Album des Jahres 2009

Die ersten Jahrescharts werden erstellt. Lieblingsfilme, Lieblingskonzerte, Lieblingsplatten. Ich mache das immer gerne, bin ja eh ein großer Listenfreund. Auch Popsecret interessiert sich dafür, wer welche Lieblingsalben aus 2009 hat. Also ging ich in mich und überlegte. Zuerst dachte ich, dass ich 2009 überhaupt gar keine 10 Alben gekauft hätte, was natürlich völliger Nonsens ist. Alleine in New York habe ich ja schon, äh, ach..einige gekauft. Trotzdem fielen mir zunächst kaum Alben ein und ich musste erst überlegen und nachschauen, was für Konzerte ich denn besucht hatte. Und dann kamen sie, nach und nach. Ich schrieb, kritzelte dazwischen, strich durch, versuchte schon mal, ein Ranking einzubringen. Immer und immer mehr Alben fielen mir ein, irgendwann sah der Zettel so aus:

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Und ich weiß, dass es immer noch nicht endgültig ist. Da wird sicherlich noch einiges geändert. Und überhaupt: es gibt sogar noch Alben, die ich bisher nicht gehört habe, weil sie gerade erst rausgekommen sind. Die will ich ja eigentlich nicht unterschlagen. Gut, dass das Jahr noch ein paar Tage hat und ich noch über die passende Reihenfolge grübeln kann. Und vermutlich fallen mir auch noch ein paar weitere Alben ein, die UNBEDINGT alle noch in die Top10 müssen. Aber natürlich geht das nicht. In eine Top10 passen ja nicht zwanzig Alben. Leider.

Ich bin gespannt auf 2010. Nicht nur – aber auch – wegen der neuen Musik, die auf mich wartet.

Und jetzt ihr.

Ich esse was, was ich nicht kenn’ (Dezember)

Ein Jahr ist vorbei. Elf (und noch mehr) mir bis dahin unbekannte Dinge habe ich gegessen und getrunken. Einiges war sehr lecker und wurde dann häufiger verzehrt, auf anderes hätte ich auch verzichten können. Aber ich kann zumindest sagen, dass ich es probiert habe.

Für Dezember habe ich mir etwas ausgesucht, dass ich schon seit Jahren probieren wollte. Warum ich es nicht vorher schon mal getan habe, weiß ich nicht. Vielleicht war 2009 einfach das Jahr, in dem ich mich trauen musste, neue Dinge auszuprobieren. Neue Lebensmittel gehörten dazu.
Mein liebster Lieblingsbaum ist die Kastanie. Das ist einfach zu erklären, weil ich nämlich meinen eigenen Kastanienbaum besitze, den ich als Kind zusammen mit meiner Oma gepflanzt habe. Zuerst wuchs der Baum im Topf, dann in einem riesigen Kübel, mittlerweile steht er im Garten meiner Mutter und ist um einiges größer als ich. Kastanien trägt er allerdings noch keine. Aber jeden Herbst hoffe ich darauf.

Im Dezember wollte ich es mal wagen, und Esskastanien essen. Maronen. Die habe ich tatsächlich noch nie zuvor probiert. Und als ich eben auf dem Weg zum Bus an der Verkaufs-Hütte vorbei kam und eh Hunger hatte, da griff ich kurzerhand zu und kaufte eine kleine Tüte.

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Esskastanien schmecken wie Süßkartoffeln. Die ersten fand ich toll, außerdem wärmte die Tüte in der Jackentasche meine Hand. Nach ein paar weitern wurde mir langweilig. Es ist ja doch ein bisschen wie trockene Kartoffeln essen. Ich sehnte mich nach Kräuterquark oder Knoblauchbutter.

Ich bin ein bisschen traurig. Mein letztes Essperiment für dieses Jahr. Und dann hatte ich es mir viel toller vorgestellt. Vielleicht sollte ich im nächsten Jahr damit weitermachen? Aber werde ich noch mal 12 mir unbekannte Dinge finden? Muss ich mal die Asialäden am Kesselbrink oder die afrikanischen Shops am Bahnhof aufsuchen? Und schaffe ich es 2010 Topinambur zu essen?

Ich warte aufs Christkind

So sehr wie in diesem Jahr habe ich mich schon lange nicht mehr auf Weihnachten gefreut. Oder vielleicht sogar: noch nie! Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass ich in diesem Jahr nur mit Menschen feiern werde, die ich auch wirklich mag. Es ist nämlich so: Weihnachten bei Familie Schlimm fällt in diesem Jahr aus! Ich kann es selbst noch gar nicht richtig glauben.

Sonntag waren meine Schwester und ich bei Omma Schlimm zum nachträglichen Geburtstagsbesuch. Seit Juni hatten wir sie nicht gesehen und mit einem etwas mulmigen Gefühl gingen wir dort hin. Nicht nur, dass man nie wissen kann, was sie einem so um die Ohren haut. Nein, wir hatten auch vor, ihr zu sagen, dass das Weihnachtstreffen bei Schlimm und Schlimmers in diesem Jahr ohne uns stattfinden müsste. Wir ahnten, es würde ein harter Kampf werden. Aber es würde sich lohnen, mit Sicherheit. Nicht mehr verkatert bei Leuten sitzen, die einem vollkommen fremd sind. Und nur weil wir eine ähnliche DNA haben, sollen wir einmal im Jahr so tun als würden wir dieses verlogene Pack mögen? Wo wir uns doch gegenseitig 364 Tage im Jahr egal sind?! Nein. Nicht mehr.

Irgendwann, so nach fast einer Stunde, kam dann das Gespräch auf Weihnachten. Mir schlug das Herz fast bis zum Hals. Seiner eigenen Oma (die nebenbei ja auch noch die Großmeisterin der stillen Vorwürfe ist) zu sagen, dass man Weihnachten sich lieber die Hand abschlagen als mit ihrer Familie feiern würde, ist schon kein Zuckerschlecken.
Aber auf einmal kam alles ganz anders. „Weihnachten wird dieses Jahr nicht bei Tante Schlimm gefeiert!“ Die Hintergründe dazu tun hier nichts zur Sache, aber ich wusste in diesem Augenblick: wenn ich jetzt meine Schwester anschaue, dann brechen wir beide in schallendes Gelächter aus, springen auf und tanzen einen Freundentanz um den Tisch. Also schaute ich meine Oma an und hoffte, sie würde uns die Erleichterung und unterdrückte ekstatische Freude nicht anmerken.

Weihnachten wird in diesem Jahr wunderschön, entspannt und lustig. Ich werde Menschen um mich herum haben, die ich liebe und lieb habe. Die mir auch mal fehlen, wenn ich sie nicht sehe. Die mich verstehen. Denen ich vertraue. Die mich glücklich machen. Die mich zum Lachen bringen und mit denen ich immer albern sein kann. Oder auch mal ernst. Es sind Menschen, die ich gerne beschenke.

In diesem Jahr sind mir alle Geschenke irgendwie in die Hand gefallen. Davon abgesehen, dass ich eh nur wenige benötige (der Wahn bleibt in einem sehr überschaubaren Rahmen), habe ich die meisten Dinge schon vor Wochen und immer eher zufällig gefunden. Durch überfüllte Geschäfte brauche ich mich also nicht mehr prügeln. Herrlich. Die gewonnene Zeit nutze ich für Konzertbesuche (wie immer) und Plätzchenback-Orgien. Ich warte aufs Christkind. Total entspannt.

ömür boyu mutluluklar diliyorum

Meine liebste Kollegin ist Türkin, was bedeutet, dass ich regelmäßig Börek und Baklava bekomme und ich brockenweise türkische Vokabeln dazu lerne. Und ich lerne die türkische Kultur kennen, türkische Hochzeiten zum Beispiel. In diesem Fall war es dann sogar ihre Hochzeit. Die war gestern und sprengte meinen Vorstellungsrahmen gewaltig. Sie hatte mir erzählt, was auf mich/uns zukommen wird, so dass ich nicht ganz unvorbereitet war. Aber was dann geboten wurde, war größer, gewaltiger und noch viel besser als ich mir gedacht hatte.

Rund 800 Gäste, das ist ja schon mal nicht ohne. Angst vor Menschenmassen darf man da nicht haben. Und mit wild rumlaufenden Kindern darf man auch keine Probleme haben. Die wirkten zum Teil etwas unkontrolliert, davon abgesehen, dass man fast meinen könnte, ausnahmslos alle türkischen Kinder seien übergewichtig. Glücklicherweise konnten wir dann aber noch feststellen, dass das nicht so ist. Am besten gefiel mir das Mädchen, welches mit den Haaren in meinem Armband hängen blieb, aber einfach weiterlief. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Natürlich feiert man eine Hochzeit mit 800 Leuten nicht in einer Gaststätte, da muss schon was größeres her. Nachdem ich im Frühling noch scherzhaft das Gerry Weber-Stadion vorgeschlagen hatte, wurde es dann tatsächlich ein Saal in dieser Stadt. Das ist eine ehemalige Fabrikhalle, so ein wenig besitzt sie auch noch diesen Charme, aber sie ist halt groß genug für türkische Hochzeiten. Konzerte könnte man dort sicherlich auch stattfinden lassen, aber man hat sich halt auf Hochzeiten spezialisiert.

Ich habe das Rätsel gelöst, warum auf türkischen Hochzeiten so viel getanzt wird: man möchte einfach alles ausschwitzen und niemals auf Toilette gehen müssen. 800 Gäste. Davon mindestens 400 Frauen. Und es gab 3 Frauentoiletten. 2 davon konnte man abschließen. Und ganz ehrlich, ich war schon auf schöneren Bahnhofsklos. Davon abgesehen, dass es wohl üblich ist, dass man sich dort zum Quatschen, Nachschminken und Rauchen trifft. Ne, bei dem Wetter wollte ich auch nicht raus. Aber nachdem ich dann doch einmal dort hin musste (traf dort die Schwester der Braut und bekam Desinfektionsmittel mit), roch ich wie nach dem Besuch einer spelunkigen Bahnhofskneipe. Ich entschied mich fürs Tanzen und ausschwitzen. Die Braut selbst schaffte es übrigens, den ganzen Abend dieses weniger stille Örtchen nicht einmal betreten zu müssen. Ihr Glück.

Einer der großen Unterschiede zwischen deutschen und türkischen Hochzeiten ist, dass das Essen eher eine Nebensache ist. Klar, bei der Masse an Gästen kann man da auch eigentlich nicht viel erwarten. Draußen vor der Halle (in Halle) stand ein überdimensionaler Hähnchengrillwagen. Jeder bekam dann später 1/2 Hähnchen mit Pitabrot und etwas Gemüse. Merke: niemals als Vegetarier dort hingehen. Die wären nicht satt geworden. Aber ich glaube, das Wort Vegetarier gibt es im türkischen auch gar nicht.

Wunderbarerweise blieben wir von schlechter Musik und lächerlichen Hochzeitsspielen verschont. Stattdessen wurde getanzt. Auch Ostwestfalen können sich davon begeistern lassen und ich selbst fühle mich ja auf der Tanzfläche zuhause. Einige Lieder kannte ich noch von meiner wilden Zeit in der Bahnhofsgegend, wo fast alle meine Nachbarn Kurden waren und im Kulturzentrum hinter meinem Haus auch die ein oder andere Hochzeit gefeier wurde. Außerdem bin ich ja ein großer Freund von Musik, die vom Balkan kommt. Türkische Musik gehört da natürlich auch mit zu. Gut, einiges erinnerte schon an Kirmes-Techno, aber die Masse um einen herum konnte einen schon mitreißen. Diese Masse konnte dann locker auch nebenbei mal das Brautpaar in die Luft werfen – eine Tradition, auf die ich verzichten könnte, vor allem, wenn ich ein Brautkleid tragen würde.

Die Geschenkeübergabe wurde von einem Mann moderiert, der ein wenig wie Öcalan aussah und vermutlich Entertainer oder sonst eine Größe im türkischen Fernsehen ist. Singen konnte der nämlich auch noch, wie wir später feststellten. Und moderieren. Das Brautpaar, die Brautführer und die Eltern stellten sich brav in einer Reihe auf und wurden mit Gold behängt und bekamen größere Scheine in ein Körbchen gelegt. Ganz schnörkellos wurde da einfach die Geldbörse gezückt und die Scheine herausgeholt. Der Moderator sagte dann an, wer der Schenker ist und auch, was man da genau schenkt. Wir hatten eine Schatzkiste gepackt und konnten deren Inhalt nicht so recht beziffern. Jeder gab halt, was er wollte. Öcalan hat das dann aber auch ganz charmant gemeistert und wir einigten uns darauf, dass es halt „eine Überraschung“ sei. Das Geschenk wanderte zu den anderen und wir herzten die aufgereihten. Wir Ostwestfalen, die keine fremden Menschen anfassen mögen. Geschweige denn küssen. Braut und Bräutigam, das hatte ich mir vorher schon geschworen, sollten die einzigen (einigermaßen fremden) Menschen sein, die an diesem Abend von mir geküsst werden. Glücklicherweise sahen meine Arbeitskollegen das genauso wie ich, und andere auch, wie wir dann noch erleichtert feststellten. Händeschütteln und ganz fest nicht an irgendwelche Grippeviren denken reicht halt manchmal auch.

Und dann wird weiter das Tanzbein geschwungen. Lassen wir die Hüften kreisen und die Schultern auch, und ach, ihr wisst ja, wie das so aussieht. Wer nicht, der kann fragen, ob er das Hochzeitsvideo sehen kann. Der Festsaal hatte eine eigene Filmproduktion und der Kamera, die den kompletten Abend an einem Kran über der Tanzfläche kreiste, entging vermutlich nichts. Ob das Video jemals jemand sehen wird, bezweifele ich. Aber so konnte zumindest auch alles noch auf einer Leinwand übertragen werden, damit auch die Gäste auf den billigeren Plätzen weiter hinten noch alles sehen konnten. Vermutlich gibt es auch einen türkischen Hochzeitssender, auf dem alles live übertragen wurde.

Noch ein paar weitere kleine Traditionen folgten (wie der Kuss, nachdem Braut und Bräutigam einen Löffel Honig gegessen hatten) und ich wünschte, ich hätte Zettel und Stift gehabt um alle Fragen aufzuschreiben, die ich meiner Kollegin noch stellen wollte. Die Zeit verging an dem Abend jedenfalls recht schnell, es war nicht schlimm, dass es keinen Alkohol gab, musste man sich ja auch gar nichts schön trinken, weil niemand den Pur-Party-Remix auflegte oder wir sonst welche Grausamkeiten ertragen mussten. Es war einfach ein rauschendes Fest. Während die Kinder noch mit ihren blinkenden Plastikwaffen (die konnte man da kaufen. Für mich die Geschäftsidee des Jahrzehnts!) spielten, wurde es Mitternacht, es waren nur noch so rund 200 – 300 Gäste da, und die siebenstöckige Hochzeitstorte kam herein. Oh, war die lecker, gut, dass wir noch so lange gewartet hatten.

Und dann noch ein wenig tanzen und dann aber heim. Meine Füße taten schön weh. Der Regen erinnerte uns daran, dass wir ja doch in Ostwestfalen waren. Was ein Glück für mich, dass man(n) eine wärmende Jacke für mich übrig hatte. Im Winter heiraten ist eine doofe Idee.

Eigentlich kann ich mich ja für den Gedanken irgendwann mal selbst zu heiraten, nicht so wirklich erwärmen. Eins weiß ich jetzt aber sicher: niemals nie wird das solch ein Fest wie gestern. Wenn überhaupt, dann im kleinen Kreis. 800 Gäste würden mich in den persönlichen Wahnsinn treiben. Sollte ich aber mal wieder auf eine türkische Hochzeit eingeladen werden, dann sage ich ohne zu zögern zu. Denn es war die außergewöhnlichste Hochzeit, die ich jemals erlebt habe.

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Eben gerade war doch noch Sonntag Abend, der letzte Applaus verhallte in meinen Ohren (nein, das ist nicht jeden Sonntag so, das war etwas Besonderes, obschon ich mich daran gewöhnen könnte), jetzt ist schon wieder Freitag. Die Woche verflog mit einem Fingerschnippen, auch wenn einige Tage und Stunden davon mich an mein meterlanges Theaterkaugummi erinnerten.

Die Woche.

beunruhigend: wie sehr man sich von einer leicht panischen Stimmung in Bezug auf entflohende Straftäter anstecken lässt.

amüsierend: wenn man dann erfährt, dass der Mörder nicht mal in der Nähe war.

irritierend: extrem altkluge Kinder am frühen Morgen im Bus, die scheinbar Erwachsene spielen.

anstrengend: frühes Aufstehen (scheiß auf alle frühen Vögel der gesamten Welt).

sättigend: das Schnitzel bei Esser.

wachmachend: eisige Kälte am Morgen.

entspannend: vorm Einschlafen etwas vorgelesen bekommen.

aufregend (nicht so toll): wie Kinder morgens beim Bäcker behandelt werden (wie Abschaum).

aufregend (aber dabei ganz gut): die abschließenden Vorbereitungen der Riesenhochzeit am Wochenende.

erschreckend: wenn Menschen, die man immer für stark und optimistisch gehalten hat, zu einem „Ich kann nicht mehr!“ sagen, und man ihnen ansieht, dass sie es ernst meinen.

erkennend: reden und zuhören kann häufig sehr weiterhelfen.

besorgniserregend: E-Mails, die von plötzlichen Blinddarmentzündungen beim Lieblings-Cousin berichten

erleichternd: wenn man dann erfährt, dass er alles gut überstanden hat.

begeisternd: endlich die rote Mütze gefunden zu haben, die man jahrelang gesucht hat.

belustigend: was manche Bands als Merch verkaufen.

verzückend: Anders Wendin (Moneybrother).

bezaubernd: mein Adventskalender.

erfreuend: der Gedanke ans kommende Wochenende!

Wochenendlich.

mein Lied des Tages

Im Süden

In den letzten Tagen wurde Bielefeld ja mal wieder von diversen Regengüssen und Unwettern heimgesucht. Regen ist wirklich zum Kotzen. Ich brauche Sonne. Wo scheint die (zumindest etwas mehr)? In Bayern. Auch wenn ich mich auf der Fahrt dort hin fast zu Tode langweile, so lohnt sich dieser Aufwand für mich doch. Nicht nur wegen der Sonne, aber auch. Ich Sonnenjunkie. Es wird zwar etwas früher dunkel, aber den Tag über ist es ganz wunderbar. Bayern ist ja für ich eh ein Bundesland, was mich „äußerlich“ sehr an idyllische Modelleisenbahnenlandschaften erinnert. Aber hier leben? Nein danke. Zu Besuch: gerne.

Was ich neben Sonne noch „tanken“ konnte: günstige CDs, Chai Latte, Heidelbeer-Glühwein, gebrannte Mandeln und ein paar unvergessliche Stunden. Und Handschuhe habe ich noch gekauft. Kalt war es nämlich schon. Dafür habe ich nicht einen Moment einen Regenschirm vermisst. Außerdem habe ich einen nahtlosen Ring gedreht, was angeblich Glück (oder Kindersegen, die weisen Bücher streiten da) bringen soll.

Nürnberg hat übrigens eine Burg. Und von der aus hat man so einen Blick:

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Und dann kommt man zurück nach Bielefeld. Ikea steht in Flammen und in der Stadt haben Terror und Verwahrlosung die Macht übernommen. Polizeihubschrauber kreisen am Himmel.
Ach Bayern, gewähr mir bald wieder Asyl. Und schenke mir Sonnenschein.

Ekel-Wochen

In manchen Restaurants – oder Kneipen mit Gastronomie (wie auch immer) – gibt es ja manchmal „Aktionswochen“. Italien-Woche, Mexiko-Woche, Asia-Woche und so weiter. Alles ist dann irgendwie dekoriert, meist wirkt es etwas hilflos improvisiert und man kann dann schon auch merken, dass in der Küche für diese Woche noch immer der gleiche Koch zuständig ist und kein waschechter Italiener die Nudeln kocht. Aber es ist schon mal ganz nett, man bekommt mal was anderes und überhaupt.

Die letzte Aktions-Woche, die ich mitbekommen habe, hat mir allerdings fast den Abend ruiniert, weil ich voller Vorfreude auf den Schnitzeltag feststellen musste, dass die Fußball-Stammkneipe diese Woche ein Oktoberfest feierte. Kein Schnitzel. Und bayrische Kulinaria sind nicht so mein Fall.
Am kommenden Montag wollen wir die erneute Chance auf ein günstiges Schnitzel wahrnehmen, während (oder bevor) wir Fußball gucken. Und wie meine Schwester so schön sagte „Nicht dass wieder irgendeine ekelige Woche ist.“ Richtig. Ekel-Wochen, das wäre doch auch mal was. Auf der Speisekarte stehen dann Wurstebrei, Leber, Zungenwurst-Schnittchen und Graupensuppe (bei Bedarf selbstverständlich erweiterbar), alles wird natürlich in ein und dem selben Fett frittiert, welches schon mindestens zweidrei Wochen alt ist. Die Kellner/innen waschen sich die ganze Woche lang nicht, geputzt wird nicht und an jedem Glas kann man noch einen alten Lippenstiftrand erkennen. Die Aschenbecher (es wird geraucht) riechen nach kalter Asche und vor der Hintertür zur Küche liegen alte tote Tiere.

Und dann kommt Rach. Und ich freu mich auf mein Schnitzel am kommenden Montag.