nice nice very nice

Im Spätherbst und Winter nutze ich die Zeit gerne, um mir Gedanken über den Sommerurlaub des anstehenden Jahres zu machen. Es sollte möglichst immer ein Ziel sein, welches er und ich noch nicht kennen. Dann schaue ich immer auch gern, was man über die Flughäfen Düsseldorf oder Dortmund erreichen kann und außerdem sollte es nach Dänemark und Schottland wieder gerne ein richtig sommerlicher Sommerurlaub werden. So mit Hitze und Sommersprossen sammeln und jeden Tag im Meer schwimmen. Oder zumindest fast jeden. Den Vitamin D-Speicher einmal bis zum Anschlag füllen und keine Regenjacke in den Koffer packen.

Zunächst liebäugelte ich ein wenig mit Montenegro, und schaute schon mal, wo man da am einfachsten unterkommen könnte, als der Liebste auf einmal Nizza vorschlug und damit alles über den Haufen warf. Nizza? Das können wir uns doch gar nicht leisten! Schnell stellten wir fest: können wir doch, ist nämlich deutlich günstiger als gedacht. Die Flüge waren sehr günstig, ein kleines Appartement, das sowohl preislich als auch von der Lage überzeugen konnte, war auch schnell gefunden. Da können dann auch die Lebenshaltungskosten vor Ort ein bisschen höher ausfallen. Ich vermute mal stark, dass ein Eis in Südfrankreich mehr kostet als in Montenegro. Genaueres zu den Eispreisen erzähl ich euch demnächst mal. Ich schaute mir Nizza und die Côte d’Azur im Internet an und war direkt begeistert. Also buchen. Ferienwohnung statt Hotel ist mir übrigens lieber, auch wenn man sich dann selbst um ein paar Dinge mehr kümmern muss. Aber ich habe einfach gerne einen richtigen Rückzugsort und frühstücke im Schlafanzug aufm Balkon. Dafür nehme ich auch in Kauf, dass ich mich selbst um die Lebensmittel und deren Zubereitung kümmere. Aber ehrlich mal: gibt es was tolleres, als in einem anderen Land in einen Supermarkt zu gehen? Kaum.

Die Reisevorbereitungen in diesem Jahr bestanden hauptsächlich aus Bikini in den Koffer packen, die App der nizzeanischen öffentlichen Vekehrsmittel herunterzuladen und ein paar Antworten auf Vorurteile finden, die mir gelegentlich entgegengeworfen wurden, sobald ich erwähnte, wo ich meinen Sommerurlaub verbringe. Vielleicht bemühe ich mich demnächst noch mal, mit all den Leuten zu sprechen und mit ihnen meine Erfahrungen zu teilen.

  1.  Du fährst nach Nizza? Da werden doch Leute überfahren! … Ja, stimmt. Ich bin aber auch schon in London, Paris, Kopenhagen, New York und Berlin gewesen, nachdem es dort Terroranschläge gab. Ich werde weiterhin auf Weihnachtsmärkte gehen, in Fußballstadien usw. Ich werde in nächster Zeit keinen Urlaub in Afghanistan planen, aber nur weil ein paar Bekloppte in der Welt rumlaufen, werde ich keine Angst haben, aus dem Haus zu gehen und mir die Welt anzuschauen.
  2. Du fährst nach Nizza? Das ist doch total teuer! … siehe oben. Geht so. Natürlich kann man da auch Unterkünfte für 1000 Euro die Nacht buchen. Muss man aber nicht.
  3. Du fährst an die Côte d’Azur? Da liegen doch nur Supermodels am Strand! … Stimmt nur fast. Also tatsächlich habe ich noch nie zuvor im Urlaub soviele „schöne“ Menschen gesehen. Es gab aber Menschen jeder Hautfarbe, jeder Körpergröße und jeder Gewichtsklasse. Also stimmt diese Aussage zum einen nicht so ganz und zum anderen: I don’t give a fuck.
  4. Du fährst nach Frankreich? Da gibt es doch nur so gruselige öffentliche Toiletten ohne Kloschüssel! … Das ist mir tatsächlich selbst eingefallen, zwei Tage vor der Abreise. Glücklicherweise schwitzt man aber einfach sehr viel, wenn es nie unter 25 Grad Celsius sind (und das dann nachts um 4 Uhr) und außerdem hatte ich Glück: alle Toiletten, die ich besucht habe, entsprachen meinem Standard. 
  5. Du fährst nach Frankreich? Die sind da alle total unfreundlich, hassen Deutsche und niemand spricht englisch! … Nein, stimmt nicht. Alle waren ausnahmslos freundlich, offen, herzlich und hilfsbereit. Wie man es in den Wald ruft, so schallt es hinaus. Außerdem spreche ich ganz passabel französisch und komme klar. Und haltet euch fest: nahezu alle Menschen dort sprechen auch einigermaßen gut englisch. Zumindest für so Touristenbelange konnten wir uns immer verständigen. Ich will ja mit den Leuten nicht über Raketenphysik oder den Klimawandel diskutieren, sondern fragen, wohin der Bus fährt und ob ich zu meinem Einkauf noch ein Baguette bekommen kann.

Noch mal eben zu Nizza direkt: das ist eine tolle, lebendige und junge Stadt. Ich hatte die ganze Zeit den Eindruck, dass man sich sehr bemüht, die Stadt so lebenswert wie möglich zu machen. Nizza soll „grün“ werden, bzw. ist da schon wirklich sehr weit. So viele Stromtankstellen auf so kleinem Raum habe ich zuvor nie wahr genommen. Außerdem kann man sich sehr günstig Räder leihen, die Straßenbahnlinien werden ausgebaut und die Preise für öffentliche Verkehrsmittel sind ein Traum. Was mir noch sehr positiv aufgefallen ist: die Promenade du Paillon, ein Park mit Spielgeräten, einer riesigen Fläche mit Wasserfontänen für Kinder und freiem Trinkwasser für alle.

In den nächsten Wochen werde ich euch Nizza ein wenig näher vorstellen, euch die Stadt zeigen, natürlich auch übers Essen berichten, wie es ist, in einer türkisen Badewanne zu schwimmen oder Nizza von oben herab zu betrachten und was man in der Umgebung noch so erleben kann.

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Glücklich ist, wer wie Odysseus eine schöne Reise gemacht hat.

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Pottspot: Mitternachtsführung im Dortmunder Zoo

Ich mag den Zoo! Grundsätzlich. Den Dortmunder Zoo auch und da war ich auch schon einige Male. Ich freue mich auch darüber, dass man hier momentan einige Gehege umbaut und vergrößert- auch wenn es bedeutet, dass einige Tiere derzeit „ausgelagert“ worden sind. Bei meinem letzten Besuch habe ich aber sowieso nicht erwartet, alle Tiere zu sehen, denn ich war nachts da. Genauer gesagt: zur Mitternachtsführung.

Führungen am Abend werden regelmäßig angeboten, die um Mitternacht aber – wenn ich das richtig verstanden habe – nur einmal im Jahr. Um 23:30 Uhr geht es los, die rund 120 wartenden Leute bekamen alle ein Knicklicht fürs Handgelenk und wurden dann noch mal in drei oder vier kleinere Gruppen aufgeteilt. Unser Guide sammelte uns dann hinterm Eingang noch mal, erzählte, was uns so erwarten wird und dann gingen wir los. Im Dunkeln. Stockfinster ist es im Zoo nicht, da brennen schon noch einige Lampen, aber man braucht schon eine Weile, um die Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen.

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Wie man sieht: ich habe keine Kamera für nächtliche Aufnahmen. Und selbst wenn, dann hätte ich wohl dazu ein Stativ aufbauen müssen und dafür ist während so einer Führung einfach keine Zeit. Und das ist ja auch nicht der Sinn dabei. Da soll man sich auf die Tiere konzentrieren. „Und bitte tretet nicht auf Frösche oder Lurche.“ Na gut. Konzentrieren wir uns mal, wenn ein Sinn eingeschränkt ist, dann funktionieren die anderen ja angeblich besser. Also hören wir, und wir riechen die Tiere. Der Guide sagt, er kann in einigen Zoos schon am Eingang bestimmte Tiere mit extremen Geruch herausriechen. Der Mähnenwolf ist so ein Tier. Sieht aus wie eine Mischung aus Reh und Wolf, ist ein eher kuschliges und liebes Tier und stinkt. Wo Licht ist, ist halt auch Schatten. Ach ja, Schatten. Erwähnte ich schon, wie dunkel es nachts im Zoo ist?

Einige Tiere sehen wir trotzdem, zumindest im Lichtkegel der Taschenlampe des Zooführers. Der ist tagsüber übrigens Biologiestudent und erzählt zwischendurch ein paar wissenswerte und auch unterhaltsame Dinge über Tiere. Am liebsten hätte ich mir alles aufgeschrieben, weil ich so schnell alles vergesse und durcheinanderbringe, wenn ich es nicht aufschreibe. Aber zum Glück werden wir ja am Ende nicht nochmal abgefragt.

Was wir für Tiere gesehen haben? Den kleinen roten Panda – nicht. Der hat sich versteckt. Dafür Kängurus, einen schlafenden Jaguar und Pinguine

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Und dann waren wir noch im Tropenhaus, haben den Hintern von Helene, dem Plumplori angeschaut, ein bisschen auf ein Tapir geguckt und uns dann aber kollektiv von den Orang Utans ablenken lassen. Die wollten eigentlich gerade schlafen gehen, haben aber noch mal aus dem Bett geschaut. So! Toll!

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Orang Utan-Kind Yenko und seine Ziehmama sind unglaublich herzig, aber halt auch schon müde und lassen sich auch nicht mehr mit Nüssen anlocken. Ist schon ok, ich stehe ja auch nicht mehr auf, wenn ich mal im Bett liege. Fast hätten wir übrigens gedacht, dass wir auch da übernachten müssen, weil wir auf dem Weg wieder raus feststellen mussten, dass die Tür mittlerweile wieder abgeschlossen worden ist und unser Guide leider keinen Schlüssel hatte. Glücklicherweise – oder doch leider??? – gibt es mehr als nur einen Ausgang und so konnten wir dann doch wieder raus. Vorbei an den Seelöwen und Robben, die 24/7 und vor allem in den Sommermonaten Krach machen. Das ist schon ein Argument gegen eine zoonahe Wohnung. Falls da mal jemand drüber nachgedacht hat. Der Guide berichtet, dass die Seelöwen und sogar deren Tierpfleger regelmäßig Morddrohungen erhalten und die Reaktion ist dann vielleicht doch ein bisschen drüber. Ohren auf bei der Wohnungswahl.

Zum krönenden Abschluss unserer Tour durften wir noch zu den Nashörnern ins Innengehege, geschützt durch ein paar Betonpfeiler, durch die Menschen passen würden, Nashörner aber nicht.

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Nashörner sind überraschend nette Tiere, sie sind halt nur so gefährlich, weil sie erstmal alles platt trampeln und dann schauen, ob der „Gegner“ wirklich gefährlich war. Wenn so ein 2000 Kilo-Koloss ins Laufen kommt, dann stoppt der nicht eben mal, das wäre ja auch bestimmt nicht gut für die Knie. Ich wünschte mir, sie würden ein paar Wilderer überrennen, aber das passiert wohl eher selten. Tatsächlich fangen die Zoos an, ihre Nashörner besser gegen Einbruch zu sichern, weil das Horn auf dem Schwarzmarkt so viel Geld bringt, dass mittlerweile sogar in europäischen Zoos diese Tiere nicht mehr sicher sind.

In dieser Nacht passten wir ja aber ein bisschen auf die Nashörner auf und taten ihnen sogar noch einen Gefallen: wir streichelten sie. Trotz ihrer dicken Haut, liebten die Nashörner ihre Streicheleinheiten und stellten sich zum Teil sogar so hin, dass wir sie besser erreichen konnten. Nashörner fühlen sich rauh und hart an, ledrig natürlich, staubig, ein bisschen warm. Schwierig zu beschreiben, aber eins steht fest: es macht sehr sehr glücklich. Nashörner streicheln. Ich hätte es am liebsten noch umarmt, aber dafür sind das dann doch zu sperrige Tiere. Und vielleicht hätte ich dann auch noch Hausverbot bekommen.

Ich habe nicht genau auf die Uhrzeit geachtet, aber die ganze Führung hat mindestens anderthalb, eher zwei Stunden gedauert. Wir haben ein paar tolle Momente mit den Tieren gehabt, sie mal ganz anders wahrnehmen können und das Nashorn streicheln war dann das absolute Highlight. Vielleicht komm ich nächstes Jahr wieder. Ganz sicher aber habe ich wieder einige Tiere mehr in mein Herz geschlossen und eine Menge gelernt.

Ich habe ein Nashorn gestreichelt. Unglaublich gut.

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höherschnellerweiter: ziplinen

Sonntags hängt man ja gerne mal ein bisschen in den Seilen – warum also nicht einfach mal wörtlich nehmen?! Ziemlich gut geht das in der Eifel, genauer gesagt im beschaulichen Berlingen bei EifelAdventures. Hier werden seit 2015 unterschiedliche Dinge angeboten, zum Beispiel gibt es eine sehr schön angelegte Minigolfbahn, die sich auch deutlich von den „üblichen“ Minigolfparcouren unterschied, die ich bisher bespielt habe. Außerdem kann man dort auch in den Bäumen zelten oder ziplinen. Und ziplinen finde ich super, das ist ein bisschen wie fliegen und ich LIEBE fliegen.

Wie das funktioniert? Man bucht sich einen Termin und lernt dann dort vor Ort seine Gruppe kennen. Wir hatten Glück, alle anderen Mitstreiter waren ziemlich nett, es war niemand dabei, den ich gerne vom Baum schubsen wollte. Begleitet wurden wir von zwei Guides, die uns Klettergurte anlegten, uns in Sicherheitsregeln einwiesen, alles geduldig erklärten und zeigten und unterwegs auch Fotos von uns machten. Denn: man selbst nimmt nichts mit, Hosentaschen müssen leer sein und man hat sowieso keine Hände frei und ist schon ziemlich mit sich selbst beschäftigt. Und dann geht es rauf auf den Baum, ran ans Seil und rüber. Dabei ist man die ganze Zeit gesichert und man müsste schon den Klettergurt mutwillig ausziehen, um überhaupt abstürzen zu können. Die Bäume und Seile machten auch einen ziemlich stabilen Eindruck, so dass ich nicht das Gefühl hatte, dass mir was passieren kann und mich immer voll Vorfreude einklinkte und losflog.

Mit der Höhe ist das ja so ne Sache. Je älter ich werde, desto kritischer wird es. Dabei ist es sehr unterschiedlich. Stehe ich auf einem Aussichtsturm oder so, dann kann der kaum hoch genug sein. Ich habe auch keine Schwierigkeiten mit Treppen aus Metallgittern und kann da lässig auf- und absteigen. Fängt es aber unter mir dabei ein bisschen an zu schwanken und zu wackeln, dann sieht das bei mir auch schon etwas anders aus. Der Tetraeder in Bottrop zum Beispiel ist gar nicht sooo hoch, schwankt aber ordentlich. Da wird mir schon etwas flau. Um in Berlingen auf die erste Plattform zu gelangen, mussten wir eine Strickleiter hochklettern. Da musste ich mich schon sehr konzentrieren und habe bewusst nur zur Plattform hoch geschaut. Oben war dann alles in Ordnung. Von Plattform zu Plattform ziplinen auch gar kein Problem. Da war ich ein bisschen wie im Rausch.

„Auf der großen Plattform treffen wir uns dann alle zum Base Jump wieder.“ Und DAS war dann meine Herausforderung. In 15 Meter Höhe auf einer Plattform stehen, ohne Geländer – aber der Klettergurt hält einen ja. Der Kopf weiß das, die Knie nicht so richtig. Bei jedem weiteren Tourteilnehmer wird die Plattform enger und schwankt auch etwas mehr. Fokus auf die Mitte der Plattform, bloß nicht umdrehen und sehen, dass man nur noch einen halben Schritt vom Abgrund entfernt steht. Abstürzen kann man zwar nicht, aber weh tun würde das mit Sicherheit. Runter geht es aber nur noch über einen Weg: springen. In eine Seilwinde eingehakt, springt man in den Wald. Die Winde bremst den Sprung schon nach etwa anderthalb Metern und lässt einen dann sanft zu Boden gleiten – es ist trotzdem nicht sooo leicht, auf beiden Beinen zu landen – aber den Schritt nach vorne musst du schon machen. Und das ist wirklich nicht einfach. Denn man schaut runter, automatisch. Und ich bin jemand, der der ganzen Technik und Sicherung 100% vertraut, nur halt dem eigenen Körper nicht so gut. Ich habe einen Moment länger oben gestanden als geplant, es gab aber glücklicherweise noch Mitstreiter, die noch länger gebraucht haben oder sich erst hinsetzen mussten um zu springen. Bei mir hat Tourguide Elmar von drei rückwärts gezählt und dann bin ich gesprungen. Augen zu und durch. Geronimo.

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Base Jump, kurz vor der Landung. (© EifelAdventures Berlingen)

Zur Belohnung gibt es dann vier Talüberquerungen, über Baumwipfel rauschen, keine Ahnung wie hoch und wie lang, aber es ist einfach ein Genuss. Zwischen den Überquerungen dann noch ein bisschen Kletterparkgefühl dank Hängebrücken und Leitern.

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 © EifelAdventures Berlingen

Über zwei Stunden ist man insgesamt unterwegs und man merkt schon, dass man sich auch ein bisschen sportlich betätigt hat. Da schwitzt man gelegentlich schon, nicht nur vor Angst. Muskelkater hatte ich ein bisschen und einen Bluterguss am Oberschenkel habe ich mir auch mitgebracht. Das aber eher aus eigener Dummheit bzw. Ungeschicktheit. Ansonsten einfach nur ein bisschen Adrenalin und ein Gefühl von Freiheit. Ich kann mir so eine Tour auch sehr gut als Teamevent vorstellen, da die gemeinsam erlebten Momente – vor allem der Base Jump – schon auch zusammenschweißen und man nicht ohne Stolz wieder nach Hause fährt. Es ist einfach, das komplette Equipment bekommt man gestellt und man muss eigentlich nur auf einigermaßen festes Schuhwerk achten. Nur Leute mit wirklicher Höhenangst werden da wohl weniger Spaß haben beziehungsweise deutlich länger brauchen um sich zu überwinden.

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Über den Bäumen mag die Freiheit wohl grenzenlos sein…  (© EifelAdventures Berlingen)

Ich jedenfalls kann einen Ausflug dorthin wirklich uneingeschränkt empfehlen. Es macht Spaß, die Organisation ist gut, die Guides waren nett und die Gegend ist auch noch wunderbar. Und dieses Gefühl, so ein bisschen wie fliegen halt, das ist einfach einmalig.

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Der Herr der Zeit 

Von der Dortmunder Innenstadt ostwärts führt der Hellweg entlang. Dort reihen sich Stadtteile wie an einer Perlenschnur entlang. Körne, Wambel, Brackel, Asseln, Wickede. In der Reihenfolge vom Zentrum entfernt. Jeder Stadtteil hat ein eigenes „Zentrum“ und das ist immer am Hellweg. Dort fährt die Straßenbahn entlang und dort sind die Geschäfte. Ich wohne in Körne, also noch recht nah an der Innenstadt. Die Wohnung ist nicht direkt am Hellweg, sondern in einer ruhigeren Seitenstraße, aber ich bin häufig dort, weil ich viel mit der Straßenbahn unterwegs bin und dann dort ein- bzw. aussteige. In Körne gibt es Supermärkte – deutsch, türkisch, polnisch – eine Drogerie, verschiedene Restaurants und Imbisse, Blumenläden, zwei Eisdielen, ein Hörgeräteakustiker, Friseure, einen Änderungsschneider, einen Schlüsseldienst, mehrere Apotheken, einen Bäcker und einiges mehr. Ich mag das sehr. Manche Geschäfte interessieren mich weniger, aber grundsätzlich finde ich es sehr schön, so ein gemischtes und großes Angebot vor der Haustür zu haben. Am allerallerliebsten aber gehe ich zu Ali. Ali ist Uhrmacher und hat einen winzigen Laden, der über und über mit Uhren vollgestopft ist. Während er deine Uhr repariert oder die Batterie wechselt, darf man neben ihm sitzen und ihm zusehen. Als ich das erste Mal bei ihm war, hat er während er mein Armband repariert hat, geraucht und ein Bier getrunken. In seinem Laden dudelt immer ein Radio und es ticken tausend Uhren.

Ali ist geschätzt Ende 50 und ist Kurde.  Er hat mir erzählt, dass er aus Kurdistan kommt, aber mittlerweile schon so lange in Deutschland lebt, dass er wie ein richtiger Deutscher ist. Ali spricht leider nicht wirklich gut deutsch, aber es reicht, um sich zu unterhalten. Und es reicht auch, um meine eine Uhr zu loben und über meine andere Uhr zu schimpfen. An der Uhr ist alles billig, aber ich mag sie einfach trotzdem sehr. Und er sagt, dass es keine gute Uhr ist, aber er verstehen kann, warum sie mir gefällt.

Alis Nachbarin ist Friseurin, ihr Salon neben seinem Laden. Ihre Uhr repariert er umsonst, dafür schneidet sie ihm die Haare. Ich selbst habe bei Ali noch nie soviel bezahlt wie er anfangs behauptet. Irgendwie „verliert“ er unterwegs immer ein paar Euro und selbst wenn man ihn daran erinnert, was er noch an der Uhr repariert hat, lacht er nur und weigert sich, mehr anzunehmen. „Komm nächstes Mal wieder zu mir“ sagt er dann. Und ein bisschen freue ich mich schon darauf. Bei Ali im Laden ist alles sehr eng und voll und chaotisch. Aber gleichzeitig ist die Welt bei ihm im Laden auch einfach sehr in Ordnung. Nie im Leben würde es mir mehr einfallen, meine Uhren zu einem anderen Uhrmacher zu bringen oder die Batterien im Kaufhaus wechseln zu lassen. Vielleicht kaufe ich mir demnächst noch ein oder zwei neue Uhren, damit ich häufiger zu ihm gehen kann.

Ich mag gar nicht darüber nachdenken, dass Ali seinen Laden mal irgendwann schließen wird. Er wird mir dann sehr fehlen. Schade, dass er zwar tausend Uhren hat, aber die Zeit nicht anhalten kann.

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