenfiguren förmlich überflutet. Ein schöner Ort ist es trotzdem im Ganzen, absolut lohnenswert und beeindruckend.

cofZurück sind wir dann übrigens mit der Fähre gefahren und haben damit dann auch glaube ich jedes öffentliche Verkehrsmittel (außer Tuk Tuk) in Lissabon genutzt. Nach Belém sind wir mit einer Art Regionalexpress gefahren, ein Zug entlang des Tejo-Ufers, und natürlich haben wir da Pasteis del Nata gegessen. Davon aber demnächst mehr. In Belém haben wir uns nämlich auch noch ein paar Sehenswürdigkeiten angeschaut. Zunächst das für mich etwas fragwürdige Entdecker-Denkmal Padrao dos Descobrimentos.

cof

Von dort aus kann man wunderbar zur Brücke und zur Christo-Statue schauen. Rein von der Optik her ist das ein wirklich cooles und beeindruckendes Denkmal, es zeigt verschiedene portugiesische Entdecker, Könige, Seefahrer, Missionare und Naturwissenschaftler der Vergangenheit. Auf dem Boden davor eine Seerose und eine Weltkarte mit den ehemaligen portugiesischen Kolonien. Und da wird es dann ja etwas fragwürdig. Ein Denkmal für die eigene Kolonialgeschichte? Ist das wirklich etwas, worauf man so stolz sein sollte? Für mich bekommt sowas dann doch einen faden Beigeschmack, trotzdem kann man nicht leugnen, dass es ein imposantes Denkmal ist. Außerdem liegt es auf dem Weg zum Torre de Belém.

cof

Der einst als Leuchtturm gebaute Turm gehört zum Weltkulturerbe und ist wohl mit das bekannteste Wahrzeichen von Lissabon. Entsprechend lang war die Schlange, daher haben wir gerne auf eine Besichtigung verzichtet und stattdessen lieber davor auf einer Mauer die Sonne genossen. Das ist dann richtig Urlaubsgefühl, auch während einer Städtereise. Ein bisschen am Wasser sitzen ist ja immer gut, selbst wenn man sich den Platz mit anderen Touristen teilen muss.

Es gibt noch weitere sehr schöne Sehenswürdigkeiten und auch schöne eher unbekanntere Orte in Lissabon. Die LX Factory kann ich jedem ans Herz legen und natürlich auch die Markthalle. Am meisten fühlen kann man die Stadt aber außerhalb der Hotspots, wenn man sich einfach nur durch die Straßen treiben lässt. Und das kann man in Lissabon ziemlich gut. Zeig ich euch demnächst noch weiter, dann gibt es Kacheln und Streetart oder sogar beides.

Rant des Monats: Deutscher Radiopop

Möglicherweise erwähnte ich es schon: mein Leben ist schöner, seit ich Zuhause ein internetfähiges Radio benutze und mir morgens die Zeit in Bad und Küche mit einem Sender vertreibe, die Musik spielt, die mir gefällt.

Viel schlimmer ist es, wenn ich mal das „normale“ Radio anschalte. In NRW geht es einem mit dem WDR wahrscheinlich noch vergleichsweise gut, aber im Grunde frage ich mich häufig, warum es überhaupt verschiedene Sender gibt, wenn doch auf allen ungefähr die gleiche Grütze läuft. Grob gesagt finde ich fast alles davon scheiße, aber speziell deutscher Radiopop lässt mein Gehirn schmelzen. Diese Melange aus Revolverheld, Andreas Bourani, Lea, Johannes Oerding, Silbermond, Mark Forster und Konsorten. Irgendwie klingt alles gleich. Alles gleich furchtbar. Belangloser Heul-Pop. Und die Texte! Dass die sich nicht die ganze Zeit schämen…Kleine Kostproben gefällig? Bitte sehr:

Ich würde meine Lieblingsplatten
Sofort für dich verbrennen
Und wenn es für dich wichtig ist
Bis nach Barcelona trampen

(Revolverheld)

Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Platten für jemand anderen verbrennen? Warum nicht gleich Bücher? Und das mit Barcelona hinterlässt auch eher nur Fragezeichen in meinem Kopf.

Es gibt nichts, was mich hält, Au Revoir

Vergesst, wer ich war
Vergesst meinen Nam‘

(Mark Forster)

Hauptsache es reimt sich, scheiß auf Silben. Das meiste nuschelt man sich ja eh so weg.

Lieber Wolke vier mit dir als unten wieder ganz allein

(Philipp Dittberner & Marv)

Der traurigste Satz aller Zeiten.

Ich könnte jetzt hier noch sehr sehr viele Beispiele anbringen, das sprengt aber den Rahmen. Was ich aber noch hinzufügen möchte: ich habe für diesen Rant sehr viele Songtexte gelesen. Wirklich viele. Denn häufig verstehe ich akustisch gar nicht so richtig, was da im Radio gesungen wird. Bei Jupiter Jones „Stille“ verstehe ich zum Beispiel immer „Als Stille bei uns wohnte anstatt Bier“ und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Als Stille bei uns wohnte anstatt dir. Wer ist denn dieser Stille und warum ist er ausgezogen? Und hat er Bier dagelassen? Wie auch immer: ich habe mich durch Songtexte von Revolverbourani und Max Forster gequält, alles die gleiche Scheiße. Und wenn man das liest, dann fällt einem noch mehr auf, wie wenig Text die Lieder eigentlich haben. Strophe 1, Refrain, Strophe 2, Refrain, Refrain, Refrain. Fertig. Dazwischen möglichst viel langweilige Alltagsbanalitäten. Liebeskummer verkauft sich gut, das war schon immer so. Ist ja auch ok, schnell mal drei Zeilen zusammenschustern,  intelligente Wortspiele möglichst weg lassen, scheiß aufs Versmaß und natürlich kann man da auf wahr reimen, hört ja eh niemand hin. Am Ende weiß auch keiner mehr so richtig, von wem eigentlich noch mal welches Lied ist, weil alles gleich klingt. Ich kenne jedenfalls niemanden, der die ganzen Sänger ernsthaft auseinanderhalten kann.

Das alles mag ja irgendwie noch aushaltbar sein, wenn dann nicht auf jedem Radiosender exakt diese gleiche Brühe dieses vorhersehbar-langweiligen Blümchenpops liefe. Unterbrochen von Ed Sheeran. Es wirkt fast so, als würden Radio-DJs nur eine begrenzte Anzahl von Musik spielen dürfen. Was mich dann noch mehr ärgert, ist dass bei den Sendungen am Abend, wo dann vermeintlich „ausgefallenere“ Sachen angeboten werden, der gleiche Bums wie tagsüber läuft. Da fällt mir einfach nichts mehr zu ein. Radio hören langweilt mich. Lass ich es also sein. Aber dann singen Kettcar für mich.

…wenn du das Radio ausmachst, wird die Scheißmusik auch nicht besser.

our night out: Noel Gallagher’s High Flying Birds (09.04.2018, Mitsubishi Electric Halle Düsseldorf)

Fast neun Jahre ist es jetzt her, dass Oasis sich endgültig auflösten und die beiden Gallagher-Brüder seitdem ihr eigenes Ding machen. Liam zunächst mit Beady Eye und aktuell ja nur unter seinem Namen und Noel mit seinen High Flying Birds. Mittlerweile habe ich das Hoffen auf eine Reunion aufgegeben und sehe es eher so, dass es musikalisch und menschlich für beide besser ist, getrennte Wege zu gehen. Und auch ich sahne ja im Grunde doppelt ab, schließlich veröffentlichen beide regelmäßig neue Alben und gehen auf Tour. Ziemlich genau drei Jahre nach seinem letzten Besuch in Düsseldorf kam Noel Gallagher also zurück in die Mitsubishi Electric Halle (die Konzerthalle mit dem möglicherweise sperrigsten Namen aller Zeiten).

Während sich die Halle füllt, traue ich mich kaum, meinen Blick umherschweifen zu lassen. Ich weiß, wir sind in Düsseldorf. Aber statt früher Trainingsjacken und Parkas sehe ich Jackets, Rollkragenpullover und sogar eine Steppweste. Natürlich nicht nur, aber irgendwie ist es halt anders. Gesetzter. Ruhiger. Da sind noch vereinzelt Engländer unter den Zuschauern, aber sogar die wirken vergleichsweise gesittet. Früher, ach früher. Da lag eine knisternde Vorfreude in der Luft, da wurde vorm Konzert schon gesungen, man stand gemeinsam in dieser einzigartigen Atmosphäre und fühlte sich unbesiegbar und für immer jung.

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Und jetzt? Höflicher Applaus, wenige Zwischenrufe, nicht ein geworfener Bierbecher. Die geworfenen Bierbecher vermisse ich nun nicht ernsthaft, aber irgendwas war mir an diesem Abend zu glatt. Alles so ein bisschen mit dem Stempel „gepflegter Altherrenrock“. Und das anzunehmen tut ein bisschen weh. Das Konzert ist wirklich gut, aber nach solchen Halbsätzen kommt immer ein aber. Die Band, Noel, das Publikum. Vor allem das Publikum. Noel spricht wenig mit uns, aber bekommt dann auch nur wenig Reaktion darauf. Der Funke springt einfach nicht so richtig. Nur einmal habe ich das Gefühl, dass es ernsthaft eine Verbindung zwischen Noel und dem Publikum gibt, nämlich als er ein Schild mit einem Songwunsch entdeckt und er mit der Frau spricht. Er erfüllt ihr den Wunsch nicht, aber er bricht zumindest einmal aus seiner einstudiert wirkenden Show aus und widmet ihr den nächsten Song „if I had a gun“.

Die Setlist führt uns einmal quer durch fast alle Werke. Alte Oasis-Songs, ein paar ältere High Flying Birds-Lieder und auch Songs von der ganz aktuellen Platte. Natürlich auch „she taught me how to fly“ mit der Live Schere. Bei den Oasis-Liedern wird am meisten mitgesungen, ansonsten wirkt die Stimmung auf mich wirklich und leider ziemlich „flach“. Als das offizielle Set beendet ist, ist der Applaus so verhalten, dass ich befürchte, dass die Band nicht mehr zurückkommen wird. Kommt sie aber doch, gehört ja wohl so zum geplanten Ablauf, der nun mal eingehalten wird.

Möglicherweise muss ich mich damit abfinden und endlich akzeptieren, dass die Zeit sich ändert, und mit ihr die Musik. Weiterentwicklung und so. Möglicherweise bekomme ich bei Liam im Juli ja noch ein bisschen alte Gallagher-Attitüde. Und wenn nicht, dann weiß ich wenigstens, dass ich es miterlebt habe. Ein bisschen ratlos bleibe ich dennoch, ich kann mich einfach nicht entscheiden, wie mir das Konzert wirklich gefallen hat. Ich möchte so gerne im Brustton der Überzeugung „es war gut“ sagen. Bei anderen Künstlern wäre es ein tolles Konzert gewesen, bei Noel Gallagher sind meine Ansprüche höher. Bisher zumindest. Mich ärgert das selbst ein bisschen. Vielleicht brauche ich einfach noch ein bisschen, um das zu verarbeiten und darüber nachzudenken. Über heute und früher und Attitüde und Publikum. Ach. Früher.

And don’t look back in anger. I heard you say.