gegenüber

Gegenüber steht ein Altersheim, damit kann man ganz gut leben. Mir jedenfalls ist das lieber als ein Haus voller Studenten-Party-WGs, aber grundsätzlich stehen die Häuser soweit voneinander entfernt, dass man sowieso eher wenig mitbekommt. Gelegentlich erreicht man zeitgleich den Bürgersteig und ich sage dann immer artig “Guten Tag” und spaziere weiter.

An einem Sonntag, als ich auf dem Weg zum Bäcker war, kam eine Frau aus dem Altersheim heraus, die auf mich einen recht rüstigen Eindruck machte. Ich erinnere mich, dass mir kurz der Gedanke kam, dass sie ja vielleicht selbst gar nicht dort wohnt, sondern nur zu Besuch dort war, als sie mich ansprach.

Frau: “Entschuldigen Sie bitte?!”
Ich: “Ja?”
Frau: “Ist heute Montag?”
Ich: “Nein, es ist Sonntag”
Frau: “Ganz sicher?”
Ich: “Ja, doch. Ja, es ist Sonntag!”
Frau: “Es läuten ja auch gerade die Kirchenglocken…”
Ich: “Genau.”
Frau: “Ich dachte, es wäre Montag. Das ist mir ja noch nie passiert.”

Schweigen.
Was sagt man da? Irgendwas tröstendes? “Halb so wild”? Oder gar nichts? Glücklicherweise drehte sich die Frau einfach um ging wieder zurück und ich lief weiter Richtung Bäckerei. Ich dachte über unser Gespräch nach. Hoffentlich ist nicht doch schon Montag und ich habe einfach irgendwie die Zeit verbummelt? Aber dann hätten sich sicherlich schon Kollegen gemeldet. Und die Kirchenglocken! Ich bin froh, dass es noch so was Beständiges gibt wie das Läuten der Kirchenglocken. Da kann man sich drauf verlassen.
Dann dachte ich an meine Oma, die mir hoher Wahrscheinlichkeit so ziemlich niemals sagen kann, was für einen Wochentag wir gerade haben.
Und dann dachte ich daran, was für eine Angst ich manchmal davor habe, alt zu werden. Und doch hoffe ich, dass ich es werde.

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ein Bild, viele Möglichkeiten

Ich versuche ja immer möglichst mit offenen Augen durch die Gegend zu laufen. Und manchmal entdeckt man dabei die kuriosesten Dinge.

Heute sah ich etwas, da fielen mir direkt mehrere Möglichkeiten ein, wie es dazu gekommen sein könnte.

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Ja, ihr seht richtig: eine Bank, die mit zwei panierten Fischfilets dekoriert wurde. Warum?

1. Ist ja Karneval. Die Bank geht als Backfisch.

2. “Hallo Bank, kannst du mal gerade halten, bin gleich wieder da…”

3. Die Marketingkampagne “Dortmund überrascht. Dich.” eskaliert ein bisschen. Obwohl es ja so auch funktioniert.

4. Freitags gibt es nun mal Fisch. Mutti hat ihrem Teenagerjungen, der dort heute Abend mit seinen Freunden abhängen wird, schon mal das Abendessen hingelegt.

5. Hat noch einer Zweifel an der Beklopptheit der Menschen?

Guten Appetit!

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Freundschaft

Neulich habe ich einen Text über Freundschaft gelesen und darüber länger etwas ungläubig den Kopf geschüttelt. Dann habe ich mitbekommen, dass viele Menschen die Ansichten des Textes teilen und habe noch länger den Kopf geschüttelt.

Und dann habe ich nachgedacht. Warum ist das bei mir nicht so? Ich habe nämlich in den letzten Jahren noch ziemlich gute Freundschaften geschlossen. Ich habe da eine Weile drüber nachgedacht und versucht, mal meine Gedanken zu sortieren.

– schon zur Schulzeit hatte ich einen eher kleinen Freundeskreis, auf den ich mich aber verlassen konnte. Natürlich haben wir eine Menge miteinander erlebt. Liebeskummer, Alkoholexzesse und so weiter. Ja, wir haben beieinander übernachtet – in einer Kleinstadt ohne Führerschein bleibt einem gar nicht viel anderes übrig. Mittlerweile habe ich weniger Kontakt zu diesen Freundinnen, aber er besteht, zumindest teilweise, und ich möchte diese Freundschaften auch niemals missen.

– als ich nach Dortmund gezogen bin, blieb mir gar nicht viel anderes übrig, als neue Freunde zu suchen. Natürlich hatte er hier einen Feundeskreis, der mich auch herzlich aufgenommen hat – und die ich mittlerweile auch ohne groß darüber nachzudenken zu meinen Freunden dazu zähle – aber ich wollte auch unbedingt “eigene” Freunde finden. Und ich habe sie gefunden. Nicht nach einer Woche, aber immerhin. Wir haben uns alle ungefähr zeitgleich kennengelernt und so ist ein neuer wunderbarer Freundeskreis gewachsen. Und tatsächlich wissen diese neuen Freundinnen, die mich noch gar nicht so lange kennen, manchmal mehr über mich als Leute, die ich schon ewig kenne. Und wenn sich eine von ihnen melden würde oder jetzt in diesem Augenblick an meiner Tür klingelt und Hilfe braucht, dann wäre ich ohne Zögern da und würde sie reinlassen, ihnen zuhören und ihnen ein Essen kochen. Und natürlich würde ich mir auch gemeinsam mit ihnen die Zähne putzen und mir auch mit ihnen ein Bett teilen. Davon abgesehen, dass wir auch heute über Jungs kichern und gelegentlich Blödsinn mit Schnaps anstellen.

– ich steh ja grundsätzlich nicht so extrem auf Menschen, vermutlich war ich deswegen auch immer glücklicher mit einem kleinen Freundeskreis, der aber wirklich zu mir passt als mit einer Horde Menschen, die ich kaum ertragen kann. Dabei nervt mich hauptsächlich Oberflächlichkeit und Alltagsegoismus. Hauptsache, es geht einem selbst gut. Ich kann einfach nicht wirklich mit Leuten befreundet sein, die keinen Blick über ihren eigenen Tellerrand schaffen. Wenn ich dann allerdings solche Freunde gefunden habe, dann liebe ich sie nahezu bedingungslos.

– ich stehe total auf Verbindlichkeit. Wenn ich eine Einladung erhalte, dann sage ich zu oder ab. Bemerke aber immer wieder, dass viele Mitmenschen sich bis zum letzten Moment gerne alles offen halten. Vielleicht kommt ja noch was besseres. Wenn man das mal auf Freundschaft ummünzt, kann ich nachvollziehen, warum sich einige Menschen schwer damit tun, neue Freundschaften zu knüpfen. Übrigens: gute Freunde verstehen auch, wenn man mal kurzfristig absagen muss, zum Beispiel weil man einfach zu müde ist. Das kann im Leben mal vorkommen.

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(ganz frisch von Freunden geschenkt bekommen, wie passend!)

– tatsächlich habe ich heutzutage mehr Freunde als noch zur Schulzeit. Wie gesagt, richtige Freunde. Während der Schulzeit war ich eher eine Außenseiterin, schon damals waren mir Dinge wie Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Emanzipation und Naturschutz wichtig. Den meisten Mitschülern eher nicht so. Als ich dann mit der Schule fertig war und wenig später mit wehenden Fahnen die Kleinstadt verließ, musste ich feststellen, dass ich gar nicht so der Außenseiter bin (sondern vielmehr meine Mitschüler zu großen Teilen aus oberflächlichen und enorm beschränkten Menschlein bestanden…würde mich auch nicht wundern, wenn die heute fast alle AFD wählen, oder gar nichts), sondern es noch einige andere Leute gibt, die so wie ich denken und handeln. Das wurden dann meine Freunde. Und die sind jetzt nicht nur auf den kleinen Radius der Schule beschränkt, sondern leben in ganz Deutschland verteilt. Es ist also völlig normal, dass man sich nicht mehr so häufig sieht. Der Kontakt ist trotzdem da und man freut sich dann umso mehr, wenn man sich trifft.

– stehen sich manche Leute vielleicht einfach selbst etwas im Weg, wenn es darum geht, neue Freundschaften zu knüpfen? Oder ist es eher ein Fall von falschen Erwartungen? Man ist ja älter geworden, die eigenen Interessen verändern sich – aber die der Leute, die man neu kennen lernt, doch auch. Ich glaube, keiner in meinem Alter besteht noch darauf, seine Freunde täglich sehen zu müssen.
Wie auch immer: ich freue mich über all meine Freunde, egal, wie lange ich sie schon kenne. Das kann man denen übrigens gelegentlich auch mal sagen und zeigen, das schadet nicht.
Ich habe ein paar Freunde im Laufe des Lebens verloren, das tut mir leid, aber ich schätze, dass das zum Leben auch dazu gehört.

Freunde sind die Familie, die man sich selbst aussucht.

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monthly music (Januar 2016)

Besuchte Konzerte
leider noch nichts

Vorfreude – gekaufte Konzertkarten
The View, Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen und das Ticket für das Way Back When 2016.

Neue Tonträger braucht das Land
Leider auch nichts. Das neue David Bowie-Album Blackstar  habe ich mir angehört, aber gekauft nicht. In den gemeinsamen Haushalt fand dann noch “Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen” von DLDGG (s. gekaufte Konzertkarten) den Einzug, welches ich unterwegs im Auto hörte. Großartiges Ding. Das neue Suede-Album “Night Thoughts” gefällt mir richtig gut, werde ich noch kaufen!

Ich hoffe wirklich, dass 2016 noch viel gute Musik hervorbringt! Travis bringen mal wieder ein neues Album heraus, da darf ich mal wieder hoffen.

Heavy Rotation
Da hilft mir mein guter alter last.fm-Account weiter: die meistgespielte Band im Januar war Kettcar, das meistgespielte Lied allerdings “Space Oddity” von David Bowie.Da ist nicht zuletzt auch der Film “Das erstaunliche Leben des Walter Mitty” dran schuld, da das Lied dort eine wichtige Rolle einnimmt.

Newcomer
Razz, die Empfehlung einer Freundin. Irgendwie klingelte es bei mir, als sie die Band empfahl, ich muss den Namen irgendwo vorher schon mal aufgeschnappt haben. Reingehört hatte ich allerdings bis dahin noch nicht – lohnt sich aber!

Und sonst so?
David Bowie ist gestorben – nicht als einziger dieser Tage, ich weiß, aber sein Tod berührte mich deutlich mehr als die anderen. Irgendwie hatte ich immer noch die kleine Hoffnung, ihn mal live erleben zu dürfen. Ich habe es nicht geschafft. Jetzt habe ich endgültig keinen Namen mehr auf meiner Must-See-Liste. Ich frage mich, ob jemals wieder so ein großer Künstler nachkommen wird und ich habe Angst vor der Antwort.
The stars look very different today.

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