Geteiltes Glück…

Weihnachten steht vor der Tür! Ich kann es nicht mehr wegdiskutieren, obwohl es mir wie jedes Jahr alles zu schnell und zu früh geht. Da pellte sich noch der Sonnenbrand auf den Schultern, als es schon die ersten Spekulatius und Lebkuchen gab. Und jetzt eskalieren schon einige in ihrer Weihnachts- und Adventsdeko während ich finde, dass ich dem Herbst – ansich ja auch eine ganz schöne Jahreszeit, die durchaus ihre Reize und Vorzüge hat – noch gar nicht ausreichend gehuldigt hatte. Mit huldigen meine ich übrigens nicht zwingend dekorieren, ich hab es ja eh nicht so mit Deko. Meine Weihnachtsdeko fällt auch verhältnismäßig sparsam aus und vor allem – sie ist noch verstaut. Wenn ich jetzt schon alles schmücken würde, würde es mir vor Weihnachten bereits auf die Nerven gehen. Ich hatte auch noch keinen Lebkuchen. Ich bin noch nicht so weit. Jeder wie er mag.

Trotzdem habe ich mir schon Gedanken gemacht, ich habe sogar schon die ersten Geschenke besorgt, über Essen nachgedacht (das ist immer eine gute Sache) und auch über die Vorweihnachtszeit. Und auch über die Flut an Schokoladengedöns, die ich erfahrungsgemäß erwarten kann. Und die – manch einer mag das kaum glauben – dann irgendwann im Sommer oder spätestens im nächsten Winter entsorgt wird. Es ist nämlich so: ich stehe gar nicht so auf Schokolade. Und wenn, dann nur auf die dunkelste Schokolade, die man so kaufen kann. Milchschokolade vertrage ich zudem nämlich auch nicht so gut, da lässt man die dann auch schon mal freiwillig liegen. Das mit der Schokolade und mir war nicht immer so, das hat sich in den letzten Jahren so entwickelt. Aber mittlerweile esse ich wirklich selten Schokolade und dann muss ich da auch richtig Bock drauf haben. Müsste ich zwischen Schokolade und einem Leberwurstbrot entscheiden, die Schokolade hätte meist schlechte Karten. Ich esse auch lieber eine Vorspeise als ein Dessert, nur Kuchen kann mich noch so richtig wirklich begeistern.

So, Ende des langen Vorgeplänkels, jetzt mal Tacheles: in der Vorweihnachtszeit bekomme ich oft Unmengen an Schokolade, allein bei der Arbeit. Und es ist viel zu schade, das alles irgendwann wegzuwerfen. Und deswegen habe ich beschlossen, dass ich ab sofort und bis zum Abschluss des Weihnachtsfestes (das ist ja auch häufig erst Mitte Januar alles erledigt) jede mir geschenkte Süßigkeit spende und zwar an das Gast-Haus e. V. in Dortmund. Das ist eine ökumenische Wohnungslosen-Initiative, die unter anderem Mahlzeiten an Obdachlose ausgibt. Und weil Weihnachten ist, werde ich jede mir geschenkte Süßigkeit verdoppeln, also das gleiche bzw. etwas vergleichbares nachkaufen und noch mit dazugeben.

Warum das Gast-Haus? Isso. Langfassung: ich war im Spätsommer einmal für etwa anderthalb Minuten dort vor Ort, weil ich eine Marmeladenspende für das Frühstück abgegeben habe. Nach diesen anderthalb Minuten brauchte ich etwa anderthalb Stunden bis ich mich wieder einigermaßen gesammelt hatte. Natürlich gibt es viele Einrichtungen, die immer Unterstützung gebrauchen können und ich kann mir gut vorstellen, dass ich die Aktion im nächsten Jahr mit einem anderen Empfänger wiederhole.

Und warum ich das überhaupt erzähle? Mein erster Chef sagte immer: Tu Gutes und sprich darüber. Vielleicht überlegt sich der ein oder andere ja ebenfalls, mal auf die Weihnachtssüßigkeiten zu verzichten. Müssen ja auch nicht alle sein. Wer mag und ebenfalls aus Dortmund kommt, der kann mir die Sachen auch geben und ich bringe sie dann gesammelt zum Gast-Haus. Ansonsten kann man sich dort auch einfach melden und fragen, wann man die Sachen abgeben kann. Wie auch immer: Kleinvieh macht halt auch Mist und geteiltes Glück ist doppeltes Glück.

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Erbstück

Ich habe Zimtschnecken gebacken und dabei an meine Oma gedacht. Als ich Kind war,  haben wir in ihrer Küche zusammen Hefezöpfe gebacken. Eigentlich war ich so gut wie immer entweder in ihrem Garten oder in ihrer Küche. Von ihr habe ich meine Liebe zum Backen und Kochen geerbt, definitiv. Die Hände in Kuchenteig versenken, Gemüse schneiden, Gewürze riechen. Das Gespür für Lebensmittel, für ihren Geschmack und wie sie verarbeitet werden können.

Bei meiner Oma konnte man früher immer unangemeldet vorbeikommen, sie hat es geschafft, jeden satt und glücklich zu machen. Aus zweieinhalb Zutaten konnte sie ein ganzes Gericht improvisieren und alles, was sie einem vorsetzte, schmeckte. Das lag natürlich zum einen daran, dass sie die meisten Zutaten frisch aus ihrem riesigen Garten holte und zum anderen daran, dass sie es gewohnt war, für viele zu kochen und aus wenigen Dingen viel heraus zu holen. Nicht zu vergessen, die Extraportion Liebe und ihre Nerven aus Stahl. Vermutlich ist es so, dass Omas diese Gabe haben, extra viel Gelassenheit und natürlich viel weniger streng sind als bei ihren eigenen Kindern. Ich jedenfalls habe die Zeit in der Küche meiner Oma und mit ihr geliebt.

Ich habe selbst keine Kinder, wer weiß, ob ich jemals welche haben werde. Aber ich habe ausreichend Freunde und viele Kinder in meinen Freundeskreisen, so dass ich zumindest die „Tante“ werden kann, bei der immer alle gerne vorbei kommen und wo man sich wohl fühlt und die mit den Kindern backt und kocht. Irgendwie finde ich diesen Gedanken sehr schön, diese Lebensart und dadurch auch ein bisschen sie selbst weiter zu leben und zu geben.

Wenn ich heute in meiner Küche stehe und koche oder backe, dann denke ich fast immer an meine Oma. Die kocht heute nicht mehr, weil sie mittlerweile so dement ist, dass sie das nicht mehr kann. Ich denke aber an sie und überlege manchmal auch, wie sie das wohl gekocht hätte und wie ihr die Dinge schmecken würden. Meine Zimtschnecken würde sie lieben, denn diese Liebe zu süßem Hefegebäck, die hat sie mir auch weiter vererbt.

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7 Jahre Dortmund

Schon wieder ein Jahr herum, wieder jährt sich mein Umzug nach Dortmund. Manchmal bin ich selbst erstaunt, dass es „erst“ sieben Jahre her ist, es kommt mir länger vor. Ich glaube, das ist ein ganz gutes Zeichen. Auch wenn ich Bielefeld noch regelmäßig vermisse und von dem ständigen Gefühl begleitet werde, zu selten dort und bei meiner Familie und meinen Freunden zu sein.

Michael hat neulich über Heimat geschrieben. Da habe ich dann sehr lange drüber nachgedacht. Heimat. Was ist das für mich? Dass es die Kleinstadt ist, in der ich aufgewachsen bin, das habe ich schon vor langer Zeit für mich ausgeschlossen. Bielefeld, die Stadt, die mich so geprägt hat? Oder Dortmund, wo ich jetzt lebe und nicht mehr wegziehen möchte? Nach einigen Stunden auf dem Sofa, im Stau, in der U-Bahn oder während Planking-Übungen beim Sport, in denen ich über Heimat nachgedacht habe, kam ich zu folgendem Ergebnis: Heimat ist für mich kein Ort. Kein fester Ort. Heimat ist überall dort, wo ich mich „heimisch“ fühle. Und das liegt meistens an den Menschen um mich herum, oder es sind besondere Orte, zum Beispiel mit schönen Erinnerungen. Heimat ist für mich, mit meiner Familie am Esstisch zu sitzen, Heimat ist für mich der Siggi in Bielefeld. Heimat ist meine Wohnung, natürlich. Heimat ist mit Freunden Sushi zu essen. Heimat ist mit dem Patenkind Zeit zu verbringen. Heimat ist am Bergmannkiosk ein Feierabendbier trinken. Heimat ist, in seinen Armen einzuschlafen. Und manchmal sind es auch Erinnerungen oder Musik. Die Nächte (und Tage) früher im Mellow Gold zum Beispiel, das empfinde ich als Heimat.

Dinge ändern sich. Städte ändern sich. Menschen ändern sich. Ich habe mich in den letzten sieben Jahren mit Sicherheit verändert. Und das ist gut so und fühlt sich richtig an. Veränderungen, Entwicklungen sind wichtig und schon immer ein Teil von mir. Die Wohnortwechsel gehörten dazu und ich habe bisher keinen bereut. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, das jemals zu bereuen. Ich bin glücklich hier und ich trage eine Menge Heimat in mir. Und Dortmund hat mir auf jeden Fall dabei geholfen, dass das so ist.

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on tour: Klimahaus Bremerhaven

Eigentlich wollten wir Freunden eine Weltreise zur Hochzeit schenken, aber das Budget reichte dann ganz knapp nicht dafür aus und deswegen improvisierten wir ein wenig und schenkten alternativ einen Ausflug zum Klimahaus im Bremerhaven. Der Vorteil: (fast) der ganze Freundeskreis konnte mitkommen und wir konnten gemeinsam die Weltreise antreten. Denn eine Weltreise erlebt man während seines Aufenthalts dort, immer entlang des 8. Längengrads. Start und Ende liegen natürlich in Bremerhaven, außerdem besucht man Isenthal in der Schweiz, Seneghe auf Sardinien, Kanak im Niger, Ikenge in Kamerun, die Antarktis, Satitoa auf Samoa, Gambell in Alaska und die Hallig Langeness in Deutschland. Diese Destinationen liegen ebenfalls alle auf dem gleichen Längengrad und so reist man einmal um die ganze Erde und nimmt alle Klimazonen mit. Unterwegs erlebt man eine Menge, sieht Landschaften und Tiere, lernt Menschen kennen, erfährt Einzelheiten über die Länder.

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Man lernt, wie die Menschen dort mit dem Klima umgehen, wie sich in den letzten Jahren ihr Leben verändert hat – und auch, warum es sich so verändert hat. Je länger man unterwegs ist, desto klarer wird einem, dass man selbst einer der Gewinner der Globalisierung ist, es aber sehr viele Verlierer gibt. Man lernt auch: Klimawandel betrifft uns irgendwann alle, die einen eher, die anderen später. Und es wird einem sehr bewusst, wie viel Glück man hat, hier zu leben. Wir leben so ungefähr das angenehmste Leben auf diesem Planeten und sollten zum einen sehr viel dankbarer dafür sein und zum anderen viel mehr über unseren Tellerrand zu schauen und zu erkennen, wie es in anderen Regionen ist.

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Die Tour durch das Klimahaus hilft einem sehr dabei, denn die einzelnen Regionen sind sehr gut dargestellt. In der Wüste ist es heiß, in der Antarktis eiskalt. Das ist anstrengend, aber alles machbar. Viele Dinge sind nachgebaut und dadurch gut vorstellbar. Außerdem kann man eine Menge ausprobieren, kurze Filme anschauen und Texte lesen. Die Tour durch das Klimahaus ist schonungslos. Sie zeigt einem die Probleme der Welt, ausgelöst durch Klimaveränderungen und Globalisierung. Sie zeigt einem, dass zum Beispiel Samoa gar nicht so ein Südseeparadies ist, wie man es sich vorstellt, sondern dass die Insel bald im Müll erstickt, seit es die Möglichkeit gibt, Lebensmittel bequem und im Überfluss zu kaufen und die Einwohner nicht nur darauf zurückgreifen, was sie wirklich brauchen und was die Natur ihnen bietet.

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Wenn man nach der Weltreise noch nicht genug hat, dann kann man sich weiter informieren, es gibt Zukunftsausblicke – die nicht rosig sind – ein Wetterstudio, Informationen zu Offshore Windparks und ein World Future Lab.

Die Reise durch das Klimahaus hat uns alle beeindruckt und wir haben auch am Abend noch länger über Nachhaltigkeit und das eigene Verhalten gesprochen. Die kleinen Dinge, die man selbst machen kann und die man auch ohne größere Einschränkungen in seinen Alltag integrieren kann. Es gibt so zahlreiche davon. Das Klimahaus macht es einem bewusst, dass man verantwortlich ist – das ist nicht immer schön und einfach. Aber die Ausstellung zeigt es so anschaulich, lebendig und interessant, dass es einfach Spaß macht. Ohne erhobenen Zeigefinger. Von daher meine absolute Empfehlung für euch, das Klimahaus mal zu besuchen und auf sich wirken zu lassen. Die Weltreise im Kleinformat.

cof

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